Unklar, wer dahintersteht

20. Februar 2019 09:35; Akt: 20.02.2019 09:35 Print

Facebook sperrt russische Medienportale in Berlin

Weil die Verbindungen zum russischen Staat nicht angegeben seien, hat Facebook vier Newssites gesperrt. Deren Betreiber sitzt im selben Gebäude wie Facebook.

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«Wir haben keinerlei Facebook-Regeln gebrochen», beschwerte sich die Chefredaktorin des russischen Fernsehsenders RT (zuvor: «Russia Today»), Margarita Simonjan, am Montag im Nachrichtendienst Telegram. Die Sperrung der zu RT gehörenden Facebookseite «In the Now» sorgt in Moskau für Empörung.

Facebook habe am Freitag die «weithin beliebte» Seite des englischsprachigen RT-Projekts nach einem Bericht des US-Senders CNN gesperrt, «ohne die Anschuldigungen darzulegen». Der CNN-Bericht hatte offengelegt, dass «In the Now» – ebenso wie RT – vom russischen Staat finanziert wird.

Auch das deutsche Newsportal t-online.de hatte vor einigen Wochen berichtet, dass die Website Inthenow.media, die zur gleichnamigen Facebook-Seite führt, von einem russischen, staatlichen Medium registriert worden ist.

Simonjan argumentierte, es sollte kein Problem sein, dass die Seite die russische Finanzierung den Nutzern gegenüber nicht offen kommuniziert habe.

Keine Angabe zur Herkunft der Info

Der Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow forderte eine «Erklärung von Facebook hinsichtlich der genauen Gründe» für die Sperrung. Das soziale Netzwerk sei ein «Druckmittel» Washingtons, fügte er hinzu.

Facebook begründete die Sperrung mit fehlenden Angaben zur Herkunft der Inhalte. Besucher einer Seite sollten nicht in die Irre geführt werden darüber, «wer dahintersteht», teilte das Unternehmen auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP mit.

Eine Seite mit 4 Millionen Abonnenten

Die Facebookseite von «In the Now» war am Montag nicht abrufbar. Auf der Videoplattform Youtube erklärt «In the Now», eine «Gemeinschaft aufmerksamer Medienkonsumenten um wichtige, neugierige und zielgerichtete Inhalte» aufbauen zu wollen.

Der 2014 gestartete Youtube-Kanal erwähnt keine Verbindung zu RT oder Russland und hat 2,8 Millionen Seitenaufrufe. Die gesperrte Facebookseite zählte laut Simonjan vier Millionen Abonnenten und 2,5 Milliarden Aufrufe.

Alle unter einem Dach

Das von der EU finanzierte Projekt EU vs. Disinfo (EU gegen Fehlinformation) erklärte, «In the Now» sei für ein junges Publikum erschaffen worden, das mit den politischen Berichten von RT nichts anfangen kann. Videos über die Säuberung der Ozeane oder wachsenden Atheismus hätten einen «hohen emotionalen und unterhaltenden Wert» und dienten als «Köder», um die Verbindungen des Projekts mit Russland zu «tarnen», hiess es.

Facebook hatte im vergangenen Monat nach eigenen Angaben mehr als 500 aus Russland stammende Seiten gelöscht. Die meisten von ihnen wiesen Verbindungen zu Mitarbeitern der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik auf, an deren Spitze ebenfalls Simonjan steht.

Wie «Business Insider» berichtet, hat Facebook vergangenen Freitag zudem drei Video-Portale gesperrt: Der Geschichtskanal «Backthen», die Umwelt-Site «Waste-ED» und «Soapbox» gehören einer in Deutschland registrierten Firma namens Maffick GmbH, deren Anteile zu knapp 51 Prozent von der Ruptly TV GmbH gehalten werden, die wiederum zu RT gehört. Brisant: Die Maffick GmbH hat ihren Sitz im selben Hochhaus wie Facebook Deutschland, nämlich am Kemperplatz 1 in Berlin-Mitte.

(kle/sda)