Impfstoff-Suche

21. August 2016 11:03; Akt: 21.08.2016 11:03 Print

Freiwillige sollen sich mit Zika-Virus infizieren lassen

von Lauran Neergaard, AP - Eine US-Studie soll die Entwicklung eines Zika-Impfstoffs voranbringen. Die Forscher suchen Freiwillige, die sich mit dem Virus infizieren lassen.

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US-Forscher wollen gesunde Probanden mit dem Zika-Virus infizieren, um einen Impfstoff zu entwickeln. Ab Dezember 2016 sollen Freiwilligen in Baltimore unterschiedliche Mengen künstlich hergestellter Erreger verabreicht werden. Eine Injektion ist schneller und sicherer, als auf den Stich einer Mücke zu warten, die das Virus überträgt. Zunächst müssen die Wissenschaftler herausfinden, welche Dosis überhaupt eine Zika-Infektion auslöst - nur dann können sie sicher sein, dass der Test des Impfstoffs auch den realen Bedingungen entspricht. Mit allen Mitteln gegen das Virus: Ein Kammerjäger bekämpft Mücken in der Nähe einer Schule in Wynwood, Miami, weil sich auch da das Zika-Virus ausbreitet. (1. August 2016) Das Zika-Virus ist besonders für Schwangere und Babys gefährlich: Eine Ärztin untersucht ein mit Mikrozephalie geborenes Kind in der brasilianischen Stadt Campina Grande. (12. Februar 2016) Moskitoplage: Die Stechmückenart Aedes aegypti ist Überträgerin des Zika-Virus. (Archivbild) Vater Alipio Martin hält seine kleine Tochter Ana Beatriz, die mit einer durch das Zika-Virus verursachten Mikrozephalie geboren wurde. Bedrohlich: Die Zika-Epidemie hat sich schon in über 30 Nationen verbreitet. Zika-Mücke als Street-Art: Eine Skulptur des Künstlers Andre Farkas in São Paulo. (27. Mai 2016) Zika-Virus auch im Speichel entdeckt: Ein Mitarbeiter des brasilianischen Gesundheitsministeriums findet Larven eines Moskitos. Sie übertragen das Virus: ein Moskito in San Salvador. (3. Februar 2016) Auch Venezuela ist vom Virus bedroht: Ein Gesundheitsarbeiter versprüht ein Desinfektionsmittel in den Strassen von Caracas. (28. Januar 2016) Baby mit Mikrozephalie. Kleine Stiche, grosse Wirkung: Die Gelbfiebermücke verursacht eine rasante Ausbreitung des Zika-Virus.

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Gesucht: Freiwillige zwecks Infektion mit dem Zika-Virus. So oder ähnlich könnte die Anzeige lauten, die Forscher in den USA womöglich noch in diesem Jahr aufgeben. Die Studie soll die Entwicklung eines Impfstoffs beschleunigen.

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Mit der Zika-Epidemie in Brasilien begann vor weniger als einem Jahr die Suche nach einem Impfstoff gegen die Infektionskrankheit. Ergänzend zu den klassischen Studien hoffen US-Forscher nun, einen seltenen, da schwierigen und teuren Weg beschreiten zu dürfen: Gesunde, nicht schwangere Probanden lassen sich im Dienste der Wissenschaft Erreger injizieren, während die Ärzte untersuchen, wie der Körper darauf reagiert.

Wie viele Erreger sind nötig?

«Die Protokolle sind nicht nur ein wichtiger Schritt in der Impfstoff-Entwicklung, sondern wir erfahren durch sie auch mehr über Zika», sagt Anna Durbin von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore. «Wir können Dinge untersuchen, die wir nicht untersuchen könnten, wenn sich jemand auf natürlichem Wege angesteckt hat.»

Die erste grundlegende Frage, vor der die Wissenschaftler stehen, lautet: Wie viele Viren braucht man eigentlich, um einen Menschen mit Zika zu infizieren? Wenn die zuständige Behörde ihre Genehmigung erteilt, sollen den Freiwilligen ab Dezember in einem Spital in Baltimore unterschiedliche Mengen künstlich hergestellter Erreger verabreicht werden. Die gewonnenen Informationen helfen den Wissenschaftlern später bei der Erprobung eines Impfstoffes.

«Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit, um den besten Impfstoff zu finden», sagt Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIH). Im Moment befinden sich mehrere Kandidaten in der Pipeline, allen voran zwei sogenannte DNA-Impfstoffe, die den Körper aktivieren sollen, Antigene zu bilden, um die Immunabwehr anzuregen.

Sex nur mit Kondom

Um zu erforschen, ob ein Impfstoff tatsächlich wirkt, müssen die Erreger in den Körper geimpfter Probanden gelangen. Eine Injektion ist dabei schneller und sicherer als auf den Stich einer Mücke zu warten, die das Virus überträgt. Doch zunächst müssen Durbin und ihre Kollegen herausfinden, welche Dosis überhaupt eine Zika-Infektion auslöst – nur dann können sie sicher sein, dass der Test des Impfstoffs auch den realen Bedingungen entspricht.

Genau an dieser Stelle setzt die für Dezember geplante Studie an. Die Freiwilligen bleiben nach der Zika-Injektion zwölf Tage im Krankenhaus. Ausserdem verpflichten sie sich, danach noch eine bestimmte Zeit lang beim Geschlechtsverkehr Kondome zu benutzen, um eine Übertragung der Krankheit auf Sexualpartner auszuschliessen. Die begleitenden Untersuchungen sollen Aufschluss darüber geben, auf welche Weise und wie lange das Zika-Virus im Körper wirkt und wie die Immunabwehr reagiert.

Forscher warten auf grünes Licht

In der zweiten Phase der Studie geht es dann um die Wirksamkeit einer Impfung. Bei den Probanden handelt es sich um Personen, die sechs Monate zuvor den zu testenden Impfstoff erhalten hatten. Eine kontrollierte Infektion soll zeigen, ob ihr Körper sich erfolgreich gegen den Erreger zur Wehr setzen kann.

Durbin hat erst kürzlich eine ähnliche Studie für einen Impfstoff gegen das Dengue-Fieber durchgeführt. Sie ist zuversichtlich, genügend Freiwillige für die Zika-Studie zu finden. Doch zunächst muss sie noch darauf warten, dass die Aufsichtsbehörde grünes Licht gibt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Decsis am 21.08.2016 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wissen

    Zum Glück wissen wir nicht, wie oft wir schon unbemerkt Versuchskaninchen der Medizinindustrie wurden....Dagegen ist Zika wohl noch harmlos.

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  • Travis am 21.08.2016 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso

    Sollen sie es sich doch selber injizieren oder bei Personen in ihrem Umfeld

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  • Werner Scholl am 21.08.2016 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Na toll

    Den Erreger noch mehr verteilen. Super Idee. Wetten in einem Jahr wird es zum echten Problem und nicht nur medial hochgepaukt. Es gibt Gruppen, die sind froh darüber wenn Epidemien wüten und der Bestand der Menschheit vermindert wird, genauso froh sind diese Gruppen über Kriege. Ach und: Biologische Kriege gibt's im Übrigen auch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcus72ch am 22.08.2016 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    I AM Legend.....

    Hat irgendwie was von I am Legend, künstlich hergestellter Virus wird Probanden verabreicht und dann stellt sich plötzlich heraus das der künstliche Virus viel schlimmer als der natürliche ist und eine üble Pandemie auslöst....Naja irgendwie muss man Impfstoffe ja am Menschen testen, aber warum nicht die natürliche sondern ne Laborvariante??

  • Der Zweifler am 22.08.2016 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die Freiwilligen ...

    ... welche sich ernsthaft damit beschäftigen, sollten sich aber vorab mit Hirn infizieren lassen. Frühere Forscher haben eine Selbstversuch unternommen, wieso machen die das heute nicht mehr?

  • Bartli am 21.08.2016 19:38 Report Diesen Beitrag melden

    Frage und Vorschlag

    Warum infizieren sich nicht Forscher unter sich? Das sollte dringen gesetzlich bestimmt werden.

  • Chemical Brothers am 21.08.2016 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Segen für die Pharmaindustrie

    Pharmaindustrie reibt sich die Hände. Mehr gibt es dazu nichts zu sagen!

  • fastreader am 21.08.2016 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also bitte

    Ein bisschen Vertrauen in die Wissenschaft wäre doch schön... Zika ist nicht tödlich, nur sehr gefährlich für schwangere Frauen. Zudem ist es meistens nicht sehr hilfreich, einen Impfstoff für Menschen an Tieren zu testen. 10 Leute, die ein oder zwei Wochen krank werden könnten Millionen zukünftige Infektionen verhindern.

    • RL am 21.08.2016 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @fastreader

      Dann melde dich doch und stelle dich selber zur Verfügung. Ansonsten sind das nur leere Worte

    • Monika am 22.08.2016 00:21 Report Diesen Beitrag melden

      @fastreader

      Wissen Sie schon oder glauben Sie noch? Wissen Sie, auf welchen Grundlagen die ImpfTHEORIE eigentlich beruht? Auch die InfektionsTHEORIE. Offiziell heisst es immer noch so. Warum? ... Ich kann ein Vortrag empfehlen zu diesem Thema von Anita Petek-Dimmer "Impfungen: Sinn oder Unsinn?" Egal welche Meinung Sie haben, einfach einmal alle Vorurteile weglassen und nautral zuhören. Geht aber nur mit der Einstellung, dass Dinge sein können, die nicht sein dürfen. ;-)

    • Bill am 22.08.2016 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Monika

      Ihnen gehen auch nie die Spitznamen aus, was? Die letzten beiden Sätze bringen wieder einmal deutlich die Überheblichkeit der Wissenschaftsfeinde auf den Punkt: Nicht einmal wissen was "Theorie" bedeutet, aber sich selbst für einen kritischen Denker oberster Güte halten, der dinge zu hinterfragen wagt, die sonst niemand anzweifelt. Übrigens: Der Begriff "Infektionstheorie" scheint ein Neologismus aus Schwurblerkreisen zu sein, um eben jenes (peinlich fehlerhafte) Argument überhaupt erst möglich zu machen.

    • Monika am 22.08.2016 21:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Bill

      Wie bitte? Sind Sie paranoid? ... Aber Sie haben sich bestimmt schon zur Verfügung gestellt als "Versuchskanninchen für die Menschheit". Ist doch ein Klacks, wenn ich Ihre Meinung zum Thema und die persönlichen Unterstellungen so durchlese. Na Sie haben es ja nötig - mannmannmann

    • fastreader am 22.08.2016 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Monika

      Erst mal scheinen Sie den Begriff "Theorie" nicht verstanden zu haben. Nur weil es eine Theorie ist, heisst das nicht, dass es nicht hieb und stichfeste Beweise dafür gibt. Zweitens sind es gerade Leute wie Sie, die mit ihrer Anti-Impfungs-Propaganda all ihre Mitmenschen gefährden. Das nennt man Gruppen-Immunität. Je mehr Leute ihnen glauben und ihre Kinder nicht mehr impfen lassen, umso höher wird das Infektionsrisiko für uns alle - nicht nur für die Ungeimpften. Wenn wir aufhören solche Krankheiten zu bekämpfen fallen wir ins Mittelalter zurück und sterben alle mit 30 an Lungenentzündungen.

    • Monika am 22.08.2016 22:11 Report Diesen Beitrag melden

      @fastreader

      "Nur weil es eine Theorie ist,heisst das nicht,dass es nicht hieb und stichfeste Beweise dafür gibt." Den Schmarrn glauben Sie ja selbst nicht.Ich habe da offensichtlich ganz andere Lösungsbücher als Sie.Aber bitte,jeder soll das glauben was er möchte!Jeder kann sich im Netz"fit"machen,wenn er etwas Zeit investieren möchte.Tip1:Anita Petek-Dimmer,Tip2:Die 5 Biologischen Naturgesetze-diese geben einen etwas anderen Einblick in jene Dinge,die"wir"eben einfach GLAUBEN sollen-und immer mehr chronisch kranke Menschen.Kann doch was nicht stimmen oder?Also selbst aktiv werden,solange man gesund ist!

    • fastreader am 22.08.2016 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Monika

      In Ordnung. Ich habe mir den Vortrag ihrer Heldin angesehen. Ihre Behauptungen und Theorien sind teilweise schlichtwegs falsch, schlecht recherchiert oder sie hat Zusammenhänge zwischen Dingen gezogen, wo es keine gibt. Fast nichts ist wissenschaftlich belegt oder durch Quellen abgesichert. Sie ist gestorben, weil sie bis zum Ende medizinische Behandlung verweigerte. Bitte verstehen Sie, wenn ich meine Gesundheit nicht den absurde Gedanken dieser Frau anvertraue.

    • Monika am 22.08.2016 22:40 Report Diesen Beitrag melden

      @fastreader

      Nun, ehrlich gesagt ich bezweifle dass Sie sich den Vortrag ganz angesehen haben aber easy - jedem seine Meinung und ich bitte Sie zu akzeptieren, dass andere Menschen auch andere Meinungen haben und dass es auch Menschen gibt, die es einfach WISSEN möchten, nicht einfach weil es "Die allgmeine Lehrmeinung" vorgibt - Menschen sind keine Roboter und jeder Mensch hat seine individuelle Wahrnehmung , die auch sein ganzes Leben steuert. Sie haben ihre Sichtweise und ich meine :-) Gute Nacht fastreader

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