Ermittlungen in Bielefeld

27. Juni 2018 15:52; Akt: 27.06.2018 16:52 Print

Führte Gift auf Znünibrot zu 21 Todesfällen?

Auffällig viele Herz-und Krebstote in einer deutschen Firma machen die Ermittler stutzig. Ein Verdächtiger sitzt derweil in U-Haft.

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Der Fall des Mitarbeiters einer Firma im nordrhein-westfälischen Schloss Holte-Stukenbrock, der Pausenbrote mit giftigem Bleiacetat versetzt haben soll, könnte weit grössere Dimensionen annehmen als bislang vermutet. Eine Mordkommission überprüft nun 21 Todesfälle in der Firma, wie die Ermittler am Mittwoch in Bielefeld mitteilten.

Es handelt sich demnach um Fälle seit dem Jahr 2000, in denen Mitarbeiter vor Renteneintritt starben. Bei zwei weiteren Krankheitsfällen in der Firma aus den vergangenen Jahren ergab sich laut Staatsanwaltschaft und Polizei der Verdacht einer Schwermetallvergiftung.

Bei den nun zu prüfenden Todesfällen gab es aus Sicht der Ermittler eine auffallend hohe Zahl von Herzinfarkten und Krebserkrankungen. Solche Erkrankungen können nach Einschätzung von Sachverständigen durch eine Schwermetallvergiftung hervorgerufen werden.

Ausgrabungen von Leichen notwendig?

Neben der Befragung von Angehörigen und behandelnden Ärzten wollen die Ermittler nun die jeweiligen Krankenakten zur Aufklärung heranziehen. Je nach Ergebnis dieser Nachforschungen soll in Absprache mit Rechtsmedizinern und der Staatsanwaltschaft auch geprüft werden, ob Exhumierungen, also die Ausgrabung eines bereits bestatteten Leichnams, notwendig sind.

Der 56-jährige Tatverdächtige schweigt den Angaben zufolge weiter zu den Vorwürfen. Das Motiv bleibt damit zunächst weiter unklar. Der Mann war im Mai unter dem Verdacht festgenommen worden, Gift auf das Pausenbrot eines Kollegen aufgebracht haben. Der Betroffene bemerkte eine pulvrige Substanz auf dem Sandwich, kurz bevor er dieses verzehren wollte. Er informierte die Firmenleitung, die die Polizei einschaltete.

Daraufhin wurden Aufnahmen einer Überwachungskamera aus dem Pausenraum gesichtet. Und tatsächlich zeigten diese den Verdächtigen, wie er die Brotdose des Kollegen öffnete und eine Substanz auf das Pausenbrot streute. Laut einem vorläufigen Gutachten des Düsseldorfer Landeskriminalamts handelte es sich dabei um toxisches Bleiacetat in einer Menge, die schwere Organschäden verursachen kann.

Verdächtiger sitzt in U-Haft

Zudem ergaben im Wohnhaus des Beschuldigten entdeckte Stoffen Anhaltspunkte dafür, dass sich der Mann schon seit längerem an der Herstellung giftiger Substanzen versuchte. So fanden die Beamten bei den Durchsuchungen unter anderem Quecksilber, Blei und Cadmium. Der 56-Jährige sitzt wegen Verdachts des versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

Für ihre nun deutlich ausgeweiteten Ermittlungen erhielt die Mordkommission der Polizei personelle Unterstützung unter anderem aus Gütersloh und Paderborn.

(kaf/afp)