US-Präsidentschaftswahl

29. Dezember 2011 11:24; Akt: 29.12.2011 11:42 Print

Fällt in Iowa schon die Vorentscheidung?

von Peter Blunschi - Wenige Tage vor der ersten Vorwahl spüren die Umfrage-Favoriten Newt Gingrich und Ron Paul heftigen Gegenwind. Der lachende Dritte könnte Mitt Romney heissen.

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: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

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Einmal alle vier Jahre gerät der kleine, immer noch stark agrarisch geprägte Bundesstaat Iowa in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Seit 40 Jahren findet im topfebenen Mittleren Westen die erste Vorwahl im US-Präsidentschaftswahlkampf statt. Am 3. Januar 2012 werden sich die politisch interessierten Einwohner Iowas in Kirchen oder Gemeindehäusern einfinden, um in einer offenen Abstimmung ihren Favoriten zu erküren.

Der so genannte Caucus in Iowa kann Signalwirkung haben. So triumphierte bei den Demokraten vor vier Jahren überraschend ein bis dato wenig bekannter Senator aus Illinois. Es war der Beginn eines Siegeszugs, der Barack Obama zehn Monate später ins Weisse Haus führen sollte. Bei den Republikanern allerdings siegte 2008 ein gewisser Mike Huckabee – heute erinnert sich kaum noch jemand an den Prediger aus Arkansas.

Drei kämpfen ums «Überleben»

Dieses Mal sind die Republikaner unter sich – die Demokraten verzichten auf Vorwahlen, bei ihnen ist Amtsinhaber Obama gesetzt, obwohl er viele enttäuscht hat. Wenn er trotzdem gute Wiederwahlchancen hat, dann liegt dies auch am schwachen Bewerberfeld der Gegenpartei. Gemäss neusten Umfragen liefern sich drei republikanische Kandidaten – Newt Gingrich, Mitt Romney und Ron Paul – in Iowa ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Drei weitere kämpfen bereits um ihr politisches Überleben: Michele Bachmann, Rick Perry und Rick Santorum.

Die Kongressabgeordnete aus Minnesota, der Gouverneur von Texas und der frühere Senator aus Pennsylvania touren seit Wochen durch Iowa und beackern buchstäblich jeden Acker im Bauernstaat. Sie kämpfen um das gleiche, religiös-konservative Wählersegment und jagen sich so gegenseitig Stimmen ab. Und sie brauchen dringend ein Erfolgserlebnis. Santorum brachte es in einem Radiointerview auf den Punkt: «Wenn ich Letzter werde, packe ich zusammen und gehe nach Hause.»

Ron Pauls ominöse Newsletter

Derartige Sorgen plagen die drei Favoriten – noch – nicht. Dafür haben Newt Gingrich und Ron Paul mit anderen Problemen zu kämpfen. Beide haben zuletzt in den Umfragen aufgetrumpft und sehen sich nun verschärftem Gegenwind ausgesetzt, denn beide entsprechen nicht wirklich dem Geschmack führender Kreise in der Grand Old Party. Vor allem der libertär-konservative Ron Paul muss schmerzlich erfahren, wie man als Kandidat durch den medialen Kakao gezogen wird, wenn man kein belächelter Aussenseiter mehr ist.

In den letzten Tagen sind Newsletter aufgetaucht, die vor rund 20 Jahren unter seinem Namen verschickt wurden und gespickt sind mit rassistischen, homophoben und antisemitischen Ausfälligkeiten. Paul behauptet, er habe die Rundschreiben weder gelesen noch geschrieben und distanziere sich davon. Eine überzeugende Erklärung, warum sie unter seinem Namen verbreitet wurden, konnte er jedoch nicht liefern. Aus einem CNN-Interview lief er gar vor laufender Kamera davon, weil die Reporterin hartnäckig nachfragte.

Bei den vielen «Jüngern» des «Apostels» Paul dürfte die Kontroverse wenig bewirken. Das Partei-Establishment jedoch sieht in den Newslettern (einen interessanten Hintergrund dazu lieferte das Magazin «The Atlantic») eine ideale Gelegenheit, um den «Störenfried» mit seinen radikalen Ansichten loszuwerden. Newt Gingrich jedenfalls attackierte ihn auf CNN frontal: «Ron Pauls Ansichten bewegen sich vollständig ausserhalb des Weltbilds von so ziemlich jedem anständigen Amerikaner.»

Gingrich unter Beschuss

Dabei muss sich Gingrich ebenfalls gegen heftige Angriffe von konservativer Seite zur Wehr setzen. Der Radiomoderator Michael Savage bot ihm gar eine Million Dollar an, wenn er im Gegenzug aus dem Rennen aussteigt. Die Botschaft an die Wähler lautet: Mit seinem zweifelhaften Leistungsausweis, seinem turbulenten Privatleben und seinem Hang zur Selbstzerstörung ist der ehemalige Speaker des Repräsentantenhauses kein konservativer Hoffnungsträger, sondern ein Sicherheitsrisiko.

Das neuste Müsterchen lieferte Newt Gingrich am letzten Wochenende: Wie Kontrahent Rick Perry versäumte er es, im Bundesstaat Virginia die nötigen 10 000 Unterschriften einzureichen, die für eine Teilnahme an der Vorwahl am 6. März – dem Super Tuesday – benötigt werden. Ausgerechnet in Virginia, wo Gingrich seinen Hauptwohnsitz hat. Da hilft es ihm wenig, dass er in Iowa betont, er sei «zeitlebens ein Konservativer» gewesen.

«Doppelsieg» für Romney möglich

Einer kann diesem Treiben genüsslich zuschauen: Mitt Romney. Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts kämpft nach wie vor um Akzeptanz, in den Umfragen kommt er kaum über 25 Prozent. Doch angesichts des zersplitterten Kandidatenfelds halten Beobachter das bislang unmöglich Scheinende für möglich: Der Mormone von der Ostküste könnte die Vorwahl im mehrheitlich konservativ und evangelikal geprägten Iowa für sich entscheiden, obwohl er dort kaum Ressourcen investiert hat.

Dies hätte in der Tat Signalwirkung, denn bei der nächsten Vorwahl am 10. Januar in New Hampshire – einem Nachbarstaat von Massachusetts – steht Mitt Romneys Erfolg so gut wie fest. In diesem Fall könnte man nach nur einer Vorwahl-Woche bereits von einer Vorentscheidung sprechen, denn ein «Doppelsieg» würde Romney «in eine beherrschende Stellung bringen, um sich die Nomination zu sichern», so die «Washington Post». Auch wenn in diesem Wahlzyklus vieles möglich scheint – Mitt Romney könnte sich dann wohl nur noch selber schlagen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tinu am 29.12.2011 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Prognose?

    Ich kenne mich nicht so gut aus in der amerikanischen Politik, aber ich denke, dass Obama noch eine Amtsperiode bekommt. Ist nur so ein Gefühl!

  • Martin am 30.12.2011 01:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul for President

    Läuft so Wahlkampf in den USA? Emails, die vor 20 Jahren von einem Fremden verschickt wurden sollen relevant sein? Eigentlich sollte jeder Amerikaner, der Wert auf Freiheit legt Ron Paul als Kandidat wählen. Er will die Kriege beenden, das Staatsdefizit drastisch kürzen und die Federal Reserve (Nationalbank der USA) einem Audit unterziehen. Wird ein anderer Kandidat gewählt wird nichts dieser Sachen passieren.

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  • Samuel Koch am 29.12.2011 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Vote Ron Paul

    Ron Paul muss es machen! Man sieht nur schon den Unterschied wie er in den Medien beachted wird. Selten bis nie! Ausserdem kommen jetzt schon die ersten Schmutzkampagnen gegen ihn. Für mich ein Zeichen dass er der Richtige ist und das Establishement bekämpfen kann!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 30.12.2011 01:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ron Paul for President

    Läuft so Wahlkampf in den USA? Emails, die vor 20 Jahren von einem Fremden verschickt wurden sollen relevant sein? Eigentlich sollte jeder Amerikaner, der Wert auf Freiheit legt Ron Paul als Kandidat wählen. Er will die Kriege beenden, das Staatsdefizit drastisch kürzen und die Federal Reserve (Nationalbank der USA) einem Audit unterziehen. Wird ein anderer Kandidat gewählt wird nichts dieser Sachen passieren.

    • Andy am 30.12.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Ron Paul for President 2

      Ron Paul bietet wenig Angrifffläche, darum stürzt sich die Elite auf jede Kleinigkeit die man ihm anlasten könnte. Er ist für sie zu einer echten Bedrohung geworden, da er der einzige ist welcher die wirklichen Probleme der USA anspricht und ändern möchte. Alles was sich die Elite in den letzten Jahren mit Clinton, Bush und Obama aufgebaut haben könnte durch ihn rückgängig gemacht werden. Wichtigster Punkt: Abschaffung der FED! Letzter Präsident der dies versucht hat war Kennedy...

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  • Tinu am 29.12.2011 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Prognose?

    Ich kenne mich nicht so gut aus in der amerikanischen Politik, aber ich denke, dass Obama noch eine Amtsperiode bekommt. Ist nur so ein Gefühl!

  • Samuel Koch am 29.12.2011 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Vote Ron Paul

    Ron Paul muss es machen! Man sieht nur schon den Unterschied wie er in den Medien beachted wird. Selten bis nie! Ausserdem kommen jetzt schon die ersten Schmutzkampagnen gegen ihn. Für mich ein Zeichen dass er der Richtige ist und das Establishement bekämpfen kann!

  • Rocky Rockefeller am 29.12.2011 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht-Journalismus

    Schön, dass auch mal über Ron Paul berichtet wird. Leider wiedermal mit "Journalismus" (kann man wohl nicht mehr als solchen bezeichnen.) der untersten Schublade. Wenn man die vorherigen Wahlen verfolgt hat, dann weiss man, dass die Medien/Neokonservativen langsam aber sicher Angst von Ron Paul haben. Das ist ein eindeutiger Diskreditierungsversuch. Auch in den letzten Vorwahlen hatte man im Fernsehen wiederholt versucht Ron Paul in den Interviews mit absurden Fragen fertig zu machen. Ron Paul möchte privatisierte Nationalbanken abschaffen. Das passt halt einigen nicht.

    • Message am 29.12.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

      Word

      Einigen die aber wirklich was in gang bringen können, wenn es Ihnen nicht passt. Traurig das so wenige die Zeit aufbringen selbst nachzuckucken wie konstant seine Meinungsäusserungen sind und er ist ja schon ne weile in der Politik tätig. Dazu kommt, dass er weder von seinem Militärdienst floh als die Zeit kam, sowie etliche Babys als Artzt entbunden hat. / Noch besser verbringt ein wenig Zeit damit nachzuschauen was Newt kürzlich so getrieben hat........

    • Obama am 29.12.2011 19:59 Report Diesen Beitrag melden

      Paul 2012

      100% einverstanden!!

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  • Christian am 29.12.2011 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mitt Romney

    Mitt Romney ist für mich der ideale Präsident für die Vereinigten Staaten. Ein gemässigter Republikaner, der auf Demokraten eingehen kann. Mann sehe nur, was er für den Bundesstaat MA geleistet hat.

    • Reto Rothschild am 29.12.2011 17:36 Report Diesen Beitrag melden

      Sicher?

      Harte Fakten, Christian: Also ist ein gemässigter Republikaner, der auf Demokraten eingehen kann ist ein "Top" Kandidat für die Präsidentschaft?"Ja das macht natürlich Sinn..." Ist das alles? Hier Romney's Berater: "former Homeland Security Secretary Michael Chertoff, former CIA Director Michael Hayden and ex-Blackwater exec Cofer Black. All three appointees have played crucial, and often highly critiqued, rolls within the administrations of George W Bush." (rt.com) -> - Aber OK. Bestimmt ein TOP Kandidat für die Obama/Bush Fortsetzung.

    • Paul Ron am 29.12.2011 20:01 Report Diesen Beitrag melden

      Mitt Romney = status quo

      Mitt Romney ist doch fast dasselbe wie Obama, ie gleichen Ideen die das Land in den Ruin treiben. Die USA brauchen feste Präsidenten, und nicht schwächlinge die den Kontext dieser Kriese nicht erkennen

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