Abgestürzte Boeing

11. Januar 2020 14:13; Akt: 11.01.2020 14:37 Print

«Da drehte einer durch und drückte den Knopf»

von B. Zanni - Der Iran begründet den Abschuss der ukrainischen Boeing mit einer Verwechslung. Militärexperte Mauro Mantovani kauft das dem Iran nicht ab.

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Seit dem Absturz einer Boeing 737 der Fluglinie Ukraine International Airlines mit 176 Toten wurde über die Ursache des Unglücks gerätselt. Am Samstag erklärte der Luftwaffenkommandant der Revolutionsgarde, General Amirali Hadschisadeh, dass am Mittwochmorgen eine Kurzstreckenrakete neben der Boeing explodiert sei. Das Flugzeug sei irrtümlich für einen Marschflugkörper gehalten worden. Hadschisadeh machte einen Kommunikationsdefekt für das Unglück verantwortlich.

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Zuvor hatte das iranische Staatsfernsehen vermeldet, dass die ukrainische Unglücksmaschine nahe an einer wichtigen Militärbasis vorbeigeflogen und deshalb für ein feindliches Flugzeug gehalten worden sei.

Verwechslung sei unmöglich

Mauro Mantovani, Sicherheitsexperte an der Militärakademie der ETH Zürich, beurteilt die Begründung des Irans als nicht plausibel. «Ein ziviles Grossraumflugzeug hat einen ganz anderen Radarquerschnitt als ein Marschflugkörper», sagt er. Zudem sei es, insbesondere in der Startphase, viel langsamer als ein Marschflugkörper im Zielanflug. Ein geschulter Operateur würde diese beiden Objektkategorien nie verwechseln. Mantovani ist deshalb überzeugt: «Da ist einer durchgedreht und hat den Knopf gedrückt.»

Aviatikexperte Olav Brunner geht davon aus, dass der Iran keine Feindfremderkennung durchführte, als sich die ukrainische Boeing der Militärbasis näherte. «Bevor man den Knopf zum Abschuss drückt, muss diese Abklärung passieren.» Möglich sei, dass der Iran angesichts der angespannten Lage mit den USA die Feindfremderkennung zu wenig seriös durchgeführt habe.

«Feindfremderkennung fehlte»

«Flüge über Krisenregionen sind immer ein Risiko», sagt Brunner. Schon mehrmals seien in Konflikten unbeteiligte Flugzeuge versehentlich abgeschossen worden. Es liege im Ermessen der Fluggesellschaft abzuschätzen, ob man solche Gebiete noch überfliegen wolle oder nicht.

Die Swiss etwa hat bis zum 20. Januar alle Flüge nach Teheran gestrichen. Das findet Brunner auch richtig. «Solche Gebiete muss man meiden.» Auch ein friedliches Verhältnis zwischen zwei Ländern sei keine Sicherheitsgarantie, stehe das Überflugsland mit einem anderen in einem Konflikt.

Kurz nach dem Unglück schuldeten die iranischen Behörden den Absturz einem technischen Defekt. An einer Explosion gab es für Olav Brunner aber keine Zweifel. «Als ich das Trümmerfeld sah, war für mich klar, dass etwas in der Luft passierte.» Die Wrackteile seien auf dem Boden weit verstreut worden. «Im Falle eines technischen Defekts hätte man die Wrackteile kompakter vorgefunden.» Auch dass die Piloten keine Notmeldung abgesetzt haben, deute auf ein plötzliches Ereignis hin.



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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EBAF am 11.01.2020 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zumindest in einem Punkt..

    .. muss ich Trump Recht geben.. Unter diesen Voraussetzungen und Umständen darf der Iran definitiv nicht über Atomwaffen verfügen!

  • Tickerschweiz am 11.01.2020 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlogene Gesellschaft

    Da sieht man wieder, welch verlogene Gesellschaft das ist: Zuerst wird gemeldet, dass es sich um technische Probleme handelt, dann wird dementiert, dass das Flugzeug abgeschossen wurde, und als der Druck zu gross wurde, hat man ein menschliches Missgeschick gemeldet... So läuft das heute, verlogen!

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  • Sissy13 am 11.01.2020 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch

    Man sollte eben nicht soll che Idioten an die Knöpfe lassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ob absichtlich oder am 11.01.2020 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    unabsichtlich - spielt doch keine Rolle

    Tatsache ist: Stress, Misstrauen, Machtgehabe und fehlende Empathie sind schlechte Ratgeber? P.S. 1983, in der damaligen Sowietunion und während des Kalten Krieges, verhinderte der Zuständige im Kontrollzentrum den atomaren Erstschlag, als er einen vermeintlichen Angriff der USA als Fehlalarm einstufte - und dementsprechend handelte.

  • Marco Steiner am 11.01.2020 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    McStone

    Die Swiss hat Teheran gar nicht I'm Flugplan drin .... muss also auch nicht stoppen dahin zu fliegen. Die Swiss umfliegt das Gebiet jedoch auf dem Weg zu anderen Destinationen.

  • Roger am 11.01.2020 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Westen

    Amerika hat doch wiedereinmal zuerst angefangen... Und ob sie nicht das Flugzeug selber abgeschossen haben wissen wir auch nicht genau... Krieg ist leider ein lukratives Geschäft. Amerika ist immer irgendwo in einen Krieg verwickelt... Schon komisch oder?

  • Rosmarie Wüthrich am 11.01.2020 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wird einfach vergessen

    Iran hat den Flieger abgeschossen (eigentlich war es EINE Person die den Flieger abgeschossen hat und nicht alle Iraner) wiederum haben die Amerikaner mit dem Tonkin-Zwischenfall die gesammte Menschheit belogen und sind so in den Vietnamkrieg gezogen mit ca. 3 Millionen Toten und noch heute mit Missbildungen bei Neugeborenen. Politik und Geostrategie, oder eben Geopolitik, ist nie fair.

  • Jakob M am 11.01.2020 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuld am Unglück

    Die Schuld an diesem tragischen Unglück trägt allein Donald Trump und die USA. Sie haben jegliches Augenmass verloren.