Tragödie der MH17

18. Juli 2014 08:13; Akt: 18.07.2014 13:09 Print

Feuerregen und entstellte Leichen im Weizenfeld

Ein Video zeigt die dramatischen Szenen an der Absturzstelle der MH 17 in der Ostukraine. Trümmer der Maschine sind noch in vier Kilometern Entfernung zu sehen.

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Den Menschen im Dorf Grabowe bietet sich ein Bild des Grauens: Rund um die Absturzstelle des Passagierflugzeuges MH17, tief im Osten der Ukraine, sind Trümmerteile der Maschine, Gepäckstücke und völlig entstellte Leichen zu sehen.

Auf einem Weizenfeld liegt die Heckflosse der Boeing 777. Die Lackierung in den Farben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines ist noch gut zu erkennen. Jemand hat Koffer, Taschen und andere Besitztümer der 298 Passagiere und Crewmitglieder zusammengetragen. Auf einem nahen Feldweg liegt ein abgetrennter Fuss.

«Diese armen Menschen», sagt Natalja, die von ihrem Haus aus auf die Einschlagstelle blickt. «Glauben Sie, dass die etwas von diesem Krieg in der Ukraine verstanden haben? Nicht einmal wir verstehen das.»

Wie ein Erdbeben

Mehrere Augenzeugen berichten, dass das Flugzeug noch in der Luft explodiert ist. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass die Maschine abgeschossen worden sein könnte. «Es war wie ein Erdbeben», sagt die 62-jährige Katja. «Wir haben sehr, sehr viel Glück gehabt», sagt ihr Schwiegersohn Alexander.

Es hätte nicht viel gefehlt und die Trümmerteile hätten den Bauernhof der Familie getroffen. Vor dem Grundstück ging ein Teil der Landeklappe und grosses Stück vom Flugzeugrumpf nieder.

Alexander zeigt auf Brandspuren am Holzzaun seines Hofes, es habe regelrecht Feuer geregnet. «Die Weinstöcke sind auch verbrannt», sagt der 43-Jährige.

«Das ist kein schöner Anblick», sagt Oleg, der zu den prorussischen Separatisten gehört, die sich einen Krieg mit der ukrainischen Armee um den Osten des Landes liefern. Grabowe gehört zum von den Aufständischen kontrollierten Gebiet.

Oleg hat nach eigenen Angaben die Teile von 13 Leichen eingesammelt. Auf zwei verkohlten Passagiersitzen sind die festgeschnallten Torsos von zwei Menschen zu erkennen. Es stinkt nach verbranntem Kerosin.

Überforderte Rettungskräfte

Auf einem weiteren Feld liegen entstellte Leichen gleich neben den verbrannten Trümmern jenes Flugzeuges, das die Menschen eigentlich nach Hause zu ihren Familien, zu beruflichen Terminen oder einfach in die Ferien bringen sollte.

Die Rettungskräfte sind sichtlich überfordert, als sie 20 Minuten nach dem Absturz in Grabowe nahe der Grenze zu Russland eintreffen. Es fehlt an vielem. Die Bergungsarbeiten in der Nacht werden nur von den Scheinwerfern der Feuerwehrwagen beleuchtet. Am nächsten Morgen markieren Helfer die Fundstellen der Leichenteile. Zu retten gibt es hier niemanden.

(sda)