Todesstrafe in den USA

27. Juli 2014 15:01; Akt: 27.07.2014 15:01 Print

Erschiessungs-Kommando statt Giftspritze?

von Paul Elias, AP - Bei Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl ging früher viel schief, deshalb stiegen die USA auf Giftspritzen um. Doch nach mehreren Pannen wachsen Zweifel.

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Dreimal schon verliefen in diesem Jahr Hinrichtungen in den USA nicht nach Plan. Dreimal dauerte das Sterben der Verurteilten nach der Todesspritze ungewöhnlich lang, in dieser Woche rang der verurteilte Mörder Joseph Rudolph Wood in Arizona sogar fast zwei Stunden japsend und keuchend um sein Leben. Deshalb wird nun auch in den Vereinigten Staaten erneut über die Todesstrafe diskutiert: Kann man eine Exekution human gestalten? Und sollte das ein Kriterium sein?

Bis in die 70er Jahre spielte die Frage kaum eine Rolle. Bis dahin vertrauten die meisten Henker auf den elektrischen Stuhl, bisweilen wurden Todeskandidaten auch gehängt, in Gaskammern oder von Erschiessungskommandos getötet. Auch dabei gab es Pannen. In den Gaskammern litten einige Todeskandidaten ganz offensichtlich. Elektrische Stühle funktionierten nicht - oder sie gingen in Flammen auf.

Verfassung verbietet grausame Methoden

Langsam entspann sich bei Regierungsbeamten, Abgeordneten und Anwälten eine Debatte über neue, zuverlässige und verfassungsgemässe Exekutionsmethoden. Denn die US-Verfassung verbietet ausdrücklich, grausame und ungewöhnliche Methoden der Bestrafung - was aber die Todesstrafe selbst nach gängiger Lesart nicht ausschliesst.

1977 schien der Arzt Jay Chapman in Oklahoma die Lösung gefunden zu haben. Er schlug Injektionen aus drei verschiedenen Mitteln vor, mit dem Häftlinge zunächst betäubt und dann schmerzfrei getötet werden sollten. Dieser Giftcocktail ersetzte den elektrischen Stuhl. Alle rund drei Dutzend US-Staaten, die die Todesstrafe noch verhängen, wie auch die Bundesregierung vertrauten darauf. Rund 1200 Häftlinge wurden auf diese Weise getötet. Und das Oberste Gericht der USA bestätigte die Methode 2008 als verfassungsgemäss.

Giftspritzen werden von Laien verabreicht

Jetzt aber stellen sie selbst Befürworter der Todesstrafe wie der Bundesrichter Alex Kozinski infrage. Er plädiert stattdessen dafür, wieder auf Erschiessungskommandos zu vertrauen. «Wenn wir als Gesellschaft das verspritzte Blut bei einer Hinrichtung durch Erschiessen nicht aushalten, dann sollte es keine Exekutionen mehr geben», schrieb Kozinski diese Woche.

Eigentlich könnten Giftspritzen eine humane Art des Sterbens sein, sagt Arthur Caplan. «Aber so ist es nicht.» Bei Ärzten, die todkranken Patienten beim Sterben helfen, seien nie Schwierigkeiten bekanntgeworden. «Wir wissen, dass es schmerzfrei gemacht werden kann», sagt Caplan. Nur dürfen Ärzte aus standesrechtlichen Gründen nicht an Hinrichtungen mitwirken. Stattdessen werden die Todesspritzen von Laien verabreicht.

Erschiessungen seien «viel zu grausig»

Mangelndes Fachwissen ist womöglich ein Problem, noch gravierender ist jedoch der Lieferstopp vor allem europäischer Hersteller für wichtige Bestandteile des Giftmixes. Die Vollzugsbehörden sahen sich deshalb zur Suche nach Alternativen gezwungen, und die neuen Mittel haben offenbar nicht dieselbe Wirkung. Anästhesisten sagen, sie seien nicht überrascht über Woods langen Todeskampf in Arizona.

Bleibt den Befürwortern der Todesstrafe also tatsächlich nur die Rückkehr zum Erschiessungskommando? In Utah hat ein Abgeordneter bereits einen entsprechenden Gesetzentwurf angekündigt. Erwin Chemerinsky, Dekan der Juristischen Fakultät an der University of California und ein Gegner der Todesstrafe, glaubt indes nicht, dass sich das durchsetzt. «Es ist viel zu grausig», sagt er. Aus seiner Sicht wird es wohl bei Todesspritzen bleiben.

Todesstrafe in Kalifornien für verfassungswidrig erklärt

Die Staatsanwaltschaft in Kalifornien muss demnächst entscheiden, ob sie das Urteil eines Bundesrichters anfechten will, der die Todesstrafe in dem Staat kürzlich für verfassungswidrig erklärt hatte. Die Chefin der Behörde, Kamala Harris, ist allerdings ebenfalls Gegnerin der Todesstrafe. Diese Woche wurde sie gefragt, ob es überhaupt eine humane Art der Exekution geben könne. Sie sagte: «Ganz ehrlich, ich weiss es nicht.»