Lampedusa-Einwohner

09. Oktober 2013 10:51; Akt: 10.10.2013 09:26 Print

Für sie sind Barroso und Letta «Mörder»

Enrico Letta und Jose Manuel Barroso wurden mit Buh-Rufen in Lampedusa empfangen. Dennoch sprachen sie Italien 30 Millionen Euro Hilfsgelder zu. Die Opfer bekommen ein Staatsbegräbnis.

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Mit Buhrufen sind EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Italiens Regierungschef Enrico Letta am Mittwoch auf der Mittelmeerinsel Lampedusa empfangen worden. Menschenrechtler und Einwohner riefen «Schande!» und «Mörder!». Ebenfalls hielten sie Fotos von Opfern der Tragödie hoch.

Barroso und Letta, die von EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström und dem italienischen Innenminister Angelino Alfano begleitet wurden, machten sich nach der Ankunft auf den Weg zum Hafen. Sie wollten sich ein persönliches Bild von der Lage vor Ort machen und der Opfer der Tragödie gedenken. Dabei sprach Barroso Italien Unterstützungen zu.

30 Millionen Euro Hilfsgelder

Italien erhält aus Brüssel 30 Millionen Euro zur Bewältigung des Flüchtlingsnotstands. Dies erklärte EU-Kommissionspräsident Barroso: «Das Problem eines EU-Mitgliedstaates wie Italien muss als Problem ganz Europas begriffen werden. Europa kann nicht wegschauen.»

Das Bild der unzähligen Särge im Hangar vor dem Flughafen Lampedusas werde er niemals vergessen, sagte Barroso. Er forderte gemeinsame Initiativen der EU-Staaten in der Flüchtlingspolitik. 2012 sind rund 332'000 Flüchtlinge in Europa eingetroffen, sie haben vor allem Deutschland, Frankreich, Schweden und Grossbritannien erreicht.

Der italienische Ministerpräsident Enrico Letta kündigte währenddessen für die Opfer ein Staatsbegräbnis an.

Das gab der italienische Ministerpräsident Enrico Letta am Mittwoch bei seinem Besuch auf der Mittelmeerinsel bekannt. Die Opfer hätten ein Recht auf ein solches Begräbnis, sagte er.

Keine Änderung geplant

Vor der Küste von Lampedusa war am Donnerstag ein Schiff mit etwa 500 afrikanischen Flüchtlingen gekentert, von denen bisher rund 270 tot geborgen wurden. Nur 155 Bootsinsassen konnten gerettet werden. Seitdem wird heftig über die europäische Flüchtlingspolitik diskutiert. Als erste Reaktion beschloss die EU die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, die Probleme in diesem Bereich untersuchen soll.

Eine grundlegende Änderung des EU-Flüchtlingssystems ist jedoch vorerst nicht geplant. Demnach ist dasjenige Land für die Aufnahme von Flüchtlingen und die Bearbeitung ihrer Asylanträge zuständig, in dem Ankömmlinge zuerst die Europäische Union erreichen. Länder wie Italien beklagen eine Überlastung durch die EU-Asylpolitik.
(Video: Reuters)

(dia/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 09.10.2013 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Strategie

    Entweder nehmen wir alle Afrikaner bei uns auf und Entvölkern damit ganz Afrika, während bei uns die totale Überbevölkerung die Lebensqualität drastisch senkt. Oder wir sorgen dafür das die Afrikaner ihre Länder aufbauen, von den Problemen flüchten löst keine Probleme. Es macht keinen Sinn hier die Menschen zusammen zu pferchen während in anderen Gebieten ganz Länder entvölkert werden.

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  • Peter Müller am 09.10.2013 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilige politische Diskussion

    Was immer vergessen oder bewusst ausgeblendet wird: die Flüchtlinge kommen auch bei einer Änderung der Asylpolitik weiterhin auf klapprigen afrikanischen Seelenverkäufern, und die Schlepperbanden, die Unsummen kassieren, werden weiterhin aktiv sein. Ausser, man holt die Flüchtlinge mit unseren Schiffen direkt in Afrika ab ... . Die jetzige Stimmungsmache ist sehr scheinheilig, denn es geht hier nicht um die wenigen echten Flüchtlinge, die es wohlgemerkt meist gar nicht bis zur Küste schaffen, sondern um Wirtschaftsflüchtlinge, die auf ein besseres Leben auf Kosten der reichen Europäer hoffen.

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  • G.Ott am 09.10.2013 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU nicht schuld

    Was soll die EU machen? 1 Milliarde Afrikaner aufnehmen??? Schuld sind alleine die Schlepper und Flüchtlinge selbst.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zelda am 09.10.2013 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wir müssen deren Land aufbauen

    Nur so werden die Leute gestoppt nach Europa zu flüchten. Übrigens sind diese Flüchtlinge Wirtschaftsflüchtlinge und somit nicht berechtigt hier zu bleiben. Sie werden nicht am Leib und Leben bedroht. Man muss jetzt rasch handeln und mit den Herkunftsländer diese Flüchtlinge zusammenarbeiten. ZB. Abkommen schliessen wie damals der Berlusconi mit Gaddafi gemacht hat. Man investiert eine gewisse Summe ins Land und die eigene Bevölkerung wird daran gehindert zu flüchten. Das sollte die Schweiz auch machen.

  • Souffleur am 09.10.2013 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Afrikaner selber schuld ?

    Die sind schon auf die richtigen sauer. Als ich Benin war war da das Kilo Gemüse des lokalen Bauern teurer als das was aus Spanien kam. Wieso? Weil die EU das subventioniert. Würden diese Subventionen wegfallen könnte ein Bauer vielleicht mit dem Gemüse das er anbaut und dem daraus resultierenden Gewinn leben. So aber sicher nicht. Genauso mit den Konflikten in ressourcenreichen Regionen. Wer profitiert denn da? Die Afrikaner? Wohl kaum. Eher die Leute die auch die Konflikte am laufen halten weil es halt einfacher ist bei instabiler Lage Leute zu korrumpieren als wenn Frieden ist.

  • werner kunz am 09.10.2013 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Wieso knüpft sich kein EU-Staat die "Regierungen" vor, aus denen diese kriminellen Schlepper stammen??

  • Kritiker am 09.10.2013 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Mörder

    Es ist schon eine sehr seltsame Logik die Regierenden von Ländern "Mörder" zu nennen die von einer ungewollten Invasion heimgesucht werden. Einer Invasion bei denen die Beteiligten das Wort Sicherheit gar nicht kennen. Die Bezeichnung Selbstmörder wäre angebrachter aber die Adresse ist dann eine andere. Vorwerfen kann man Italien dass sie ihre Grenzen nicht dichthalten und diese illegalen Grenzübertritte tolerieren. Würde keiner mehr durchkommen würde schnell keiner mehr sterben auf See. Tatsache ist dass harte Repression und Abschreckung hier Leben rettet und Kriminelle arbeitslos macht.

  • Kein Verständtnis am 09.10.2013 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wollt ihr denn eigentlich?!

    Man kann nicht die ganze welt nach europa holen, nur weil es uns hier besser geht! 1. hat europa nicht soviel platz 2. nicht soviel arbeit und 3. wenn es so weiter geht, geht es uns bald ALLEN wie diesen flüchtlingen!