Teheran

14. Februar 2011 15:31; Akt: 14.02.2011 23:06 Print

Erstes Todesopfer nach Protesten in Iran

Sicherheitskräfte reagierten mit Gummischrot und Tränengas auf Proteste der Opposition. Die USA starteten inzwischen einen Twitter-Kanal, in dem sie die Demonstranten unterstützen.

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Die iranische Regierung baute die Sicherheitskräfte massiv aus, um gegen die Demonstranten vorzugehen.

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Nach den Massenprotesten in Tunesien und Ägypten sind am Montag auch im Iran tausende Menschen aus Protest gegen die Führung auf die Strasse gegangen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars wurden in Teheran ein Mensch getötet und mehrere Personen verletzt.

«Elemente des Aufruhrs» und der «terroristischen Söldnergruppe» der Volksmudschaheddin hätten das Feuer auf Zivilisten eröffnet, meldete die regierungsnahe Agentur. Das Todesopfer sei ein Passant. Augenzeugen berichteten, mindestens drei Demonstranten seien mit Schussverletzungen ins Spital gebracht worden. Dutzende weitere seien verprügelt worden.

Gemäss Augenzeugen versammelten sich tausende Demonstranten in kleinen Gruppen nahe des Asadi-Platzes im Westen des Zentrums. In Anspielung auf Präsident Mahmud Ahmadinedschad riefen sie «Tod dem Diktator». Einige setzten Mülltonnen in Brand.

In der Nähe des Imam-Hussein-Platzes hätten die Sicherheitskräfte Tränengasgranaten verschossen, um die Menge zu zerstreuen, berichteten Augenzeugen weiter. Die Polizei sei an zentralen Plätzen und nahe der Universität massiv verstärkt worden.

Nicht nur in Teheran, auch in anderen Teilen des Landes setzte sich die Bevölkerung über das Demonstrationsverbot hinweg: In Schiras gab es Proteste. In Isfahan gingen Augenzeugen zufolge ebenfalls Hunderte Iraner auf die Strasse. «Es gab Zusammenstösse zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten», berichtete ein Augenzeuge aus Isfahan. «Dutzende Menschen wurden festgenommen.»

Grösste Proteste seit einem Jahr

Bei den Protesten, die wenige Tage nach den offiziellen Feiern zum 32. Jahrestag der Revolution 1979 stattfanden, handelte es sich um die grösste Demonstration gegen die Regierung seit einem Jahr.

Wie die Oppositionswebseite Rahesabz.net berichtete, riefen die Demonstranten «Ya Hossein, Mir Hossein» zur Unterstützung des bei den Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 unterlegenen Reformkandidaten Mir-Hossein Mussawi. Nach Angaben von Mussawis Webseite Kaleme.com wurden in Teheran unbestätigten Berichten zufolge hunderte Demonstranten verhaftet.

Der Oppositionsführer berichtete auf seiner Internetseite weiter, Sicherheitskräfte hätten sein Haus im Süden der Hauptstadt abgeriegelt. Die Telefonverbindungen von seinem Wohnsitz seien gekappt worden.

Auch der Handyempfang sei gestört. Der Oppositionelle Mehdi Karubi wurde nach eigenen Angaben unter eine Art Hausarrest gestellt. Er sei mit einem Besuchsverbot bis am Montag belegt worden.

USA twittern für Opposition

Die USA unterstützten am Montag demonstrativ die Proteste im Iran. Aussenministerin Hillary Clinton äusserte Sympathie für die Demonstranten. Um die Kommunikation zwischen Regierungskritikern zu unterstützen, startete das Ministerium einen Twitter-Kanal auf Farsi, der Sprache der Iraner.

In einem ersten Tweet hiess es: «Das Aussenministerium erkennt die historische Rolle der sozialen Netzwerke für die Iraner. Wir möchten an euren Gesprächen teilhaben.» In einem weiteren Beitrag hiess es: «Die USA fordern den Iran dazu auf, seinen Bürgern dieselben Rechte auf friedliche Proteste zuzugestehen wie Ägypten.»

Mahnung des türkischen Präsidenten

Der türkische Präsident Abdullah Gül griff während eines Staatsbesuchs in Teheran die Proteste in der Region auf und mahnte die Regierungen im Nahen Osten zu mehr Bürgernähe. «Manchmal werden Völker selbst aktiv, um ihre Forderungen durchzusetzen, wenn die Regierenden den Forderungen der Menschen kein Gehör schenken», sagte Gül.

Im Juni 2009 war Iran bereits von wochenlangen Massenprotesten erschüttert worden. Die Menschen protestierten gegen die umstrittene Wiederwahl von Staatschef Ahmadinedschad. Die Sicherheitskräfte gingen heftig gegen die Demonstranten vor: Dutzende Menschen wurden verletzt und tausende weitere festgenommen.

(sda/ap)