Exodus aus Tunesien

13. Februar 2011 16:51; Akt: 13.02.2011 16:53 Print

Flüchtlinge zwingen Rom zum Handeln

Tausende Tunesier sind in den letzten Tagen auf Lampedusa angekommen. Nun hat die italienische Regierung beschlossen, das Hauptflüchtlingslager der Insel wiederzueröffnen.

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Diese Schaluppe voller Flüchtlinge traf am Samstag in Lampedusa ein. (Bild: Reuters)

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Innenminister Roberto Maroni von der Lega Nord hat dem Druck der Bevölkerung von Lampedusa nachgegeben. Bis zum Abend soll das Aufnahmelager «Contrada di Imbriacola» auf der Insel wieder offen sein, wie italienische Medien am Sonntag berichteten.

Rom hatte bisher eine Wiedereröffnung des betriebsbereiten Erste- Hilfe-Lagers auf Lampedusa abgelehnt, um die Flüchtlinge «nicht zusätzlich zu ermutigen». Die Lager waren vor etwa einem Jahr geschlossen worden, da wegen der umstrittenen Flüchtlingspolitik der italienischen Regierung kaum noch Menschen auf Lampedusa eintrafen.

In der Nacht zum Sonntag kamen erneut knapp 1000 tunesische Flüchtlinge mit ihren Booten auf der winzigen Insel zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste an. Am Vormittag erreichten weitere 109 Flüchtlinge das Eiland.

Nach Schätzungen der Polizei hielten sich damit über 2200 Tunesier auf Lampedusa auf, die Bevölkerung zählt etwa 4500 Menschen. Insgesamt trafen in den vergangenen vier Tagen rund 5000 Flüchtlinge aus Tunesien in Italien ein.

Die meisten Ankömmlinge, darunter auch Frauen, waren von den Behörden bisher nur provisorisch am Hafen und in Einrichtungen des einzigen Ortes der Insel untergebracht worden, um sie so schnell wie möglich auf Aufnahmelager auf Sizilien und in anderen Regionen des Landes zu verteilen.

Regierung ruft Notstand aus

Am Samstag war dazu eine Luftbrücke eingerichtet worden. In einer Sondersitzung hatte die Regierung in Rom den humanitären Notstand ausgerufen.

Der italienische Aussenminister Franco Frattini bat die Europäische Union (EU) erneut um Unterstützung, um mit dem Ansturm illegaler Einwanderer fertig zu werden. Andere Mittelmeer-Anrainer müssten Italien mit Schiffen, Flugzeugen und Helikoptern zu Hilfe kommen, forderte Frattini in der Zeitung «Corriere Della Sera».

Italien hat zudem eine Krisensitzung der EU verlangt, um eine angemessene Reaktion auf den Flüchtlingsstrom zu finden. Die Regierung in Rom will, dass Patrouillenboote Flüchtlinge schon vor der Küste Tunesiens stoppen. Am Samstag war dort ein Flüchtlingsboot gesunken; mindestens ein Mensch starb.

Italienische Polizisten nach Tunesien

Die italienische Regierung will nun eigene Polizisten in das nordafrikanische Land entsenden. Die Beamten sollten verhindern, dass weitere Flüchtlinge sich auf den Weg nach Europa machten, sagte Innenminister Maroni in einem Fernseh-Interview.

Er werde Tunesien zudem bitten, italienische Soldaten zur Überwachung der Küste entsenden zu können. «Das tunesische System ist dabei zu kollabieren», sagte Maroni weiter.

Seit dem politischen Umsturz im südlichen Nachbarland Italiens funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Rom und Tunis nicht mehr. Die noch mit Präsident Zine al-Abidine Ben Ali vereinbarte gemeinsame Kontrolle von Schiffen und die Rückführung von geflüchteten Tunesiern ist unterdessen zum Erliegen gekommen.

(ap)