Jemen

09. Mai 2011 09:29; Akt: 11.05.2011 20:48 Print

Erneut brutale Gewalt gegen Regimegegner

Im Jemen sind die Sicherheitskräfte erneut gewaltsam gegen mehrere Protestkundgebungen vorgegangen. In der Hauptstadt Sanaa sowie in den Städten Taiz, Hobeida und Dhamar starben insgesamt sechs Menschen.

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Jemenitische Regierungsgegner verbrennen ein Plakat mit dem Konterfei des verhassten Präsidenten Ali Abdallah Saleh. (Bild: Keystone/AP)

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In Sanaa eröffneten Soldaten und bewaffnete Männer in Zivil das Feuer auf einen Protestmarsch gegen Präsident Ali Abdallah Saleh, wie einer der Organisatoren, Taufik el Himjari, AFP sagte. Demnach wollte der aus tausenden Menschen bestehende Demonstrationszug vom Platz des Wandels, dem Zentrum der Protestbewegung in Sanaa, vor den Sitz der Regierung ziehen.

Rettungskräfte am Platz des Wandels sagten, zwei Demonstranten seien erschossen und rund 40 weitere verletzt worden. Auch in der südjemenitischen Stadt Taiz wurden am Morgen zwei Demonstranten getötet, als die Sicherheitskräfte gewaltsam eine seit Wochen andauernde Sitzblockade im Zentrum der Stadt aufzulösen versuchten.

Daraufhin zogen tausende Menschen zu mehreren öffentlichen Gebäuden, wie Augenzeugen berichteten. Demnach verriegelten sie die Vertretung der staatlichen Ölgesellschaft mit Vorhängeschlössern und hängten ein Schild mit der Aufschrift «Vom Volk geschlossen» auf.

Auch in anderen Städten Schiessereien

Aus der Hafenstadt Hobeida im Westen des Landes berichteten Augenzeugen und Rettungskräfte, dass ein Demonstrant erschossen worden sei, als die Polizei das Feuer auf eine Menge vor dem Sitz der Lokalverwaltung eröffnete.

In Dhamar, rund hundert Kilometer südlich von Sanaa, wurde Einwohnern und Ärzten zufolge ein Mann erschossen, als die Sicherheitskräfte gewaltsam eine Menschenmenge auflösen wollten. Auch in der Hafenstadt Aden kam es zu Zusammenstössen, Berichte über Tote lagen jedoch nicht vor.

Golf-Kooperationsrat mahn

Der Golf-Kooperationsrat mahnte am Dienstagabend alle Konfliktparteien zur Unterzeichnung des Abkommens zur Lösung der Krise. Das Abkommen, dass die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit, die Übergabe der Macht von Saleh an seinen Vize sowie ein Ende der Demonstrationen vorsieht, sei «der beste Weg aus der Krise», erklärte der Rat. Die für Ende April geplante Unterzeichnung des Abkommens war am Widerstand Salehs gescheitert.

Im Jemen gibt es seit Wochen Demonstrationen gegen den Staatschef, der das arabische Land seit bald 33 Jahren regiert. Unter dem Druck der Proteste kündigte Saleh Reformen und seinen baldigen Rücktritt an, doch eine Einigung mit der Opposition zur Organisation des Übergangs gelang bislang nicht. Neben Teilen der Armee haben sich auch wichtige Stämme und führende Geistliche von dem Präsidenten abgewandt.

(sda)