Doppelmord in Kanada

08. August 2019 20:31; Akt: 08.08.2019 21:18 Print

Mordopfer arbeitete auf Ranch von Schweizerin

«Wie kann jemand so etwas Sinnloses tun?», fragt sich die Bernerin Erika Weder. Sie kannte den in Kanada ermordeten Australier Lucas Fowler gut - er war Praktikant auf ihrer Ranch.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Doppelmord und die Fahndung nach den beiden mutmasslichen Tätern hielt Kanada wochenlang in Atem: Am 15. Juli waren an einer Landstrasse in der westkanadischen Provinz British-Columbia die Leichen des 23-jährigen Australiers Lucas Fowler und seiner 24-jährigen Freundin Chynna Deese gefunden worden. Das junge Paar wurde erschossen.

In der jüngsten Ausgabe vom «Schweizer Bauer» erzählt die Auslandschweizerin Erika Weder-Büschi, wie sie schockiert gewesen sei, als sie von Fowlers Mord erfuhr. Die Frau aus Kriechenwil BE betreibt in Hudson's Hope eine Ranch - und der ermordete Australier war seit dem 1. Februar ihr Praktikant gewesen.

«Er war am liebsten draussen bei den Tieren»

Die Bernerin erinnert sich, wie die kanadische Polizei sie am 18. Juli kontaktierte, um sie über den Tod des Paares zu informieren: «Die Sätze des Polizisten werden lange, wahrscheinlich ewig nicht vergessen gehen. Wie kann jemand so etwas Sinnloses tun? Was ist bloss los auf dieser Welt? Für den Tod von so jungen Menschen gibt es einfach keine Worte.»

Fowler sei «ein Mensch voller Abenteuerlust und Freude am Lernen» gewesen. Der gelernte Automechaniker interessierte sich sehr für die Landwirtschaft, «wollte mehr lernen in Bezug auf Tierhaltung und Weidemanagement», so die Schweizerin. «Er hatte noch selten Schnee erlebt und Kälte war gar nicht sein Ding. Und da stand er plötzlich mit gefrorenem Bart bei minus 43 Grad vor meiner Haustüre.»

Die Arbeit auf der Ranch habe Fowler in vollen Zügen genossen: «Er war am liebsten draussen bei den Tieren oder unterwegs mit dem Traktor, um Feldarbeiten zu erledigen. Er hat gelernt, Büffel- und Elektrozäune zu bauen, und sass zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Pferd.»

Die Ergebnisse der Obduktion werden am Donnerstag bekannt

Lucas Fowler war seit über zwei Jahren auf der Reise. «Seine Reiselust war ansteckend und seine unzähligen Erlebnisse und Geschichten waren eine Freude! Ich habe so oft mit ihm gelacht», so die Bernerin.

Fowlers Freundin Chynna Deese stammte aus den USA. Die beiden hatten sich letztes Jahr aber in Kroatien kennengelernt. Erst kürzlich war Deese nach Kanada geflogen, um die Brandingwoche zusammen mit Lucas auf der Ranch der Schweizer zu erleben. «Die beiden Verliebten wollten während knapp drei Wochen zusammen nach Alaska und wieder zurück zu uns reisen. Chynna hatte Anfang August einen Rückflug in die USA gebucht und Lucas wollte noch bis Ende September bei uns arbeiten. Dann hatte er Pläne, südlich zu reisen, um von irgendwo aus nach Hause nach Australien zu fliegen, um Weihnachten mit seinen Eltern und Geschwistern zu verbringen.»

Doch die beiden Teenager Kam McLeod und Bryer Schmegelsky zerstörten den Traum des Paares. Der 18-jährige Schmegelsky und der 19 Jahre alte McLeod sollen ausserdem den 64-jährigen Botanik-Professor Leonard Dyck getötet haben.

Kanadische Ermittler suchten in den vergangenen Wochen nach McLeod und Schmegelsky. Sie setzten dabei Flugzeuge mit Wärmebildkameras, Spürhunde und Drohnen ein. Vergangenen Mittwoch wurden zwei männliche Leichen im Norden der Provinz Manitoba entdeckt. «Wir gehen davon aus, dass es sich um die Leichen der beiden Verdächtigen handelt», sagte eine Polizeisprecherin am Montag.

Eine Obduktion in der Provinzhauptstadt Winnipeg soll am Donnerstag für Gewissheit sorgen, wie der Minister für öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale, sagte. Dieser hatte zuvor im Kurzbotschaftendienst Twitter geschrieben: «Die Menschenjagd ist beendet.»

(kle)