Elfenbeinküste

04. April 2011 20:07; Akt: 04.04.2011 21:09 Print

Franzosen feuern auf Gbagbo-Militär

Die Ouattara-Truppen haben ihren Grossangriff auf die Wirtschaftsmetropole Abidjan begonnen. Unterstützt werden sie von französischen Kampfhubschraubern. Die UNO hat zuvor hunderte Mitarbeiter evakuiert.

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Aus Sorge vor einer blutigen Entscheidungsschlacht im Machtkampf in der Elfenbeinküste haben die Vereinten Nationen hunderte Mitarbeiter in Sicherheit gebracht. Das UNO-Hauptquartier in der Wirtschaftsmetropole Abidjan sei evakuiert worden, teilte die UNO mit.

Französische Kampfhelikopter haben am Montagabend auf ein Lager von Truppen des bisherigen Staatschefs Laurent Gbagbo gefeuert. Die Helikopter griffen das Militärcamp Agban an. Auch Hubschrauber der UNO-Mission griffen ins Kampfgeschehen ein und attackierten den Präsidentenpalast und die Residenz Gbagbos. Blauhelmtruppen griffen zudem das Militärlager Akouédo an, das von Gbagbo-Getreuen gehalten wird.

Paris teilte mit, dass sie ihren Soldaten den Auftrag erteilt habe, an der Seite der UNO-Truppe ONUCI einzugreifen und schwere Waffen der Einheiten Gbagbos zu zerstören. UNO- Generalsekretär Ban Ki-Moon habe Frankreich um den Einsatz zum Schutz der Zivilbevölkerung ersucht, hiess es aus Sarkozys Büro.

Menschliche Schutzschilde

Truppen des international anerkannten ivorischen Präsidenten Alassane Ouattara haben zuvor einen Grossangriff auf die Wirtschaftsmetropole Abidjan begonnen. Seit dem Nachmittag stiessen sie in die Stadt vor, in der sich der abgewählte Machthaber Laurent Gbagbo verschanzt hat, sagte ein Sprecher der Regierung Ouattaras, Alain Lobognon. Die EU rief beide Parteien zum Schutz der Zivilbevölkerung auf.

Bewohner zweier Bezirke im Norden Abidjans berichteten von Lastwagen mit Soldaten, die in die Stadt eingedrungen seien. Auch ein Offizier der Ouattara-Truppen sagte, er habe den Befehl zum Angriff erhalten.

Gbagbo hatte seine Anhänger bereits am Sonntag zu den Waffen gerufen. Zahlreiche Unterstützer versammelten sich vor seinem Wohnsitz und bildeten einen menschlichen Schutzschild.

EU warnt vor dramatischer humanitärer Krise

Die EU hatte vor Beginn der Offensive einen eindringlichen Appell an die Bürgerkriegsparteien gesandt. In Abidjan und im ganzen Land steige die Gewalt und gebe es immer mehr Todesopfer, mehr als eine Millionen Menschen seien auf der Flucht, erklärte EU-Krisenreaktionskommissarin Kristalina Georgieva am Montag. «Ich bin alarmiert über Berichte von Menschenjagden und von ethnischen Morden.»

«Im Namen der Menschen, im Namen der Humanität, schützen Sie die Zivilbevölkerung und bewahren Sie die Elfenbeinküste vor einem weiteren Versinken im Bürgerkrieg», appellierte Georgieva an Gbagbo und Ouatarra. Sie warnte vor einem Übergreifen des Dramas auf die Nachbarländer, insbesondere Liberia. «Mehr als 120.000 Menschen flüchten sich in Gebiete, die selbst schon am Rande einer humanitären Krise stehen.»

Welthungerhilfe bittet um Spenden

Die Welthungerhilfe bittet um Spenden für die Unterstützung der ivorischen Flüchtlinge und hat aus bereits bestehenden Projekten finanzielle Hilfe in Höhe von 250.000 Euro bereitgestellt. In Liberia sind der Welthungerhilfe zufolge bisher mehr als 130.000 ivorische Flüchtlinge angekommen, die meisten Frauen, Kinder und ältere Menschen. Die Mehrzahl von ihnen habe Unterschlupf bei Verwandten gefunden, die als Kleinbauern selbst um das tägliche Überleben kämpfen.

Die Vereinten Nationen wiesen ihre Mitarbeiter am Montag an, das Hauptquartier nicht zu verlassen. Seit Beginn der Offensive der Ouattara-Anhänger in Abidjan am vergangenen Donnerstag desertierten nach Angaben eines ranghohen UN-Diplomaten rund 50 000 Angehörige der Sicherheitskräfte.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte Gbagbo erneut zum Rücktritt auf. «Es gab schon zu viel Blutvergiessen», sagte Ban. «Ich rufe Gbagbo auf, zurückzutreten, um weitere Gewalt zu vermeiden, und die Macht sofort an Präsident Ouattara zu übergeben.»

Gbagbo hatte die Präsidentschaftswahl im vergangenen November an Ouattara verloren, sich aber bisher mit Gewalt im Amt gehalten. Ouattaras Truppen hatten schliesslich in der vergangenen Woche eine Offensive gestartet, bei der sie mehrere Städte einnahmen, bevor sie nach Abidjan vorrückten.

(sda/ap)