Israel

30. Dezember 2010 09:27; Akt: 30.12.2010 17:24 Print

Ex-Präsident als Vergewaltiger verurteilt

Mosche Katsav ist von einem Gericht wegen Vergewaltigung in zwei Fällen schuldig gesprochen worden. Dem 65-Jährigen drohen mindestens vier Jahre Gefängnis.

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Gegen Mosche Katzav stehen noch weiter Fälle aus (Bild: AFP)

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Das Bezirksgericht in Tel Aviv hat den früheren israelischen Präsidenten Mosche Katsav der Vergewaltigung einer früheren Mitarbeiterin schuldig gesprochen. Dem 65-Jährigen drohen damit zwischen vier und 16 Jahre Gefängnis. Das Gericht sprach Katsav am Donnerstag darüber hinaus wegen sexueller Übergriffe auf zwei weitere Frauen schuldig. Sämtliche Klägerinnen hatten einst für Katsav gearbeitet.

Eine Klägerin, über die nur mit dem Kürzel A. berichtet wurde, hatte dem ehemaligen Staatsoberhaupt vorgeworfen, er habe sie 1998 in seinem Büro in Tel Aviv und zwei Monate später erneut in einem Hotel in Jerusalem vergewaltigt. Die beiden anderen Frauen hatten Katsav vorgeworfen, er habe sie unter anderem gegen ihren Willen umarmt und seinen Körper an sie gedrückt.

Katsav hatte stets alle Vorwürfe bestritten. Er bezeichnete sich selbst als Opfer einer Erpressung und nannte das Vorgehen gegen ihn eine Hexenjagd.

Aussagen «mit Lügen gespickt»

Der Richter kam zum Schluss, dass die Klägerin, die Katsav Vergewaltigung in zwei Fällen vorwarf, die Wahrheit gesagt habe. Die Aussagen des Angeklagten hingegen seien mit Lügen gespickt, hiess es in der Urteilsschrift. Katsav habe versucht, Informationen zu unterschlagen.

«Es ist bewiesen, dass es keine Einwilligung gab», hiess es in dem Urteil. «Er hat Gewalt angewendet.» Die Zeugen der Verteidigung hätten sich als «brüchige Stütze» erwiesen. Das Gericht befand den Ex-Präsidenten zudem wegen des Versuchs der Beeinflussung von Zeugen und Behinderung der Justiz für schuldig.

Der Ex-Präsident reagierte laut Medienberichten fassungslos, als er die Urteilsverkündung hörte. Vertraute Katsavs riefen im Gericht, das Urteil sei Unrecht. Katsavs Anwalt sagte nach dem Urteil, sein Mandant werde weiter versuchen, seine Unschuld zu beweisen.

«Deutliche Nachricht»

Israels Ministerpräsident und Chef der Likud-Partei, Benjamin Netanjahu, begrüsste das Urteil: «Heute hat das Gericht zwei deutliche Nachrichten transportiert - vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich und jede Frau hat ein Alleinrecht auf ihren Körper.»

Der Prozess - der erste gegen einen ehemaligen israelischen Präsidenten - hatte im letzten Jahr begonnen und war mit grosser Spannung verfolgt worden. Während der Verlesung des Urteils, die gut eine Stunde dauerte, demonstrierten vor dem Gericht Frauenorganisationen. Katsavs Frau Gila, sonst immer an der Seite des Ex-Präsidenten, hatte ihn am Donnerstag nicht ins Gericht begleitet.

Rücktritt 2007

Die Sexualstraftaten ereigneten sich während Katsavs Amtszeit als Tourismusminister Israels von 1996 bis 1999 sowie während der Präsidentschaft von 2000 bis 2007. Katsav war Mitglied der Likud-Partei.

Der Fall beschäftigt die israelische Justiz und die Öffentlichkeit schon mehr als vier Jahre. Katsav beklagte erstmals 2006, er werde von einer Mitarbeiterin erpresst. Diese wandte sich mit ihrer Geschichte an die Polizei und schilderte die sexuellen Übergriffe. Daraufhin meldeten sich auch die anderen Frauen mit ähnlichen Vorwürfen.

Im Rahmen einer aussergerichtlichen Einigung trat Katsav zwei Wochen vor dem Ende seiner siebenjährigen Amtszeit im Juni 2007 zurück. Danach handelten die Anwälte Katsavs mit der Staatsanwaltschaft ein Schuldeingeständnis für ein geringeres Strafmass aus.

Die Einigung war sowohl bei den Klägerinnen als auch in der Öffentlichkeit auf Unverständnis gestossen. Im April 2008 teilte Katsav jedoch mit, er wolle die Vereinbarung nicht unterzeichnen, sondern vor Gericht seine Unschuld beweisen.

(sda)