Strassburg

25. Januar 2011 13:06; Akt: 25.01.2011 13:11 Print

Europarat lobt Dick Martys Bericht

Der Europarat befasst sich mit Dick Martys Beschuldigungen, die kosovarische Befreiungsarmee unter Thaci hätte illegalen Organhandel betrieben. Für seine Arbeit erhält er viel Anerkennung.

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Dick Marty - mit Unterstützung in Strassburg? (Bild: AFP)

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Die Abgeordneten des Europarats debattieren seit Dienstagmorgen über den mutmasslichen illegalen Organhandel im Kosovo, über den Dick Marty einen Bericht verfasst hat. Dabei erhielt der Schweizer viel Lob und Anerkennung für seine «exzellente und schwierige» Arbeit.

Gelobt wurde Martys Mut, den Gerüchten über die Organentnahme serbischer Gefangener während des bewaffneten Konflikts im Kosovo in den 90er Jahren nachgegangen zu sein. Der Bericht zeige, welche bemerkenswerte Arbeit der Europarat hervorbringen könne, sagte die französische Abgeordnete Claude Greff.

Beweise suchen

Wichtig ist nach Ansicht vieler Parlamentarier nun, dass für die Vorwürfe Beweise gefunden werden, obwohl bereits viel Zeit verstrichen ist. «Es braucht nun eine internationale Strafuntersuchung mit wahrem Zeugenschutz», forderte der Schweizer SVP-Nationalrat Felix Müri.

Diese Untersuchung müsse innert nützlicher Frist beginnen, denn letztlich gehe es darum, dass sich der Kosovo weiterentwickeln könne. Auf jeden Fall falsch sei, wenn nun die ganze Bevölkerung unter Generalverdacht gestellt werde.

Bericht nicht gegen das kosovarische Volk gerichtet

Wie Müri betonten auch andere Abgeordnete, dass Martys Bericht nicht gegen das kosovarische Volk gerichtet sei. Aber er werde helfen, die Wahrheit zu finden, sagte der Monegasse Jean-Charles Gardetto. Und die Wahrheitsfindung sei unverzichtbar für den Friedensprozess und die Aufarbeitung der Vergangenheit in der Region.

Auch die Tatsache, dass die beschuldigten Personen derzeit im Kosovo an der Macht seien, solle den Europarat nicht an der Arbeit hindern, sagte die Französin Claude Greff und rief gleichzeitig zur Vorsicht auf. Vorsicht bedeute aber nicht Untätigkeit. Die Mächtigen müssten wissen, dass der Europarat die Augen offen halte.

Dem Bericht zufolge könnten der heutige kosovarische Regierungschef Hashim Thaci und andere Mitglieder der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) in den mutmasslichen Handel verwickelt gewesen sein. Die Parlamentarische Versammlung des Europarats stimmt am Dienstagnachmittag über die Annahme des Berichts ab.

(sda)