Lockerbie-Untersuchung

20. Juli 2010 21:36; Akt: 20.07.2010 22:17 Print

Freilassung war ein «schlechter Entscheid»

Der Streit um die Freilassung des Lockerbie- Attentäters hat den ersten offiziellen Besuch des britischen Premiers David Cameron im Weissen Haus überschattet.

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David Cameron und Barack Obama bei ihren Treffen in Washington. (Bild: Keystone)

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US-Präsident Barack Obama begrüsste die Ankündigung: Es seien alle Informationen willkommen, «die uns einen Einblick und mehr Verständnis dafür geben, warum die Entscheidung getroffen wurde.»

Mit Blick auf eine entsprechende Anhörung im US-Kongress Ende des Monats sagte Cameron am Dienstag nach seinem Treffen Obama, er wolle eine «angemessene Zusammenarbeit» sicherstellen.

US-Senatoren werfen dem britischen Ölkonzern BP vor, die Freilassung Abdel Basset al-Megrahis vorangetrieben zu haben, um ein Millionengeschäft mit Libyen abzuschliessen.

Cameron sagte dazu, er habe keine Beweise gesehen, die eine Einflussnahme durch den Ölmulti belegten. Der britische Premier wies die von US-Aussenministerin Hillary Clinton erhobene Forderung zurück, eine eigene Londoner Untersuchung der Vorwürfe einzuleiten.

Cameron: «Schlechter Entscheid»

Er brauche keine Untersuchung, um festzustellen, dass die Freilassung ein «schlechter Entscheid» gewesen sei. Cameron kündigte aber eine weitere Prüfung aller Dokumente zu dem Fall an.

Er habe dem Kabinettsminister Gus O'Donnell beauftragt, «noch einmal über alle Papiere zu schauen, die mit dem Fall zusammenhängen, um zu sehen, ob es weitere Informationen gibt, die veröffentlicht werden können», sagte er in einem Interview.

Der Premier rief dazu auf, die Ölpest von der Freilassung des Lockerbie-Attentäters zu trennen. Er könne die Verärgerung in den USA über die von BP verursachte Umweltkatastrophe verstehen. Angesichts der Arbeitsplätze sei es aber im Interesse der USA und Grossbritanniens, dass BP ein «starkes Unternehmen» bleibe.

Al-Megrahis Zustand stabil

Bei dem Flugzeug-Attentat nahe der schottischen Stadt Lockerbie 1988 waren 270 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 189 US- Bürger. Als Grund für die Freilassung des Libyers führte die britische Regierung von Gordon Brown die angeblich sehr weit fortgeschrittene Krebserkrankung des Attentäters an.

Den Entscheid für die Freilassung Al-Megrahis im August 2009 hatte die Regierung Schottlands getroffen. Aus Libyen hört man inzwischen, der Lockerbie-Attentäter sei schon vor längerer Zeit aus dem Spital entlassen worden. Er sei noch in ärztlicher Behandlung. Sein Zustand sei jedoch stabil.

Premier trifft Senatoren

US-Aussenministerin Clinton hatte die Briten aufgefordert, die Umstände der Freilassung zu untersuchen. «Wir ermutigen die schottischen und britischen Behörden, die Fakten noch einmal zu prüfen und die neuen Informationen einzubeziehen, die seit der Entlassung ans Licht gekommen sind», schrieb sie an die Senatoren.

Nach einigem Hin und Her stimmte der britische Premierminister am Dienstag kurzfristig einem Treffen mit Senatoren zu. Zunächst hatte Cameron erklären lassen, er habe zu viele Termine.

(sda)