Jake (16) war ein Fake

10. Januar 2020 19:14; Akt: 11.01.2020 01:34 Print

Frau gibt sich als Bub aus und missbraucht Mädchen

Die Britin Gemma Watts (21) hat über Monate junge Mädchen im Internet verführt und dann sexuell missbraucht. Die Opfer meinten aber, sie heisse Jake und sei 16 Jahre alt.

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Ein Gericht im englischen Winchester hat am Freitag die 21-jährige Gemma Watts zu acht Jahren Haft verurteilt. Die Frau aus der Ortschaft Enfield nördlich von London hatte sich als einen 16-jährigen Jugendlichen namens Jake Waton ausgegeben und monatelang zahlreiche Mädchen sexuell missbraucht.

Watts hatte mehrere Social-Media-Accounts kreiert, in denen sie sich als Jakee oder Jake Matthew Waton ausgab. Für das Profilbild hatte die 21-Jährige ihre langen Haare zusammengebunden, trug eine Kappe, Kapuzenpulli und Männerhosen. Sie schrieb junge Frauen zwischen 13 und 17 Jahren an, tauschte mit ihnen intime Fotos aus. Sie telefonierte auch oft mit ihren Opfern. Dann reiste sie zu ihnen nach Hause oder forderte die Mädchen auf, sie zu besuchen, wie BBC berichtet. Bei den persönlichen Treffen fiel sie über die Mädchen her.

Arzt gab den ersten Hinweis

Laut Anklage soll Watts ihre Opfer verführt und sexuell missbraucht haben. In den meisten Fällen sei es beim Übergriff zur Penetration gekommen. Erst ein Gespräch eines 14-jährigen Mädchens mit seinem Arzt liess den Missbrauch auffliegen.

Das Mädchen gab bei der Konsultation im März 2018 an, eine Affäre mit einem älteren Jungen zu haben. Der Arzt wurde misstrauisch und kontaktierte die Sozialbehörde. Dort nahm man sich des Falls an und erkundete sich nach Jake Waton. Dabei kam ans Licht, dass die Person hinter den Fake-Accounts eigentlich Gemma Watts war.

Sogar die Eltern dachten, Watts sei ein junger Mann

Im Mai 2018 wurde Watts erstmals von den Behörden befragt. Sie leugnete, Jake Waton zu sein. Doch die Mutter des 14-jährigen Mädchens meldete sich erneut bei der Polizei und erklärte, «Jake» habe eine neue Freundin. Zwei Monate später wurde Gemma Watts festgenommen, nachdem ihr viertes Opfer von Zuhause ausgerissen war, um ihren angeblichen Freund zu treffen. Die Eltern der 15-Jährigen hatten eine Vermisstenmeldung aufgegeben. Watts und das Mädchen wurden von der Transportbehörde West Midlands aufgefangen.

Nachdem der Fall erstmals publik gemacht wurde, meldeten sich weitere Opfer aus Hampshire und Surrey bei der Polizei. Beim Prozess gab eines der Opfer an, ihr Herz sei «explodiert», als sie erfuhr, dass hinter ihrem Freund eigentlich eine erwachsene Frau steckte. «Meine Welt blieb in dem Moment stehen. Ich konnte nicht mehr atmen. Ich liebte ihn so sehr», so das Opfer.

Opfer waren leichte Beute

Ein anderes Opfer sagte aus, es habe Jake völlig vertraut. «Die Polizei kam eines Tages und erklärte mir, dass alles eine Lüge war.» Die Eltern eines weiteren Mädchens gaben vor Gericht an, selber betrogen worden zu sein. Watts habe sogar einige Tage bei ihnen gewohnt und sie hätten nie gemerkt, dass sie eine Frau ist.

Die Polizei vermutet, dass es landesweit zwischen 20 und 50 Opfern gibt. Watts sei «geschickt darin, Menschen zu manipulieren», sagte Staatsanwalt Barnaby Shaw beim Prozess.

Auch Richterin Susan Evans sah das so: «Sie haben sich bewusst dafür entschieden, eine falsche Identität anzunehmen, um Ihre eigene Bedürfnisse zu befriedigen und sexuelle Aktivitäten mit jungen Frauen aufzunehmen. Ihre Opfer waren aufgrund des Alters leichte Beute. Keiner dieser Mädchen hätte einer sexuellen Beziehung mit Ihnen zugestimmt, wenn sie Ihre wahre Identität gekannt hätten», sagte die Richterin zu Watts.

Auf Anordnung des Gerichts wurde die 21-Jährige für den Rest ihres Lebens in das Register der verurteilten Sexualstraftäter aufgenommen. Zudem wird sie nie mit Kindern arbeiten dürfen.

(kle)