Brücke von Genua

20. November 2019 15:40; Akt: 20.11.2019 15:40 Print

Experten warnten schon vor 4 Jahren vor Einsturz

Ermittler sollen Beweise gefunden haben, die die Betreiberfirma stark belasten. Bereits vor Jahren sollen die Verantwortlichen vom Einsturzrisiko der Brücke gewusst haben.

Am 14. August 2018 stürzte die Morandi-Brücke in Genua ein. 43 Personen kamen dabei ums Leben. (Video: 20 Minuten)
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Beim Einsturz der Autobahnbrücke am 14. August 2018 in Genua wurden zahlreiche Fahrzeuge mit ihren Insassen in die Tiefe gerissen. 43 Menschen kamen dabei ums Leben.

Während in Genua nun der Bau eines neuen Viadukts begonnen hat und im kommenden Jahr abgeschlossen werden soll, berichtet die Zeitung «La Repubblica», dass Experten bereits vor vier Jahren die Verantwortlichen vor dem Einsturzrisiko der Brücke gewarnt hätten.

«Risiko eines Stabilitätsverlusts»

Die Beweise dafür sollen die Ermittler in den Computern am Hauptsitz von Atlantia in Rom vor einigen Monaten gefunden haben. Atlantia ist die Muttergesellschaft von Autostrade per l'Italia, zu deren Streckennetz die im August 2018 eingestürzte Morandi-Brücke in Genua gehört.

Laut «La Repubblica» stand in den Rapporten von Spea, die das italienische Netz nach Sicherheitsproblemen überwacht, im Zeitraum von 2014 bis 2016, dass es beim Ponte Morandi ein Einsturzrisiko gebe. Ab 2017 wurde die Gefahr plötzlich auf «Risiko eines Stabilitätsverlusts» herabgestuft.

Im Herbst 2018 war dann ein sogenanntes Retrofitting der Konstruktion geplant. Das heisst, dass eine Gesamtkonsolidierung des Baus hätte stattfinden sollen. Dazu kam es nie: Die Brücke stürzte am 14. August ein.

«Was ist mit allen diesen 50?»

Auch haben die Fahnder Telefongespräche ausgewertet. So gibt es eine Aufnahme, in der man den Manager der Wartungsgesellschaft hört, als er mit einem Angestellten spricht. Es ging dabei um einen Reparaturenkatalog für eine Brücke in Pescara. Der Manager fragt: «Was ist mit allen diesen 50? Die musst du alle rausnehmen, jetzt schreibt ihr alles neu und macht aus Pescara 40.»

Zudem meint er: «Ich soll so wenig wie möglich ausgeben, die Kosten müssen maximal reduziert werden – verstehst du das oder verstehst du das nicht?» Brisant dabei: 50 ist ein Code für unbedingt notwendige Baumassnahmen.

Experten sollen Firma vor Jahren gewarnt haben

(mon)