Leser in Japan

12. Oktober 2019 06:29; Akt: 13.10.2019 09:27 Print

«Es schüttet wie aus Kübeln»

Am Samstagabend soll Taifun Hagibis auf Land treffen. Weit über eine Million Menschen sollen ihre Häuser verlassen.

Leser Daniel ist mitten im Taifun. (Video: Leser-Reporter)
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Noch vor der Ankunft des schweren Taifuns Hagibis ist in Japan mindestens ein Mensch getötet worden. Durch die ersten Ausläufer seien in Chiba, östlich der Hauptstadt Tokio, zudem fünf weitere Menschen verletzt worden, teilte ein Feuerwehrsprecher am Samstag mit. Bei dem Toten handele es sich um einen 49-Jährigen, dessen Kleinlaster umgestürzt sei. Bis am Samstagabend kam zudem eine weitere Person ums Leben. Neun Menschen werden nach Angaben des staatlichen Rundfunksenders NHK vermisst.

«Der Starkregen hat vor drei Stunden eingesetzt», schildert Leser-Reporter Daniel am Samstagmorgen, der in Narita festsitzt. «Der Flughafen ist geschlossen, es fahren keine Züge.» Der Flug des 28-Jährigen nach Zürich wurde annulliert. Erst am Montag kann er via Neu-Delhi zurückfliegen. Es sei ein «Wechselbad der Gefühle». Angst habe er keine, jedoch nehme er die ganze Sache schon ernst.

Am Abend (Ortszeit) wurde der Sturm dann stärker. «Es schüttet wie aus Kübeln. Der Wind hat ebenfalls zugenommen, man hört Äste herunterfallen», sagt Daniel. Sein Hotel sei jedoch sicher. Auch gegen Erdbeben. Denn am Samstag erschütterte zudem ein Beben der Stärke 5,7 die Nachbarprovinz von Tokio.

Erste Ausläufer des Taifuns treffen auf Japan

Der aussergewöhnlich starke Taifun richtete bereits Schäden an und überschwemmte unter anderem zahlreiche Häuser. In vielen Haushalten fiel der Strom aus. Der Wirbelsturm bewegte sich über dem Pazifik auf das asiatische Inselreich zu und dürfte am Samstagabend auf Land treffen.

Die Behörden empfahlen den Menschen in Hunderttausenden Haushalten, sich vor dem herannahenden Taifun in Sicherheit zu bringen. Betroffen waren Zentralprovinzen wie Mie und Kanagawa südwestlich der Millionen-Hauptstadt Tokio. In der benachbarten Provinz Shizuoka standen Strassen und Häuser unter Wasser.

Hohe Wellen

Taifun Hagibis erreicht nahe seines Zentrums Windgeschwindigkeiten von bis zu 234 Kilometern pro Stunde. Der Wirbelsturm könnte Tokio und andere Gebiete im Osten des Landes mit den schlimmsten Regenfällen seit jenem Taifun überziehen, der 1958 mehr als 1200 Menschen in der Region das Leben kostete.

Hagibis war das beherrschende Thema im japanischen Fernsehen. Immer wieder wurden die Menschen vor den Naturgewalten gewarnt und aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Insbesondere von Küstenstrichen, wo hoher Wellengang herrschte, sollten sie sie fernhalten.

Die Behörden warnten, dass Häuser in den starken Sturmböen einstürzen könnten. Manche Bewohner deckten die Dächer ihrer oft in Leichtbauweise errichteten Häuser vorsorglich mit blauen Plastikplanen ab, mancher verbarrikadierte die Fenster mit Brettern. Rund 1,5 Millionen Menschen in Tokio leben unterhalb des Meeresspiegels. Mehr als sechs Millionen Menschen im Land waren aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen.

Bahnbetreiber hatten frühzeitig Einschränkungen des Verkehrs für das Wochenende im Westen und Osten Japans einschliesslich Tokio angekündigt. Die Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) strich für Samstag sämtliche Inlandsflüge sowie die meisten internationalen Flüge von und zu den Tokioter Flughäfen Haneda und Narita. Auch Japan Airlines (JAL) entschied, die meisten Flüge am Samstag zu streichen.

Viele Kaufhäuser in Tokio und Umgebung blieben am Samstag geschlossen. Auch Unternehmen wie die Autobauer Toyota und Honda liessen die Bänder in einigen ihrer Fabriken an dem Tag ruhen. Die Regierung in Tokio wies alle zuständigen Ministerien an, notwendige Massnahmen im Umgang mit den Folgen des Taifuns zu treffen.

Aus Sorge vor den drohenden Auswirkungen des Taifuns findet zudem die Formel-1-Qualifikation zum Grand Prix von Japan erst am Rennsonntag statt. Alle für den Samstag auf dem Suzuka International Racing Course geplanten Aktivitäten wurden abgeblasen. Auch zwei Spiele bei der laufenden Rugby-Weltmeisterschaft in Japan mussten abgesagt werden. Bis Sonntag dürfte der Taifun Richtung Norden abziehen.

(roy/reuters/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.J am 12.10.2019 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Japan

    Ich bin momentan in Japan. Sehr vorbildlich, wie sie die Bevölkerung warnen und auch Sicherheitsvorkehrungen treffen. Zum Glück nehmen es die Japaner auch sehr ernst. Habe schon öfters einen Taifun hier miterlebt aber noch nie so einen grossen.

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  • Dave74 am 12.10.2019 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pragmatismus

    Ein Sturm kommt auf und kein Theater. Bisher hat man löblich Vorsorge getroffen und nun kann man nur noch das Beste wünschen, denn der Sturm kommt einfach.

  • Daniel am 12.10.2019 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tokyo Aktuell

    Bin gerade in Tokyo, habe noch nie so wenig Personen wie gerade jetzt auf den Strassen in der Stadt erlebt. Es ist wie die Ruhe vor dem Sturm, alles ist geschlossen und die Menschen halten sich in den Häusern auf. Die Touristen sind meist in den Hotel Bars und vertreiben sich die Zeit mit TV schauen. Werde nun noch etwas Essen organisieren und mich dann im Zimmer gemütlich einrichten. Morgen ist dann alles wieder normal.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SUVDriver und Unbesorgter am 12.10.2019 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur Erfunden von linksgrün

    Ich muss euch sage in Japan weiss niemand von diesem Sturm und das Leben geht exakt so wie immer weiter. Nur hier wird jetzt ein angeblicher Strurm und angebliche Vorbereitung und Panik herbeigeschrieben. Das ist alles nur Propaganda um uns das Geld aus den Taschen zu ziehen mit dieser Klimahistery.

  • Zufriedener am 12.10.2019 20:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ach wie lustig ist das denn

    wir werden bald alle absaufen Trallala und Judihuiii

  • Matthias am 12.10.2019 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Lesereporter

    hatte auch noch Mut da in diesem Sturm und Regen zu stehen jeder normale Mensch würde sich zurückziehen Hut ab

  • Marlies G. am 12.10.2019 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiss wo das Problem liegt

    Japan hat die Dieselautos abgeschafft, viele fahren dort elektrisch, da muss man sich nicht wundern dass das Wetter verrückt spielt. Wird bei uns auch kommen, ihr werdets sehn, wartets ab!!

  • Expat am 12.10.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    Taifun

    Na das war ja Mal ein Taifun. Wo der "Leser Reporter" da nass geworden ist bleibt wohl sein Geheimnis.