RAF-Prozess

03. Mai 2012 13:48; Akt: 03.05.2012 13:52 Print

Ex-Terroristin will endlich aussagen

Kehrtwende im Stuttgarter Prozess gegen Verena Becker: Die frühere RAF-Terroristin will erstmals Stellung nehmen. Klärt sich nun endlich, wer 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback ermordete?

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35 Jahre ist es her, dass RAF-Terroristen Siegfried Buback ermordet haben. Wer den deutschen Generalbundesanwalt am 7. April 1977 erschossen hat, ist bis heute jedoch unklar. Hauptverdächtige der Behörden ist Verena Becker, der derzeit vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart der Prozess gemacht wird: Die heute 59-Jährige war nach einer Schiesserei schon 1977 verhaftet worden und sass anschliessend zwölf Jahre im Gefängnis.

2007 stellte sich heraus, dass Becker während der Haft ihren Gesinnungsgenossen Stefan Wisniewski belastet hat: Sie arbeitete mit dem Verfassungsschutz zusammen. Doch 2008 nahm die Bundesanwaltschaft erneut Ermittlungen gegen die Ex-Terroristin auf. Am Bekennerschreiben des Buback-Mordes fanden ihre Behörden DNA-Spuren. Das Verfahren wurde 2010 eröffnet: Der Staatsanwalt glaubt, dass «Sola», so ihr Deckname, eine grössere Rolle bei der Vor- und Nachbereitung des Mordes gespielt hat als bekannt.

«Sie will sich nicht verstecken»

Jetzt jedoch die Kehrtwende vor dem Oberlandesgericht Stuttgart: Die Anwälte Beckers kündigten überraschend eine umfassende Aussage ihrer Mandantin an. «Frau Becker wird sich am 14. Mai zur Sache äussern», sagte Advokat Walter Venedey. Beckers zweiter Verteidiger Hans Wolfgang Euler ergänzte in einer Verhandlungspause, Becker werde sich «persönlich und im Einzelnen zu den Anklagepunkten äussern».

Im aktuellen Prozess hatte die frühere RAF-Terroristin bisher zu den Anklagevorwürfen geschwiegen. Als Grund dafür, dass sie nun erstmals aussagen wolle, sagte Anwalt Euler, dass seine Mandantin mit dem Verlauf des Verfahrens unzufrieden sei. Sie wolle einige getroffene Aussagen nicht so stehen lassen. «Sie will sich nicht verstecken», betonte Euler.

Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, Michael Buback, hält Verena Becker für die Mörderin seines Vaters. Er recherchiert seit Jahren auf eigene Faust und vermutet, dass Verena Becker vom deutschen Verfassungsschutz gedeckt wurde. Er wies in seinem Buch «der zweite Tod meines Vaters» auf zahlreiche Widersprüche, Unterlassungen und Verfehlungen hin, die den Ermittlern gewollt oder ungewollt passierten. Aktuell macht Buback darauf aufmerksam, dass in der Asservatenkammer des Bundeskriminalamts ein möglicher Gipsabdruck von Beckers Fuss gefunden wurde. Die Bundesanwaltschaft wertet den Fund als uninteressant und sieht keinen Bedarf, die Spur abzuklären.

(phi/ap)

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