Attentäter von Rouen

27. Juli 2016 13:12; Akt: 27.07.2016 13:12 Print

Erst Simpsons und Rihanna, dann IS und Krieg

Mit dem Attentat von Paris soll die Radikalisierung von Adel Kermiche (19) begonnen haben. Dann gab es noch die Bekanntschaft mit einem Franzosen, der in Syrien Menschen köpft.

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Adel Kermiche (19), einer der erschossenen Geiselnehmer von Rouen, mochte einst die Zeichentrickserie Simpsons und die Sängerin Rihanna. Später mochte er die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und wollte gegen die Soldaten des syrischen Machthabers Baschar al-Assad kämpfen. Zweimal versuchte er nach Syrien auszureisen, zweimal scheiterte der Professoren-Sohn aus Mont-Saint-Aignan, einer kleinen Gemeinde neben Rouen.

Entscheidend für seine Radikalisierung seien das Attentat auf die Redaktion des Satiremagazines «Charlie Hebdo», aber auch die Bekanntschaft mit Maxime Hauchard (24) gewesen, wie französische Medien schreiben. Hauchard wohnte in einem Vorort von Rouen und reiste 2013 nach Syrien, wo er sich dem IS anschloss. 2014 machte der konvertierte Franzose mit der Köpfung von syrischen und amerikanischen IS-Gefangenen Schlagzeilen. Er soll nach wie vor am Leben sein und im November mit Anschlägen an den Olympischen Spielen in Rio gedroht haben.

«Idealisierte Vision des Krieges»

Kermiche «verbrachte enorm viel Zeit auf Facebook», so Terrorexperte Jean-Paul Rouiller vom Genfer Terrorzentrum GCTAT, der sich mit Kermiches Tätigkeiten im Internet auseinandersetzte, nachdem dieser 2015 am Flughafen Genf verhaftet worden war. «Anhand seiner Posts lässt sich seine Entwicklung beobachten: Es zeichnet sich immer mehr ab, dass er in die Schlacht ziehen will – basierend auf einer idealisierenden Vision des Krieges.»

Ein Freund Kermiches erzählt: «Er sprach von nichts anderem mehr als von Syrien»; und ein anderer sagt: «Irgendwann ging es bei ihm nur noch um Religion.» Aber als die Freunde Kermiche aufgefordert hätten, aus dem Koran zu zitieren, habe er das nicht gekonnt. «Wir wollten ihn deswegen verhauen. Aber das haben wir uns dann doch nicht getraut: Er wusste, wo wir wohnen und hatte vielleicht ja wirklich Kontakt zum IS.»

«Seine Eltern versuchten alles»

Aus seiner Faszination für die mordende Terrorbande machte Kermiche keinen Hehl. Als er 2015 mit 17 Jahren das erste Mal nach Syrien aufbrechen wollte, baten seine Eltern die Behörden um Hilfe. Seine Mutter verlangte, dass man ihm bereits damals eine elektronische Fussfessel anlege. Wegen seiner Minderjährigkeit wurde dies abgelehnt. «Seine Geschwister, seine Eltern und auch ich – wir versuchten alles, ihn aus den Fängen des IS herauszubekommen», sagt ein Nachbar der Familie.

«Er sagte mir, dass er in Frankreich seine Religion nicht in Frieden ausüben könne», sagte Kermiches Mutter nach dessen gescheiterten Ausreiseversuchen nach Syrien im letzten Jahr. «Er verwendete Worte, die nicht nach ihm klangen. Er wurde verhext, wie durch eine Sekte.»

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 27.07.2016 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler von Frankreich

    Das war eindeutig ein Fehler des Staats. Man lässt doch niemanden frei rumlaufen wenn er schon den IS symphatisiert.

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  • Peter Frei am 27.07.2016 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähige Politik

    Und die Justiz versagt bei solchen Tätern vollkommen. In der Schweiz und in Frankreich. Es ist einfach unglaublich, was für Gesetzeslücken es in den europäischen Ländern hat. Die Politik schiebt das Problem vor sich her.

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  • Johnny Weissmüller am 27.07.2016 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt Lösungen!

    Wenn diese IS-Bubis wissen, dass ihre ganze Familie den Pass und die Aufenthaltsbewilligung ohne wenn und aber sofort verlieren, überlegen sie sich garantiert eine solche Tat zweimal. Denn wenn sie überhaupt noch etwas lieben, dann sind das die eigenen Eltern und Geschwister. Okay, für solche Lösungen braucht es Politiker mit einer mindestens durchschnittlicher Intelligenz und die sind in Europa leider nicht zu finden. Es genügt heute einfach nicht mehr in einer Villa aufzuwachsen teure und lange Schulbildung absolvieren und jeden Wunsch von den Lippen abgelesen zu bekommen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bobeni am 28.07.2016 00:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie zum Teufel..

    Frage mich wirklich, wie die IS es fertig bringt, die Jungs dermassen abzurichten, so grausame Dinge zu tun!? Keine Person lässt sich doch einfach so übreden, einem Pfarrer die Kehle durch zu schneiden oder X Leute zu killen, etc.. Gehirnwäsche, Drogen, Hypnose?

  • Sissy am 28.07.2016 00:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    also

    wen die eigenen eltern angst haben dass er ein terrorist ist, sollten staat und polizei das mal ein bisschen ernster nehmen...

  • Davexxbs84 am 27.07.2016 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei erkentnisse!!!

    Zeigt mir ganz klar zwei Dinge auf: 1. mit religion hat dieser verdammte Is schon mal gar nichts zu tun! Und mir tun die 99% anständigen Moslems leid, die diesen mist verurteilen und nun selbst kritisch angeschaut werden. 2. wir müssen bei solchen frühen Anzeichen härter durchgreifen! Wenn die eigene Mutter nach Fussfesseln verlangt, dann wird das ja wohl seinen Grund haben! Hier muss es Gesetzesänderungen geben das solche Spinner überwacht werden können!

  • Urs am 27.07.2016 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder was er verdient

    Jetzt heulen alle rum und bei den nächsten Wahlen bekommt die SVP wieder 25-30%... Selber schuld, liebe Wähler!

  • Fritz am 27.07.2016 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Marie le pen

    Wäre für Frankreich die bessere Wahl.

    • kommtjaehnurrechtsgeheul am 27.07.2016 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz

      Ja, wenn es dir jetzt noch zu wenig Stress und Kampf in Europa ist, dann hast du recht.

    • Cartman1993 am 28.07.2016 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz

      die wird kurzfristig auch keinen einzigen Anschlag verhindern können. Anschläge verhindert man mit einer langfristigen Asyl, Sicherheits, Schul und Infrastrukturpolitik. Das fordert die FN teilweise zwar, aber das würde bei der heutigen Einführung mindestens 1-2 Generationen dauern, dass die Massnahmen wirken.

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