Hongkong

09. September 2019 05:22; Akt: 09.09.2019 14:51 Print

China duldet keine Abspaltungsversuche

Am Sonntag ist es in der chinesischen Sonderverwaltungszone wieder zu Protesten mit Ausschreitungen gekommen.

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Seit drei Monaten wird in Hongkong protestiert: Die Polizei ging mit Tränengas gegen Demonstranten vor. (8. September 2019) Am Sonntag, 8. September, wurde erneut protestiert. Und wieder kippte am Schluss die Stimmung. Es wurden unter anderem Barrikaden in Brand gesetzt. Joshua Wong wandte sich an Angela Merkel: «Frau Bundeskanzlerin Merkel, Sie sind in der DDR aufgewachsen. Sie haben Erfahrungen aus erster Hand über den Schrecken einer diktatorischen Regierung gemacht». Der Aktivist wurde auf dem Weg nach Deutschland in Hongkong festgenommen. (3. September 2019) Nach den schweren Zusammenstössen bei Massenprotesten in Hongkong haben sich wieder hunderte Demonstranten zu Protestaktionen am Flughafen der chinesischen Sonderverwaltungszone versammelt. (1. September 2019) Schwarzgekleidete Aktivisten, die sich mit Regenschirmen gegen Überwachungskameras abschirmten, errichteten Barrikaden am Busbahnhof des Flughafens und versuchten die grösste Zufahrtsstrasse zum Terminal zu blockieren. Im Flugverkehr gab es zunächst keine Einschränkungen. In den Terminals waren Polizisten im Einsatz In Hongkong haben Demonstranten am Samstag, 31. August 2019, versucht, das Parlament zu stürmen. Vor dem Parlamentsgebäude versuchten die Demonstrationsteilnehmer, Polizeisperren zu durchbrechen. Trotz eines Verbots waren erneut zehntausende Menschen auf die Strasse gegangen, um mehr Demokratie zu fordern. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen Demonstranten ein. Mit Schweizer Ausrüstung? Ein Hongkonger Polizist verhaftet einen Demonstranten. (24. August 2019) Tausende Demonstranten versammelten sich am Sonntag, 18 August, im Victoria Park. Tausende chinesische Truppen haben am Donnerstag an einer Übung in einem Sportstadion in der Stadt Shenzhen an der Grenze zu Hongkong teilgenommen. Auch gepanzerte Fahrzeuge und Truppentransporter fuhren ins Shenzhen-Bay-Stadion in der südchinesischen Metropole, viele weitere standen davor. Das Satellitenbild zeigt Dutzende Armeefahrzeuge im Fussballstadion von Shenzen. Gemäss chinesischen Medien sind die Truppenfahrzeuge an der Grenze zu Hongkong einzig für eine «grosse militärische Übung» dort. US-Geheimdienste haben US-Präsident Trump über den Truppenaufmarsch in Shenzen informiert. Auf Twitter schrieb Trump: «Ich hoffe, dass niemand getötet wird». Die Proteste am Flughafen Hongkong waren teilweise heftig. Dieser verletzte Mann wurde von den Demonstranten als Polizei-Spitzel verdächtigt. Erst nach dem Einsatz von Tränengas konnten Sanitäter den Verletzten bergen. Sicherheitskräfte gingen zum Teil massiv gegen Demonstranten vor. Doch auch diese setzen Gewalt ein. Polizisten verhaften einen Demonstranten bei den Protesten, die den Flughafen Hongkong am zweiten Tag in Folge lahm legten. Einzelne Demonstranten wurde am Flughafen verhaftet. Tausende Demonstranten blockierten die Abflughalle des Flughafens Hongkong. Am Mittwochmorgen harrten nur noch eine Handvoll Demonstranten auf dem Grossflughafen aus Schon am 6. August zeigten sich chinesische Polizisten bei einer grossen Übung in Shenzen.

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Nach einem erneut gewaltsamen Protest-Wochenende in Hongkong warnt China die Demonstranten eindringlich vor weiteren Eskalationen. Die ehemalige britische Kronkolonie sei ein untrennbarer Teil der Volksrepublik, schrieben staatliche chinesische Medien am Montag. Jede Art von Abspaltungsversuchen würden «zerquetscht». Die Demonstranten sollten aufhören, die Geduld der Zentralregierung auf die Probe zu stellen, hiess es in der «China Daily».

Die Kundgebung am Sonntag beweise, dass ausländische Kräfte hinter den Protesten steckten. Tausende Demonstranten hatten Präsident Donald Trump vor dem US-Konsulat in der chinesischen Sonderverwaltungszone dazu aufgerufen, Hongkong «zu befreien».

Aktivist Wong vor Gericht

Ungeachtet der Warnung demonstrierten Hunderte Schüler am Montag Solidarität mit der Protestbewegung. In mehreren Stadtteilen bildeten sie Menschenketten. Die Regierungsgegner fordern unter anderem die Freilassung aller festgenommenen Demonstranten.

Für internationale Aufmerksamkeit sorgt der Fall des Aktivisten Joshua Wong, einem der bekanntesten Bürgerrechtler. Er war nach eigenen Angaben am Wochenende am Flughafen festgenommen worden. Wong sollte noch am Montag vor Gericht erscheinen. Ihm würden der Verstoss gegen Kautionsauflagen vorgeworfen, schrieb er auf Twitter. Dort hiess es auch, dass er in Deutschland zur Teilnahme an einer Veranstaltung erwartet wurde.

Mit den Protesten wehren sich Millionen Hongkonger seit drei Monaten gegen eine Beschneidung ihrer im Vergleich zu Festlandchina grösseren bürgerlichen Freiheiten. Dabei gab es wiederholt gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten sowie mehr als 1100 Festnahmen.

(roy/reuters/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 09.09.2019 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das kommt nicht gut

    Das wird leider ein böses Ende mit vielen Toten nehmen. Danach gibts einen internationalen Aufschrei und nach ein paar Wochen kümmerts keinen mehr. China ist halt zu wichtig.

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  • Josef am 09.09.2019 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    China lächelt und schlägt zu.

    Die chinesische Führung lässt einmal mehr keine Zweifel offen. Entweder macht, was sie will oder sie wendet Gewalt an. Hongkong ist da nur ein kleiner Prüfstein. Es wird weiter gehen mit Taiwan und der Vorherrschaft im Westpazifik.

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  • Monika am 09.09.2019 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    welcher normale Erdenbürger will schon auf mehr Freiheit verzichten? dass hier demonstriert wird ist nachvollziehbar.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruedi O am 09.09.2019 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Episode

    Episode. Die Zeichen an der Wand lesen: Schon bald ist Europa nur noch Randerscheinung und Supermacht USA versinkt in Chaos und Bedeutungslosigkeit. Das neue Zentrum von Macht und Wohlstand liegt in Asien, vor allem China. Die grossen Zusammenhänge sehen. Die Chinesen sind flexibel, intelligent, fleissig, bescheiden, ausdauernd, alles Eigenschaften, die uns längst abhanden gekommen sind. Wir sind dagegen stark im Demonstrieren: Recht auf weiss ich was alles, z.B. Babypause für Männer, immer mehr Ferien, usw. Diese Rechnung geht nicht auf. Die Wirtschaft geht langsam den Bach runter.

  • Stanley am 09.09.2019 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Demonkratie nicht vergöttern

    Schau ihr bitte nach folgenden demokratischen Ländern wie Philipinnen, Argentien, Indien, Mexiko, Brasilien..... Dem Volk in diesen Ländern geht es nicht gut. Was das heisst, Demokratie ist nicht alles,

  • Sara am 09.09.2019 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Wenn jemand in der USA eine Bombe schmeisst und von einer Polizist getötet wurde, dann sprechen wir von Terroristen. Wenn man das gleiche tun in China, dann waren es die Pro-Demokraten.

  • Gruss aus Bern am 09.09.2019 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sagen wir es mal so:

    der kleine Kommunisten-Klüngel zu Peking, der seit geschlagenen 70 Jahren die chinesische, uigurische, tibetische etc. Bevölkerung nach allen Regeln der Diktatoren-"Kunst" in Unfreiheit hält und unterdrückt, hat eine Riesenangst davor, dass der Freiheitsfunke aus Hongkong auf China und das Tibet überspringen könnte, so dass das 75-Jahr-Jubiläum seiner Herrschaft nicht mehr feiern könnte. Also wird 'draufgehauen, bis der Funke erstickt ist, notfalls auch so, wie 1989 auf dem "Platz des himmlischen Friedens" in Peking. Diese elende Clique schreckt vor nichts zurück.

  • Tommy am 09.09.2019 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Armutszeugnis

    Seien es jetzt die Chinesen, Spanier, Serben oder sonst wer. Wenn man es nötig hat einem Territorium die Abspaltung mit Gewalt zu verbieten, ist das schlicht und einfach ein Armutszeugnis. Es zeigt, dass man offenbar kein attraktives Angebot bieten kann. Würde sich Genf oder das Tessin oder sonst wer von der Schweiz abspalten wollen, dürften die das meinetwegen gern. Aber da das ja nie jemand vorhat, erübrigen sich diese Diskussionen bei uns sowieso.