Russland nach der Wahl

06. März 2012 17:56; Akt: 06.03.2012 17:56 Print

Fast 100 Prozent für Putin in Tschetschenien

Sowjetzeiten in Tschetschenien: Bei der russischen Präsidentenwahl stimmten 99,76 Prozent für Wladimir Putin. In einem Wahlkreis betrug die Beteiligung 107 Prozent.

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Republikchef Ramsan Kadyrow bei der Stimmabgabe. Ob er mehr als nur einmal gewählt hat? (Bild: Keystone/AP/Musa Sadulayev)

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Unter Wladimir Putin hatte Russland 1999 Krieg in der islamisch geprägten Teilrepublik Tschetschenien geführt. Die Armee richtete dabei schwere Zerstörungen an und verübte massive Menschenrechtsverletzungen. Die Tschetschenen scheinen dies dem ehemaligen Geheimdienstler nicht übel zu nehmen: Bei der Präsidentenwahl am Sonntag gaben ihm 99,76 Prozent ihre Stimme. Das waren noch einmal 0,28 Prozentpunkte mehr als für Putins Partei bei der Parlamentswahl am 4. Dezember 2011.

Bei solchen «sowjetischen» Ergebnissen geht es natürlich kaum einmal mit rechten Dingen zu und her. Tschetschenien hat nach offiziellen Angaben mit rund 50 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in Russland und erhält vom Kreml massive Finanzhilfen. Und für den Rest sorgt der moskautreue, autokratische Republikchef Ramsan Kadyrow. Genauer für eine Wahlbeteiligung, die bei 99,61 Prozent lag. Im ganzen Land waren es 65,3 Prozent.

«Karussell-Wähler» unterwegs

In einem bestimmten Wahlkreis in der Hauptstadt Grosny kam es besonders dick. Dort wurden 1482 Stimmen für Wladimir Putin und eine für Kommunistenchef Gennadi Sjuganow gezählt. Die Zahl der registrierten Wähler betrug jedoch 1389 – ergibt eine Beteiligung von 107 Prozent. Des Rätsels Lösung sind gemäss «New York Times» so genannte «Karussell-Wähler», die in Minibussen von einem Wahllokal zum nächsten gekarrt wurden.

Die Betrügereien wurden ziemlich unverblümt durchgeführt. «Wenn Ramsan will, dass wir wählen, dann wählen wir, und zwar von ganzem Herzen», sagte eine Krankenschwester, ohne den Anschein von Enthusiasmus zu erwecken. Eine andere Frau dagegen sagte der «New York Times» unverblümt, was sie von Kadyrow hält: «Ich hasse ihn, aber ehrlich gesagt wurden wir dazu gezwungen, hierher zu kommen.»

Webcam filmt dreisten Betrug

Ähnliches dürfte sich im ganzen Nordkaukasus abgespielt haben. Auch in den Teilrepubliken Dagestan und Inguschetien, die immer wieder von Anschlägen erschüttert werden, erhielt Putin deutlich mehr als 90 Prozent Zustimmung. In Dagestan am Kaspischen Meer zeigten Internetkameras, wie Männer in einem Wahllokal massenweise Stimmzettel in elektronische Urnen einführten. Daraufhin wurde die Abstimmung in diesem Wahllokal für ungültig erklärt.

(pbl/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laura Acosta am 06.03.2012 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Putinland

    ist ja lächerlich. wieso führt man überhaupt noch wahlen in russland durch? oder soll man sagen, in putinland?

  • Steve Meyer am 06.03.2012 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem ?

    Jetzt wird geschriehen, geschrieben und gedroht. In ein paar Wochen will niemand mehr etwas davon wissen und kauft weiterhin Öl und Gaz von den Russen. Wie gross der Anteil davon in Putins Taschen fliesst ist eh egal, hauptsache der Käufer bekommt es etwas billiger als woanders - und schaut weg bei den Betrügereien. business as usual

  • Rüdiger am 06.03.2012 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Regeln

    Ja, die Russen... sie überraschen doch immer wieder. Ihre Fähigkeiten sind ja schon legendär! Sie schaffen es in jeder Wahl, irgendwie die Regeln der Mathematik ausser Kraft zu setzen. Würde mich nicht wundern, wenn sie sogar schon die Zeitmaschine hätten... ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • realist am 07.03.2012 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    absolut lächerlich

    Und es wird wie immer anerkannt...wann passiert endlich etwas..?

  • Hans Olson am 07.03.2012 00:46 Report Diesen Beitrag melden

    Nur weil Putin dem Westen nicht passt...

    wird er in den Medien nun als böser Diktator dargestellt. Er ist kein Vasale der USA (wie die EU) und nun wird mit allen Mitteln versucht ihn zu diskreditieren. Doch wir brauchen ein starkes Land welches den westlichen Imperialismus stoppt. Sicherlich kann Putin dabei nicht seine Samthandschuhe anziehen, es braucht einen starken und unabhängigen Präsidenten. Der Westen versucht seinem Untergang zu entgehen und dafür ist Russland und seine Banken ein gutes Ziel. Doch nicht mit Putin. Gegen Imperialismus und für die Menschen!

  • Max Maeir am 06.03.2012 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Russija

    Wo liegt das problem? Das volk hat gewählt...hoch lebe die demokratie und PUTIN!

  • Irina am 06.03.2012 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lupenreine Demokratie

    Lupenreine Demokratie - im wahrsten Sinne des Wortes. Nur das die Lupe in diesem Falle die Wahlfälschungen aufdeckt. Wo waren jetzt nocheinmal die Jubilare, die seit Sonntag hier Putin hochleben lassen? Bin mal gespannt, wie die sich jetzt hier rausreden. War bestimmt wieder die bösen USA schuld und überhaupt sind wir Russen zu blöd für die Demokratie und brauchen deshalb einen starken Dikator, was machen da schon die vielen Wahlfälschungen. Ich kann sie schon hören .....

  • Rahel.Schweiz am 06.03.2012 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Moral des Westens???

    Haben wir im moralinsäuerlichen Westen auch nur die leisteste Ahnung was es heisst, ein total heruntergekommenes postkommunistisches Russland von St. Petersburg bis Vladivostok zu regieren? Die ständigen Anfeindungen der westlichen Medien und Politik gegen Putin und Co. sind hinterhältig und verlogen. Grund: der Westen will vom eigenen politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Desaster ablenken und projiziert dieses auf einen Quasi-Sündenbock im grossen Russland. Ich habe das absolute Chaos der Jelzin-Ära als Reisende erlebt und möchte heute bald lieber dort als in EU- Europa leben!