Unruhen in Nordafrika

19. März 2011 10:56; Akt: 19.03.2011 11:11 Print

Flüchtlingslager auf Lampedusa quillt über

Der Flüchtlingsstrom auf die Felsinsel Lampedusa reisst nicht ab. Die Ordnung im Flüchtlingslager droht angeblich zu kollabieren. Die Bürgerproteste nehmen zu.

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Die Habseligkeiten von Flüchtlingen, die auf Lampedusa ankommen, wird durchsucht, 15. März 2011. (Bild: Keystone)

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In der Nacht auf Samstag strandeten erneut 378 Flüchtlinge an verschiedenen Orten der winzigen Insel Lampedusa südlich von Sizilien. Im aus allen Nähten platzenden Aufnahmelager von Lampedusa befanden sich am Samstagmorgen weit über 3000 Flüchtlinge. Das Lager steht vor dem Zusammenbruch. Das berichteten italienische Medien. Die Lage sei weiter angespannt, hiess es. Das Lager ist nur für rund 850 Menschen ausgelegt.

«Die hygienische Lage ist unzumutbar. Allein am Freitag sind 1300 Personen an Bord von 18 Booten eingetroffen, so kann es nicht weitergehen», protestierte der Bürgermeister Lampedusas, Bernardino De Rubeis.

Rund 500 Personen sollen demnächst in zwei Zeltlagern untergebracht werden, die auf dem Gelände eines ehemaligen Militärstützpunktes errichtet werden soll. Auf diese Weise soll das Auffanglager entlastet werden, berichteten italienische Medien.

De Rubeis warnte erneut vor Bürgerprotesten. «Die Einwohner Lampedusas sind verunsichert, sie bangen um ihre Sicherheit. Die Insel ist von den nordafrikanischen Migranten überschwemmt», sagte der Bürgermeister. Er appellierte an die Regierung Berlusconi, die Migranten mit Luftbrücken so schnell wie möglich in Auffanglager auf Sizilien oder auf dem italienischen Festland unterzubringen.

Aufgebrachte Bürger

Am Freitag hatten aufgebrachte Bürger über Stunden die Molen der zwei Häfen der Insel besetzt und so erfolgreich Anlegemanöver der Küstenwache blockiert. Sie wollten damit die Ankunft weiterer von ihren brüchigen Schiffen geretteter Immigranten verhindern.

Erst am späten Abend gelang es den Behörden, die rund 200 Bootsflüchtlinge von den insgesamt vier Schiffen der Küstenwache an Land gehen zu lassen.

Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) warnte, die Lage könnte sich dramatisch zuspitzen, sollten auch Massen aus Libyen über das Mittelmeer nach Italien fliehen. Bisher kamen die Bootsflüchtlinge vorwiegend aus Tunesien.

Nach dem Sturz des tunesischen Diktators Zine al-Abidine Ben Ali hatten Mitte Februar innerhalb weniger Tage mehr als 5600 Menschen aus dem nordafrikanischen Land Lampedusa erreicht. Die nur 20 Quadratkilometer grosse Insel selbst zählt etwa 4500 Einwohner. Nur 130 Kilometer von Tunesiens Küste entfernt und wegen der Nähe zu Afrika gilt die Insel seit langem als ein «Tor nach Europa».

(sda)