Drogenbaron in Haft

12. Dezember 2011 01:02; Akt: 12.12.2011 10:45 Print

Ex-Diktator Noriega zurück in Panama

Nach über 20 Jahren ist das «Ananasgesicht» Manuel Noriega von Paris in sein Heimatland überstellt worden. Aus Angst vor einem Attentat wandten die Behörden einen Trick an.

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Über 20 Jahre nach seinem Sturz durch die USA ist der panamaische Ex-Machthaber Manuel Noriega am Sonntag an sein Heimatland überstellt worden. Der 77-jährige Ex-General wurde nach seiner Ankunft in Panama-Stadt ins Gefängnis gebracht.

In der Haftanstalt «El Renacer» («Die Wiedergeburt») soll Noriega drei Mal zwanzig Jahre Haft absitzen für die Ermordung politischer Gegner in den 1980er Jahren. Dazu war Noriega in den 1990er Jahren in Abwesenheit verurteilt worden.

Präsident Ricardo Martinelli betonte, Noriega müsse wie jeder andere Verurteilte ins Gefängnis und werde keine Privilegien geniessen. Noriega könnte aber bald die Möglichkeit erhalten, seine Strafe unter Hausarrest abzusitzen, wie das panamaische Gesetz es für Verurteilte über 70 Jahren vorsieht.

Frankreich hatte Noriega überstellt, nachdem dieser anderthalb Jahre im Pariser Gefängnis La Santé gesessen hatte. Ende November hatte die französische Justiz für Noriegas Überstellung grünes Licht erteilt. Von Paris aus wurde Noriega mit einem Flugzeug der spanischen Gesellschaft Iberia über Madrid nach Panama-Stadt gebracht.

Ablenkungsmanöver

Da die Behörden bei der Rückkehr des ehemaligen starken Mannes nach Panama ein Attentat auf diesen befürchteten, griffen sie zu einem Trick: Zunächst brachten sie eine Person in einem Rollstuhl per Autokonvoi in das Gefängnis, deren Gesicht bedeckt war. Zudem liessen sie am Flughafen einen Helikopter starten.


(Quelle: AFP/YouTube)

Noriega selbst traf erst eine halbe Stunde später in einem zweiten Autokonvoi ein, wie Innenministerin Roxana Mendez dem Fernsehsender TVN bestätigte.

Der Direktor des Gefängnissystems, Angel Calderon, erlaubte Journalisten aus der Ferne einen Blick auf Noriega. Der Ex- Machthaber sass in einem Rollstuhl und war mit einem roten, langärmligen Hemd bekleidet. Noriega ist durch einen Schlaganfall geschwächt. Calderon zufolge weigerte er sich, Häftlingskleidung zu tragen.

Bürger konnten kaum einen Blick erhaschen

Zwar war eine Plattform vor dem Gefängnis aufgestellt worden, damit die Bürger Noriega sehen konnten. Doch viele beschwerten sich, dass sie keinen freien Blick gehabt hätten, weil Noriega von Sicherheitsleuten abgeschirmt worden sei.

«Warum ihn nicht zeigen? Was verstecken sie? Wir wollen ihn in Handschellen in einer Zelle sehen», sagte Aurelio Barria, ein Mitglied der ehemaligen Opposition, TVN. In der Innenstadt schlugen einige Menschen Töpfe und hupten als Geste der Ablehnung. Ansonsten fand Noriegas Ankunft in Panama kaum Beachtung.

Odyssee durch Gefängnisse

Noriega war von 1983 bis 1989 der starke Mann Panamas. Der wegen seiner Pockennarben abwertend «Ananasgesicht» genannte Ex-Diktator war in Frankreich im vergangenen Jahr wegen Geldwäsche zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Noriega hatte in den 1980er Jahren in Frankreich Drogengelder in teure Immobilien investiert.

Erst im April 2010 war er von den USA an Frankreich überstellt worden. Dort hatte der Ex-General bereits rund 20 Jahre im Gefängnis gesessen – unter anderem wegen Rauschgifthandels. Ein Gericht in Miami hatte ihn 1992 zu 17 Jahren Haft verurteilt.

Spannungen mit USA führten zu US-Invasion

Noriega war lange Jahre von den USA gefördert worden. Er arbeitete während den 1970er und 1980er Jahren mit dem US- Geheimdienst CIA zusammen. Er half den USA dabei, linksgerichtete Bewegungen in Lateinamerika zu bekämpfen. Allerdings arbeitete er gleichzeitig mit dem kolumbianischen Medellín-Drogenkartell zusammen.

Der Kokain-Schmuggel via Panama in die USA brachten Noriega Millionen ein. Gegen Ende des Kalten Kriegs sorgten die Beziehungen Noriegas zu Drogenhändlern aber für zunehmende Spannungen mit den USA.

Ein US-Geschworenengericht erhob 1988 Anklage gegen ihn. Ein Jahr später befahl der damalige US-Präsident George Bush eine Invasion Panamas, um Noriega zu stürzen.

(sda)