Ungleiche Belastung

24. Juni 2011 07:38; Akt: 24.06.2011 10:02 Print

Europas vermeintliche Flüchtlingsflut

Der Migrantenstrom aus Nordafrika bringt das reiche Europa an den Anschlag. Ein Klagen auf hohem Niveau: Entwicklungsländer müssen im Vergleich ein Vielfaches an Flüchtlingen aufnehmen.

storybild

Schauspielerin Angelina Jolie in ihrer Rolle als Goodwill-Botschhafterin des UNHCR im März 2011 in Afghanistan. Seit 2002 sind über 5,5 Millionen afghanische Flüchtlinge aus Pakistan und Iran in ihre Heimat zurückgekehrt. (Bild: UNHCR)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schweizer Aufnahmezentren klagen über randalierende Tunesier, die dänische Regierung will wieder Grenzkontrollen einführen und Italien ächzt unter dem nicht abreissenden Flüchtlingsstrom auf seine Mittelmeerinsel Lampedusa. Hintergrund all dieser Verwerfungen sind rund 40 000 tunesische und libysche Flüchtlinge, die Bürgerkrieg und Armut in ihren Heimatländern hinter sich gelassen haben. Erstaunlich, dass eine solch geringe Zahl den Schengenraum an den Anschlag bringt. Anderswo müssen weitaus ärmere Länder mit Hunderttausenden und Millionen von Flüchtlingen fertig werden.

«Die Ängste vor vermeintlichen Flüchtlingsströmen in Industrienationen sind übertrieben oder werden fälschlicherweise mit Migrationsthemen vermischt», wurde Antonio Guterres, Chef des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) am Montag in einer Mitteilung zitiert. Die Hauptlast bleibe indes an ärmeren Ländern hängen, sagte Guterres.

Drei Länder beherbergen ein Viertel aller Flüchtlinge

Die drei Länder Pakistan, Iran und Syrien beherbergen über ein Viertel aller Flüchtlinge weltweit.
Quelle: Reuters

Tatsächlich leben 80 Prozent der Flüchtlinge weltweit in armen Ländern, wo die Aussichten auf Staatsbürgerschaft und ein geregeltes Auskommen spärlich sind. Mehr als ein Viertel aller Flüchtlinge haben in drei Ländern Zuflucht gefunden: Pakistan, Iran und Syrien. In diesen Zahlen des UNHCR nicht berücksichtigt sind die Flüchtlinge aus Nordafrika, die sich mehrheitlich auf Nachbarländer verteilen, da Europa seine Grenzen weitgehend dichtgemacht hat.

Die grösste Gruppe ist hier nicht vertreten, da sie keinem Herkunftsland zugeordnet werden kann: Fünf Millionen Palästinenser, ein Drittel aller Flüchtlinge weltweit.
Quelle: Reuters

2010 zählte das UNHCR weltweit 15,4 Millionen Flüchtlinge. Rund ein Drittel davon machen Palästinenser aus. Ein Fünftel stammt aus Afghanistan und hat vor allem in Pakistan und im Iran Zuflucht gefunden. 1,68 Millionen Iraker sind vor der US-Invasion und dem anschliessenden Bürgerkrieg geflohen, vor allem nach Syrien und Jordanien.

UNHCR-Chef Antonio Guterres ist ein Diplomat und drückt sich entsprechend zurückhaltend aus. Was er mit seinen Worten am Montag sagen wollte, ist: Angesichts der enormen Flüchtlingszahlen, mit denen ärmere Länder fertig werden müssen, ist Europas Eiertanz um ein paar zehtausend Flüchtlinge aus Nordafrika ein unwürdiges Trauerspiel.

Was denken Sie? Klagt Europa auf zu hohem Niveau? Diskutieren Sie mit.

(kri)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Knecht am 25.06.2011 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Anspruchslose Flüchtlinge

    Vielleicht nehmen die schon ein Mehrfaches auf. Doch dort stellen die Flüchtlinge keine derartigen Ansprüche, wie sie es hier tun.

  • Marc U am 25.06.2011 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Unverhältnismässig

    Geht mal Kreuzlingen Bahnhof, das sind schlimme zustände, als ein Zeltlager aufzustellen und das ganze zu Kontrollieren werden sie in der ganzen Schweiz in Häuser verteilt. Die Verantwortlichen Personen schauen auch nicht das sie sich benehmen, sondern lassen sie Alkohol, Drogen konsumieren und stehlen. Wenn ich ein Flüchtlich wäre, dann wäre ich mit einem Zelt und Saniertären Anlagen + Grossküche mehr als zufrieden... Die Linken schönredner wollen nur das Beste für die Flüchtlinge, aber bitte nicht bei Ihnen in der Gegend...

  • Hans Christoffel am 24.06.2011 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch echte Asylanten

    Es ist absolut richtig die unkontrollierte Zuwanderung von richtigen Wirtschaftsflüchtlingen zu stoppen. Sie kommen aus andern Kulturen und Sprachregionen, können sich kaum integrieren, haben keine Ausbildung, bekommen keine Arbeit und haben somit hier auch keine Zukunft. Wie lange wir imstande sind sie lebenslänglich finanziell zu unterhalten und ihnen wenn möglich noch den Familiennachzug gewähren steht in den Sternen. Wenn wir das stoppen, so haben wir dann wenigstens die Mittel für echte Asylanten, welche zuhause verfolgt werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc U am 25.06.2011 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Unverhältnismässig

    Geht mal Kreuzlingen Bahnhof, das sind schlimme zustände, als ein Zeltlager aufzustellen und das ganze zu Kontrollieren werden sie in der ganzen Schweiz in Häuser verteilt. Die Verantwortlichen Personen schauen auch nicht das sie sich benehmen, sondern lassen sie Alkohol, Drogen konsumieren und stehlen. Wenn ich ein Flüchtlich wäre, dann wäre ich mit einem Zelt und Saniertären Anlagen + Grossküche mehr als zufrieden... Die Linken schönredner wollen nur das Beste für die Flüchtlinge, aber bitte nicht bei Ihnen in der Gegend...

  • Hans Knecht am 25.06.2011 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Anspruchslose Flüchtlinge

    Vielleicht nehmen die schon ein Mehrfaches auf. Doch dort stellen die Flüchtlinge keine derartigen Ansprüche, wie sie es hier tun.

  • Sven am 24.06.2011 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich...

    Ich finde es erschreckend, wieviele Schweizer das Gefühl haben, dass es irgend einen Grund gibt, weshalb sie in der Schweiz aufwachsen können. Dabei könnte jeder genau so gut in einem von Krieg betroffenen Land geboren werden. Denkt mal darüber nach! Das ist pures Glück! Seid dankbar dafür, ihr könntet genau so gut auf der anderen Seite stehen!

  • Hans Christoffel am 24.06.2011 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch echte Asylanten

    Es ist absolut richtig die unkontrollierte Zuwanderung von richtigen Wirtschaftsflüchtlingen zu stoppen. Sie kommen aus andern Kulturen und Sprachregionen, können sich kaum integrieren, haben keine Ausbildung, bekommen keine Arbeit und haben somit hier auch keine Zukunft. Wie lange wir imstande sind sie lebenslänglich finanziell zu unterhalten und ihnen wenn möglich noch den Familiennachzug gewähren steht in den Sternen. Wenn wir das stoppen, so haben wir dann wenigstens die Mittel für echte Asylanten, welche zuhause verfolgt werden.

  • Lukas Müller am 24.06.2011 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung

    Ich hab eine ganz simple Lösung: -KEIN KRIEG