14. Januar 2008 11:54; Akt: 14.01.2008 13:32 Print

FPÖ-Politikerin nennt Mohammed einen Kinderschänder

Eine Kommunalwahl in Österreich artet in wüstes Islam-Bashing aus. Die Spitzenkandidatin der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) in Graz bezeichnete am Sonntag den Propheten Mohammed als «Kinderschänder».

Susanne Winters Rede in Graz. (Quelle: YouTube)
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Der ORF spricht auf seiner Website von einem «wohlkalkulierten Aufreger». Wenige Tage vor der Gemeinderatswahl in der steirischen Landeshauptstadt Graz ritten freiheitliche Spitzenfunktionäre an ihrem Neujahrstreffen beispiellose Verbalattacken gegen den Islam.

Für Kritik sorgte vor allem die Grazer FPÖ-Spitzenkandidatin Susanne Winter. Sie bezeichnete unter anderem den Propheten Mohammed als einen «Feldherrn», der den Koran in «epileptischen Anfällen» geschrieben habe. Mohammed habe ein sechsjähriges Mädchen geheiratet und wäre «im heutigen System ein Kinderschänder», so Winter.

Den Islam selbst nannte Winter ein «totalitäres Herrschaftssystem». Dieser gehöre «dorthin zurückgeworfen, wo er hergekommen ist, hinter das Mittelmeer», so Winter weiter. Sie ortete einen «muslimischen Einwanderungs-Tsunami» in der steirischen Landeshauptstadt und eine «schleichende Islamisierung». Dabei beträgt der Anteil der Muslime an der Grazer Bevölkerung gerade mal vier Prozent.

«Gewollte Provokation»

Die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Carla Baghajati, zeigte sich gegenüber dem ORF entsetzt und betroffen von den Aussagen. Sie spricht von gewollter Provokation, ruft aber dazu auf, «sich nicht provozieren zu lassen, sondern bei einem sachlichen Diskurs zu bleiben».

Laut dem Integrationsbeauftragten der IGGiÖ, Omar Al-Rawi, hat das Islam-Bashing mittlerweile ein Niveau erreicht, dass es «einem den Magen verdreht und dabei übel wird». Die Winter-Attacken gegen den Islam verurteilte Al-Rawi als «Respektlosigkeit» und «unwahre Behauptungen».

Die anderen grossen Parteien SPÖ, ÖVP und Grüne kritisierten die Islam-Attacken Winters auf das Schärfste. Selbst das BZÖ, Jörg Haiders Abspaltung von seiner einstigen Partei, sprach von einem «völlig überzogenen und inakzeptablen Vergleich». Dabei sparte auch das BZÖ bei seinem Neujahrstreffen in Graz nicht mit Attacken auf den Islam. «Noch darf man ja 'Grüss Gott' sagen und muss nicht sagen: 'Allah ist gross'», war etwa von Haider zu hören.

Staatsanwalt ermittelt

Gemäss der Zeitung «Kurier» will die Staatsanwaltschaft ermitteln, ob Susanne Winters Kinderschänder-Behauptung volksverhetzend ist. Für diesen Tatbestand droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Ein Strafrechtsexperte sieht gemäss «Kurier» die Schwelle zur Verhetzung allerdings noch nicht überschritten. Den Angehörigen der Religionsgemeinschaft müsse «das Recht aufs Menschsein» abgesprochen werden.

Frank A. Meyer kontra Islam

Auch in der Schweiz waren am Sonntag scharfe Worte über den Islam zu vernehmen. Rinigier-Chefpublizist Frank A. Meyer bezog sich in seiner Kolumne im «SonntagsBlick» auf die letzte Woche publik gewordene Anfrage der Dachorganisation der Islamischen Staaten (OIC) bei der Schweizer Botschaft in Saudi-Arabien betreffend die Minarettverbots-Initiative. «Darf man dem Islam feindlich gesinnt sein oder nicht?» fragte Meyer und lieferte gleich die Antwort: «Der Islam ist eine totalitäre Weltanschauung.»

Beim Islam handle es sich nicht um eine Minderheiten-Religion, sondern um eine religiöse Weltmacht: «Stets latent aggressiv gegen die nicht-muslimische Welt, immer wieder gewalttätig-aggressiv mit islamistischen Kriegern von Hamas bis Al Kaida.» Schon in früheren Fällen, etwa im Zusammenhang mit den dänischen Mohammed-Karikaturen, hatte sich Frank A. Meyer mit ähnlichen Worten zum Islam geäussert.

(pbl)