Bei Einbrüchen involviert

07. Dezember 2019 22:01; Akt: 07.12.2019 22:01 Print

Ex-Ermittler von Maddie-Fall muss ins Gefängnis

Lange galt Paulo Cristovao als scharfer Kritiker von Maddie McCanns Eltern. Jetzt wurde er zu 7,5 Jahren Haft verurteilt, weil er an illegalen Hausdurchsuchungen beteiligt war.

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Paulo Pereira Cristovao (51), der auch im Fall Maddie McCann ermittelt hatte, ist zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. (7. Dezember 2019) Der Fall Madeleine McCann ist bis heute ungelöst: Das damals dreijährige Kind verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnung in Portugal. Mit einer breiten Medienkampagne versuchten die Eltern, ihr Kind zu finden. Madeleine McCann verschwand aus dem Ferienappartement in Praia da Luz, als sie zusammen mit ihren Geschwistern schlief. Die Kinder schliefen allein im Zimmer, während die Eltern mit Freunden im Restaurant des Ferienresorts assen. Die portugiesische Polizei suchte am die Gegend rund um die Ferienanlage mit Spürhunden ab. Von Anfang an waren die Eltern bei der Suche nach ihrer Tochter sehr aktiv und arbeiteten professionell mit der Presse zusammen. Prominenter Helfer: David Beckham trug im Jahr 2007 auch sein Scherflein zur 2-Millionen-Pfund-Belohnung bei, und in einem Video rief er die Bevölkerung dazu auf, «wachsam zu sein und die Augen offen zu halten». Nach dem Verschwinden trugen mehrere Promis zu der Belohnung bei: Allein 3,6 Millionen Franken spendete die «Harry Potter»-Autorin Joanne K. Rowling. Rowlings Tochter wurde in Portugal geboren, nicht weit von dem Ort entfernt, wo Madeleine entführt wurde. Zu den Spendern gehörten auch Virgin-Chef Sir Richard Branson und Manchester-United-Fussballer Wayne Rooney. Doch Maddie bleibt bis heute verschwunden. Am 30. Mai 2007 trafen Maddies Eltern den damaligen Papst Benedikt XVI. Das Oberhaupt der katholischen Kirche segnete im Rahmen der Audienz das Bild der entführten Maddie und versprach, das Kind auch weiterhin in seine Gebete einzubeziehen. Am präsentierte Scotland Yard neue Phantombilder von möglichen Verdächtigen. Nach neuen, zweijährigen Ermittlungen habe es «bedeutsame Veränderungen» gegeben. Die beiden Bilder zeigen mögliche Entführer, die sich zur Zeit des Verschwindens von Maddie in der Ferienanlage Praia da Luz an der Algarve-Küste aufgehalten haben könnten. Die Liste der Verdächtigen ist lang: Der 64-jährige Raymond Hewlett galt seit dem als Verdächtiger im Fall Maddie. Auch er soll sich laut Ermittlern zum Zeitpunkt des Verschwindens in Praia da Luz aufgehalten haben. Im April 2010 starb er an Krebs. Der verurteilte Pädophile Hewlett ähnelte verblüffend dem Phantombild, das die Eltern des entführten Mädchens in Umlauf gebracht hatten. Am war bereits ein neues Phantombild mit einem mutmasslichen Entführer des kleinen britischen Mädchens veröffentlicht worden. Das Bild zeigte einen Mann, den eine Zeugin als «sehr hässlich» beschrieben hatte.

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Ein portugiesischer Ex-Polizist, der auch im Fall Maddie McCann ermittelt hat, ist am Freitag zu einer 7,5-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Paulo Pereira Cristovao war vorgeworfen worden, in zwei gewaltsame Einbrüche in Portugal involviert gewesen zu sein, wie britische Medien berichten. Er soll eine Schlüsselfigur in einer organisierten Bande gespielt haben, indem er Informationen über Opfer und ihre Häuser weitergeleitet hat.

Cristovao gab zwar zu, in die Einbrüche involviert gewesen zu sein, bestritt jedoch, dass er Chef der Bande war. Gegen das Urteil legte er Berufung ein, bis zu deren Verhandlung bleibt er auf freiem Fuss. Sein Verteidiger erklärte, dass Cristovao die rund 11'000 Franken, die er nach einer der Durchsuchungen erhalten hatte, an ein Opfer zurückgegeben habe.

Zwei Polizisten zu 16 und 17 Jahren Gefängnis verurteilt

Insgesamt wurden wegen der Einbrüche 17 Personen angeklagt. 16 von ihnen wurden verurteilt. Die Fälle gehen auf das Jahr 2014 zurück. Polizisten drangen damals mit gefälschten Durchsuchungsbefehlen in die Häuser ein, um Geld und Wertsachen zu stehlen. In einem Fall wurden ein Paar und dessen Tochter entführt. Die Beschuldigten erbeuteten mehr als 130'000 Franken.

Zwei involvierte Polizisten wurden zu 16 und 17 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein mutmasslicher Anführer einer Hooligan-Gruppierung, der bereits in Haft sitzt, wurde zu sechs Jahren und vier Monaten verurteilt. Er soll von Cristovao Instruktionen erhalten und sie an einen Verwandten weitergeleitet haben. Dieser brachte die anderen involvierten Beamten schliesslich dazu, die illegalen Hausdurchsuchungen durchzuführen.

Kritik an Maddies Eltern

Cristovao war erst kürzlich noch in der Netflix-Dok über den Fall Maddie zu sehen gewesen. An den Eltern des bis heute vermissten Mädchens übte er stets scharfe Kritik. Er forderte gar, dass sie verhaftet werden, weil sie ihr Kind in dem Ferienhaus allein gelassen hatten. In einem Buch, das er 2008 veröffentlicht hatte, schrieb er, dass Maddie tot sei und ihre Leiche im Meer versenkt worden ist.

Die damals 3-Jährige verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Ferienanlage im portugiesischen Küstenort Praia da Luz. Die Eltern waren zu dieser Zeit mit Freunden in einem Restaurant, das rund 50 Meter von der Ferienwohnung entfernt lag. Madeleine war mit ihren beiden zweijährigen Geschwistern allein. Seither fehlt von ihr jede Spur. Was damals passierte, ist unklar. Auch die Eltern wurden zwischenzeitlich verdächtigt, die Finger im Spiel gehabt zu haben.

(vro)