Video von Taucher

16. Mai 2014 18:19; Akt: 16.05.2014 18:19 Print

Ertrunkene Flüchtlinge auf dem Meeresboden

Vor der Insel Lampedusa ertranken vergangenen Oktober bei einer Flüchtlingskatastrophe 366 Menschen. Ein Video eines italienischen Taucherteams zeigt das Grauen.

Das Video, das die Zeitung «La Repubblica» am 15. Mai veröffentlichte, zeigt Bilder des im Oktober 2013 gesunkenen Flüchtlingbootes. (Video: YouTube / Celine D. Italy)
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Die Flüchtlingstragödie von vergangenem Oktober vor der Küste Lampedusas machte ganz Europa betroffen. Nachdem ein Boot mit 545 Immigranten Feuer gefangen hatte, ertranken 366 Menschen wenige Kilometer vor der Insel im Mittelmeer. Papst Franziskus nannte es «einen Stachel in meinem Herzen». Die EU musste sich schwere Vorwürfe für ihre Asylpolitik gefallen lassen. Doch auch jetzt, sieben Monate später, hat sich die Flüchtlingsproblematik nicht entschärft.

Die italienische Zeitung «La Repubblica» hat nun kurz vor den Wahlen für das EU-Parlament das Video eines Taucherteams veröffentlicht, das zum Unglücksboot vorgedrungen war.

Totes Paar liegt umschlungen an Deck

Anhand des Videos lässt sich das Drama jener Nacht rekonstruieren: Die Männer, Frauen und Kinder aus Somalia und Eritrea gehen in der libyschen Hafenstadt Misrata an Bord. Nach einem Motorschaden bricht auf dem schrottreifen Kahn Feuer aus. Die nahe beieinander stehenden Menschen geraten in Panik. Der Kahn kentert. Die italienische Küstenwache und einheimische Fischer können 155 Menschen retten. Für über 300 weitere Flüchtlinge kommt jede Hilfe zu spät.

Auf dem Meeresgrund warten traurige Bilder auf die Taucher: An den Stangen des Bootes sind noch die Rucksäcke der Immigranten angebunden. Auf dem Deck liegt ein junges Paar, eng umschlungen. Der Mann und die Frau müssen gewusst haben, dass ihr Traum von einem besseren Leben in Europa mit ihrem Boot unterging.

Das Video der Taucher wirft ein Licht auf die verzweifelten Szenen, die sich vor einem Jahr abspielten und immer und immer wieder abspielen. Erst vor vier Tagen sank südlich der italienischen Insel Lampedusa ein weiteres Boot mit Migranten. Mindestens 14 Tote wurden aus dem Wasser geborgen. Niemand weiss, wie viele Hoffnungssucher auf dem Meeresboden liegen.

(kle)