06. Dezember 2006 06:11; Akt: 06.12.2006 07:52 Print

Fidschi: Militär droht mit Gewalt

Die Putschisten verhängten den Ausnahmezustand über Fidschi und drohen mit der gewaltsamen Niederschlagung von Aufständen. Präsident Qarase hat das Land verlassen und wirft den Militärs vor, das Land «zum Gespött der Welt» zu machen.

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Nach dem Militärputsch nahmen Soldaten potenzielle Gegner der neuen Regierung fest. Der gestürzte Regierungschef Laisenia Qarase verliess die Hauptstadt, in der es zunächst ruhig blieb. Er flog mit einer Chartermaschine zu einer entlegenen Insel der Lau-Gruppe, wo sich sein Heimatdorf befindet. Qarase rief die Fidschianer zu friedlichen Widerstand gegen das Militär auf. Die Streitkräfte hätten die Verfassung verletzt und machten das Land zum Gespött der ganzen Welt, sagte er Journalisten.

Nach dem Putsch auf den Fidschi-Inseln hat das Militär mit einem scharfen Vorgehen gegen jeden Widerstand gedroht. Das Militär werde einen Aufstand sehr schnell niederschlagen, warnte Armee-Chef Frank Bainimarama. «Sollten wir dazu gezwungen werden, Gewalt anzuwenden, will ich betonen, dass wir das sehr schnell tun werden», sagte er am Mittwoch auf einer Medienkonferenz.

Ausnahmezustand auf Fidschi

Bainimarama hatte zuvor den Ausnahmezustand auf den Inseln ausgerufen. Die Hauptstadt Suva wurde abgeriegelt. Die Soldaten wurden angewiesen, Kontrollpunkte um die Hauptstadt Suva zu errichten. Soldaten lösten auch ein Treffen hoher Regierungsbeamter auf und erzwangen am Mittwochmorgen den Abbruch einer Senatssitzung.

Im bereits vierten Putsch innerhalb von 20 Jahren hatte Armee- Chef Frank Bainimarama sich an Stelle von Präsident Ratu Josefa Iloilo zum Staatsoberhaupt erklärt und Ministerpräsident Qarase abgesetzt. Zum Übergangs- Ministerpräsidenten machte der Armee-Chef den ehemaligen Militärarzt Jona Senilagakali Baravilala. Andere Ministerposten wurden an Offiziere vergeben.

Die Streitkräfte hatten den Putsch mit verfassungswidrigen Gesetzen begründet. Hintergrund ist der Jahrzehnte alte Konflikt zwischen ethnischen Fidschianern und den Nachfahren indischer Einwanderer.

Fragile Wirtschaft in Gefahr

International wurde der Putsch verurteilt. UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die sofortige Wiedereinsetzung der gewählten Regierung. Die USA froren 2,5 Millionen Dollar Militärhilfe ein. Australien entsandte drei Kriegsschiffe, um Staatsangehörige zu evakuieren. Das Schweizer Aussenministerium hatte bereits vor einer Woche die Reisehinweise verschärft: Von Touristen- und anderen nicht dringenden Reisen wird abgeraten.

Der Putsch könnte wie bei früheren Umstürzen zu ernsthaften Einbussen in der Zuckerbranche und dem Tourismus führen, den wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Weihnachten zählt zu den Hauptreisezeiten in die Region.

(ap)