Oberst Eyal Karim

14. Juli 2016 16:29; Akt: 14.07.2016 16:29 Print

Extremer Chef-Rabbiner für Israels Armee?

Homosexuelle sind krank, Nichtjüdinnen darf man vergewaltigen — der umstrittene Eyal Karim soll neuer Chef-Rabbiner der israelischen Armee werden.

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Die israelische Armeeführung ist wegen der Ernennung von Oberst Eyal Karim (59) unter starken Beschuss geraten. Insbesondere frühere Äusserungen des Nominierten, die als Billigung der Vergewaltigung von Frauen des gegnerischen Lagers verstanden wurden, lösten bei Parlamentsabgeordneten, Frauengruppen und Bürgerrechtlern scharfe Kritik aus.

Nachdem am Montag die Ernennung von Karim als militärischer Gross-Rabbiner angekündigt worden war, enthüllte das israelische Nachrichtenportal Ynet News reihenweise problematische Äusserungen von ihm. Nach Vergewaltigungen während eines Krieges gefragt, hatte Karim 2002 in der Kolumne «Frag den Rabbi» des religiösen Internetportals «Kipa» gesagt: «Eine üble Neigung zu befriedigen, indem man mit einer attraktiven Nichtjüdin gegen ihren Willen zu liegen kommt, ist nicht unbedingt verboten.» Entscheidend sei in einem Krieg, die Gefechtsbereitschaft der eigenen Arme sicherzustellen. «Bedürfnisse und Gefühle von Individuen sind dem Erfolg der kriegführenden Nation untergeordnet.» Zehn Jahre später erklärte der Rabbiner, diese Äusserungen hätten sich nur auf biblische Zeiten bezogen.

«Lesben und Schwule sind krank»

Die Liste von Karims problematischen Äusserungen ist lang: Auf Empörung stiessen auch homophobe Äusserungen des vom Generalstab ernannten Ober-Rabbiners. Homosexuelle seien «krank und behindert», weshalb sie mit Medikamenten behandelt werden müssten, sagte er.

Auch dass verletzte palästinensische Selbstmordattentäter auf der Stelle erschossen werden sollten, weil «sie nicht als menschliche Wesen, sondern als Tiere behandelt werden müssen», wurde in verschiedenen israelischen Medien wieder aufgegriffen.

Rücknahme von Ernennung gefordert

Auf Widerstand stiess die Nominierung des radikalen Nationalreligiösen auch, weil er den Wehrdienst von Frauen ablehnt: Dieser könne das Land und seine Bürgerinnen beschädigen, weil «die Sittsamkeit verloren geht». In Israel besteht auch für Frauen Wehrpflicht.

Parlamentsabgeordnete, Frauengruppen und Bürgerrechtler riefen nun dazu auf, die Nominierung des extremen Karim zurückzunehmen, die von Verteidigungsminister Avigdor Lieberman noch bestätigt werden muss. Die frühere Oppositionschefin Schelly Jachimowitsch erklärte am Mittwoch, die «sonderbaren und gruseligen Stellungnahmen verstossen gegen die Grundwerte unseres Landes».

Karim will das alles nie gesagt haben

Eyal Karim, ehemaliger Kommandant einer Fallschirmjägerbrigade, hatte eine Thoraschule der ultranationalen Gruppe Ateret Cohanim besucht, die sich für die jüdische Besiedlung der arabischen Viertel Ost-Jerusalems engagiert. Er soll die Nachfolge von Rafi Perez antreten, dessen sechsjährige Amtszeit als Ober-Rabbiner der Streitkräfte endet.

Laut dem Sender Al-Jazeera hat der Personaldirektor der Armee Karim eingeladen, zu seinen Äusserungen Stellung zu nehmen. Kurz danach veröffentlichten die Streitkräfte folgende Medienmitteilung: «Rabbi Karim hat nie gesagt oder geschrieben, dass ein israelischer Soldat eine Frau während des Kriegs sexuell angreifen darf. Jeder, der so etwas interpretiert hat, liegt völlig falsch».

Die Zeitung «Haaretz» bringt in einem einzigen Satz die hitzige Debatte um Oberst Karim auf den Punkt: «Eine schnelle Google-Suche hätte das Problem vermieden.»

(kle/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EMM am 14.07.2016 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So lange

    Extreme Individum gibt, kann es keinen Frieden geben, und das gilt für beide seiten. Leider kann die Stimme der Vernunft nicht erhört werden, weil der Hass die geschichte prägt.

  • Martin Jay am 14.07.2016 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Religion und Krieg

    Warum gibt es eigentlich keine friedliche Religion? Selbst Buddhisten kämpf(t)en auf Sri-Lanka gegen Hindus. Unglaublich auch, dass jede Glaubensrichtung sich für tolerant hält, Anders-Gläubige und -Denkende aber als vom Weg Abgekommene (oder schlimmer) bezeichnet. Dennoch - es gibt nur eine Realität! Die Chance, mit dem eigenen Glauben nicht nur einem erfundenen Weltbild anzugehören, ist beinahe gleich 0.

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  • MKA1919 am 15.07.2016 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oje

    Na toll... ein extremer Rabbiner hat uns gefehlt. Ich glaube jetzt haben wir alles!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • urs bucher am 15.07.2016 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    bin dafür, denn....

    Ich kann die wahl nur Gutheissen und Loben. Wenn ich es nicht mache und die Ernennung kritisiere, bin ich mit grösster Wahrscheinlichkeit ein Antisemitist.

    • Peter Gubser am 15.07.2016 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      @urs bucher

      Ich sehe das genau gleich wie Sie. So können wir beruhigt sein, weil wir auf der sicheren Seite sind.

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  • Jerome am 15.07.2016 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr traurig

    Sehr traurig, dass Israel aus der Vergangenheit absolut nichts gelernt hat. Die New York Times beschrieb vor kurzem die israelische Führung als schlimmer wie die deutsche in den 30er Jahren. Einfach in einem kleineren Massstab. Finde es sehr schade. Die USA hat Israel das Land geschenkt und was machen diese daraus? Anstatt Friede zu predigen, werden palestinänsische Kinder getötet und Land gestohlen. Traurig :-(

  • Daniela B. am 15.07.2016 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Religions"frei"heit

    Könnte bitte mal jemand alle Religionen auflösen? Was immer im Namen dieser passiert widerspricht allem was gut daran sein sollte. Also weg damit. Keine Lehrbücher, keine Kirchen, keine Gebetsstätten! Statt Religionsunterricht (jeder Religion): Ethikunterricht, Erste Hilfe Kurse, Entspannungskurse, Deeskalationscoachings.. Imagine? R.I.P. allen Opfern von Gewalt im Namen von "Religion", überall auf dieser Welt, nicht nur in Nizza.

    • Ali Baba am 15.07.2016 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Daniela B.

      Das hat nichts mit Religion zu tun sondern mit der Herrschsucht von Menschen.

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  • M. Glaus am 15.07.2016 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einseitig!

    Interessant (oder besser äusserst bedenklich) finde ich vor allem, dass über israel praktisch nur berichtet wird, wenn, wie schön, wieder einmal ein haar in der (israelischen) suppe gefunden wurde! Jedoch über die beinahe täglichen, verhinderten oder geglückten anschläge von palästinensern an israelis, wie gerade wieder die ermordung eines 13jährigen mädchens in seinem eigenen bett, wird kaum berichtet! Passt ja schliesslich nicht in das gängige schema des trendigen (sprich billigen) israel-bashing-journalismus...

    • Rebekka am 15.07.2016 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M. Glaus

      Das gleiche passiert mit der Türkei. Aber warum kommt dort niemand auf die Erkenntnis? Aja habs vergessen, es ist ja ein muslimisches Land.

    • Muro am 15.07.2016 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M. Glaus

      Wenn man einen Apartheids staat führt der die palestinänser seit 70 Jahren aufs übelste behandelt tötet Ihnen das Land stiehlt...... Die Liste ist endlos lang, so muss man sich nicht wundern Menschen mit einem Herz diesen Staat verachten und ablehnen.

    • L. Rion am 15.07.2016 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      Lieber M. Glaus

      Lieber M- Glaus. Bin selber jüdischer Israeli und sehe selber das mein Land grosse und schlimme Schandtaten verübt. Über jedes andere Land wären schon längstens massive Embargos verhängt worden. Aber da es ja international toleriert wird, macht mein Land weiter so. Finde es schade, wünschte wir hätten eine bessere Regierung damit unser Image nach tausenden von Jahren endlich mal besser werden kann.

    • Ali Hussein am 15.07.2016 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @L. Rion

      Saudi Arabien macht auch viele Verbrechen und wird nicht bestraft aber wenn Russland oder Iran das machen würden dann wäre das eine Katastrophe.

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  • Ruth am 15.07.2016 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Nur die Spitze des Eisbergs

    Diese neuste Meldung ist wohl nicht so relevant wenn man den Genozid an den Palästinensern über die letzten Jahrzehnte betrachtet. Das Israel nicht weltweiten Embargos unterliegt ist das Paradebeispiel der westlichen Doppelmoral!

    • Fatima am 15.07.2016 12:48 Report Diesen Beitrag melden

      Genozid bedeutet keine Zunahme

      Genozid an den Palästinensern? Wie erklären Sie sich denn, dass es heute um die 6 Mio. gibt - 1948 jedoch "nur" 750'000 Araber (Palästinenser gibt's erst seit den 60er Jahren) flüchteten/vertrieben wurden.

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