Öffentlicher Verkehr lahmgelegt

06. Dezember 2019 12:39; Akt: 06.12.2019 14:47 Print

Streikende stürzen Frankreich ins Chaos

Die Gewerkschaften in Frankreich wollen so lange weiterstreiken, bis Präsident Macron die Rentenreform zurücknimmt. Es kam zu Ausschreitungen.

Rund um die Proteste gegen die Rentenreform von Präsident Macron kam es zu Gewaltausbrüchen.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Der zweite Streiktag im öffentlichen Dienst in Frankreich hat zu Verkehrschaos und Beeinträchtigungen in Schulen und Krankenhäusern geführt. Insbesondere die Nerven vieler Bewohner der Hauptstadtregion Paris wurden am Freitag auf eine harte Probe gestellt. Auf den Strassen in und um die Metropole kam es zu den morgendlichen Stosszeiten zu langen Staus, da viele Pendler wegen des Ausstandes von der Bahn auf das Auto umstiegen.

Insgesamt stockte der Verkehr laut der Verkehrs-App Styadin auf mehr als 350 Kilometern. Zehn der 16 Metro-Linien fuhren nicht. Die Bewohner der Region müssen sich auf weitere Schwierigkeiten einstellen: Die Gewerkschaften bei der Pariser Bus- und Metrogesellschaft RATP kündigten an, den Ausstand vorerst bis Montag fortzusetzen.

Rentensystem vereinfachen

Der Streik, der bereits am Donnerstag weite Teile des öffentlichen Lebens gelähmt hatte, richtet sich gegen die Rentenreform-Pläne von Präsident Emmanuel Macron. Zum Auftakt waren Hunderttausende von Demonstranten auf die Strasse gegangen, wobei es in Paris und weiteren Metropolen mancherorts zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kam.

Macron will Frankreichs veraltetes Rentensystem vereinfachen, das mehr als 40 verschiedene Pensionskassen umfasst. Dabei variieren Renteneintrittsalter und Pensionsleistungen. So können beispielsweise Bahnangestellte wesentlich früher in Rente gehen als andere Beschäftigte. Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt derzeit bei 62 Jahren. Macron hält das System für unfair und zu teuer. Er fordert ein auf Rentenpunkten basierendes System, das für alle Franzosen gleichermassen gelten soll.

«Kein akzeptables Pensionssystem mehr vorfinden»

Bildungsminister Jean-Michel Blanquer sagte dem TV-Sender BFM, er erwarte, dass am Freitag nicht mehr so viele Lehrer an dem Streik teilnehmen würden wie am Donnerstag. Frankreich benötige ein nachhaltiges Rentensystem.

Macron wolle das heikle Thema nicht wie viele seine Vorgänger umschiffen und Reformen aus Furcht vor öffentlichem Protest unterlassen. «Wenn jede Präsidentschaft so argumentiert, werden unsere Kinder kein akzeptables Pensionssystem mehr vorfinden», sagte Blanquer. Mitte der 1990er Jahre hatte ein wochenlanger Ausstand die damalige Regierung zum Einknicken bei ihren Rentenplänen gebracht.

Auswirkungen auf die Schweiz

Der grosse Streik hat auch Auswirkungen auf Reisende aus der Schweiz. Die SBB rieten von Reisen nach Frankreich von Donnerstag bis Sonntag ab. Es verkehrten nur einzelne Züge, namentlich die TGV-Schnellverbindungen zwischen der Schweiz und Frankreich wurden annulliert.

Auch im Flugverkehr gab es Probleme. Die französische Fluggesellschaft Air France beispielsweise strich 30 Prozent der Inlandflüge. 25 Flüge ab dem Flughafen Genf-Cointrin und 26, die dort landen sollten, wurden annulliert. Auch in Zürich wurden Flüge nach Paris gestrichen.

Über 70 Gewaltbereite verhaftet

Am Rande der Pariser Demonstration kam es vorübergehend zu Gewalt: Schwarz gekleidete Vermummte zündeten einen Bauwagen und Mülleimer an und warfen Fensterscheiben ein. Die Polizei setzte Tränengas ein. Der Fernsehsender BFM-TV sprach von mindestens 500 Gewaltbereiten. Vereinzelt waren darunter auch Menschen in gelben Warnwesten zu sehen. In Paris wurden mehr als 70 Gewaltbereite vorübergehend von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Auch in anderen französischen Städten wie Nantes, Bordeaux und Lyon kam es vereinzelt zu Zusammenstössen von Vermummten mit den Sicherheitskräften. Das Innenministerium hatte vor Krawallen von Anhängern des «Schwarzen Blocks» und «radikalen Gelbwesten» gewarnt. In Paris waren 6000 Polizisten im Einsatz.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Richi B. am 06.12.2019 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    Definiitiv keine Bücklinge und Abnicker diese Franzosen und Franzosinnen... im Gegensatz zu den Schweizern und Schweizerinnen.

    einklappen einklappen
  • Tim am 06.12.2019 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachen Schweiz!

    Und in der schweiz kommt es bald auch soweit, wenn die Millenium Kinder merken, wie ihre Renten geklaut wurden. Ich als Boomer finde es nämlich auch nicht lustig!

    einklappen einklappen
  • mlööööö am 06.12.2019 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    streik

    toll wie die franzosen streiken gehen, nicht so wie das jammervolk schweizer dessen sofahocker, wir sollten schleunigst streiken für die hohen kk und um eine gerechte mindenste ahv die zum leben reicht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefu am 09.12.2019 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild andere Länder

    äm ja dehalt. Mir heis ja guet. Diese Worte benüzen wir bünzlis gerne. Die Zeit wird kommen das auch wir uns wehren. Oder wollt Ihr täglich zur Arbeit gehen damit ihr 500.- Sackgeld bekommt? Und wen Ihr alt seit gibt's noch ein paar Fränkli das ihr nicht gerade verhungert. Aber uns geht's ja gut. Die Zeit wird kommen . . .

  • anne am 08.12.2019 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt jetzt?

    70 verschiedene Systeme? finde es wird wirklich Zeit ein einheitliches System zu haben, ist doch nicht gerecht wenn manche mit 56 und andere erst mit 65 in Rente gehen können. wird Zeit dass für alle die gleiche Rechte gelten und zwar bezahlbare.

  • Masibömi am 08.12.2019 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    DD oder RH

    Der heutige Bürger MUSS sich leider Gedanken über Ihre Rente für die Zukunft machen, da dies nicht mehr verschleierbar ist. Und damit meine ich es betrifft uns CH wir sollten nicht nach F blicken.

  • Luc am 08.12.2019 01:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich Reformen!

    Einen Macron hätte Frankreich schon gebraucht. Einer muss ja dieses Desasterland, inkl. seinen viel zu einflussreichen Gewerkschaften, ins 21. Jahrhundert bringen.

    • WACHT AUF am 08.12.2019 01:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Luc

      Genau, 35h-Woche und mit +/--56 Jahren in Rente zu gehen ist ein Witz!

    einklappen einklappen
  • Jaques am 08.12.2019 01:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wacht auf

    Lieber Pierre Die Regierung in F ist weder korrupt noch sonst etwas. Die "Gewerkschaften" begreifen einfach nicht, dass sich kein Land mehr leisten kann die Mitarbeiter mit +/- 55 Jahren in Rente zu schicken. Franzosen macht die Augen auf.