BBC-Doku

27. Januar 2014 21:02; Akt: 28.01.2014 11:06 Print

Gaddafi hielt Kinder in Sex-Zimmern gefangen

Muammar Gaddafi hielt sich Frauen, Mädchen und Buben in Sex-Kerkern. Der Diktator misshandelte sie, vollgepumt mit Kokain und Viagra. Das ist das Thema einer neuen BBC-Doku.

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Der spätere libysche Diktator Muammar al-Gaddafi wurde im in oder nahe der Stadt Sirte geboren. Schon früh legte er einen ausgeprägten Machtinstinkt an den Tag. putschte der ehrgeizige junge Offizier mit einer Gruppe von Gesinnungsgenossen den libyschen König Idris I. vom Thron. Am Radio verkündete der 27-jährige Oberst am den unblutig verlaufenen Machtwechsel und rief die Arabische Republik Libyen aus. Gaddafi wurde Revolutionsführer und unumschränkter Herrscher über die junge libysche Republik. Gaddafi (l.) mit arabischen Führern: PLO-Chef Arafat, der sudanesische Präsident Numeiri, der ägyptische Präsident Nasser, der saudische König Faisal und der Scheich von Kuwait, Al Sabah (v.l.). Gaddafi hätte gern eine panarabische Union geschmiedet, doch seine Anstrengungen scheiterten. Auch der ägyptische Präsident Sadat (l.) und dessen syrischer Amtskollege Assad konnten nicht für das Vorhaben gewonnen werden. Im Westen verfolgte man die Entwicklung im ölreichen Libyen mit Interesse. schaffte es Gaddafi erstmals auf das Cover des amerikanischen Magazins «Time». Die Verstaatlichung von Banken und Ölindustrie entsprach sowohl den arabisch-nationalistischen wie auch den sozialistischen Elementen der «Grünen Revolution» Gaddafis. Bild: Der Revolutionsführer 1975 mit dem jugoslawischen Präsidenten, Marschall Tito. Aber die libysche Spielart der Revolution war auch islamisch inspiriert: Im ab 1973 publizierten «Grünen Buch» formulierte Gaddafi einen dritten Weg neben Kapitalismus und Kommunismus. gab Gaddafi sein Amt als Generalsekretärs des Allgemeinen Volkskongresses ab, blieb als Revolutionsführer aber de facto der allmächtige Herrscher über Libyen. Gaddafi war stets ein Feind Israels. Er liess jüdischen Besitz enteignen und verfügte, dass alle Schulden, die Nichtjuden bei Juden hätten, hinfällig seien. Nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung verliess Libyen trotz eines Ausreiseverbots. Neben anderen militanten Gruppen unterstützte Gaddafi auch die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO). Am besuchte er den bei einer Notlandung in der libyschen Wüste verletzten PLO-Führer Arafat an dessen Krankenbett. Der Diktator hat seine Macht mit den üblichen Mitteln gefestigt: Verbot der Opposition, repressive Polizei und Aufbau eines Personenkults. Genoss Gaddafi anfänglich im Westen noch Respekt wegen seiner anscheinend selbstlosen Lebensweise, wurde er mit seiner Unterstützung des Terrorismus ab Anfang der 1980er-Jahre bald zum Ausgestossenen. Der Bombenanschlag auf die bei Amerikanern beliebte Berliner Diskothek «La Belle» 1986 ... ... war einer der Gründe für die amerikanische Bombardierung libyscher Städte im April 1986. Rund hundert Menschen kamen dabei ums Leben, Gaddafi selber wurde verletzt. Auch die Residenz des Diktators wurde getroffen; in den Trümmern starb Hanna, die Adoptivtochter Gaddafis (nach anderen Quellen soll er das Kind erst postum adoptiert haben). Ein Mahnmal vor der Ruine erinnert an den Angriff. wurden bei einem Anschlag auf Pan-Am-Flug 103 über dem schottischen Lockerbie 270 Menschen getötet. Der Verdacht fiel schnell auf Mitarbeiter des libyschen Geheimdienstes. Das Land geriet international zunehmend in die Isolation. Nach dem Lockerbie-Anschlag verhängte die UNO erfolgreich Sanktionen gegen Libyen. 1999 schwörte Gaddafi dem Terrorismus ab und lieferte die beiden Verdächtigen aus. 2003 übernahm Libyen die volle Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag. Gaddafi zahlte hohe Abfindungen an die Hinterbliebenen. Offener Protest gegen das Regime war lange Zeit nur im Ausland möglich. Im Bild eine Demonstration in Paris anlässlich von Gaddafis Staatsbesuch im Als Gaddafi der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen abgeschworen hatte, war er auf dem diplomatischen Parkett kurzfristig wieder willkommen. Besonders mit dem italienischen Premier Silvio Berlusconi (r.) verband ihn eine tiefe Freundschaft. Allerdings gab es auch nach der internationalen «Rehabilitierung» immer wieder Misstöne, wenn der Wüstensohn im Westen zu Besuch war. Beispielsweise im Jahr in Frankreich, als Präsident Nicolas Sarkozy für seinen unkritischen Empfang des Diktators harsch kritisert wurde. Den Höhepunkt seiner Rehabilitierung erlebte der Revolutionsführer am G-8-Gipfel im im italienischen L'Aquila, als es zum Handschlag mit US-Präsident Barack Obama kam. Trotz der Normalisierung der Beziehungen blieb Gaddafi unberechenbar und stiess das Ausland immer wieder vor den Kopf. So auch im , als er nach der Verhaftung seines Sohns Hannibal in Genf die beiden Schweizer Max Göldi (r.) und Rachid Hamdani in Tripolis als Geiseln nahm. Die Geiselaffäre zog sich über zwei Jahre hin. Verschiedene diplomatische Initiativen der Schweiz, aber auch der EU blieben erfolglos, und Gaddafi liess Max Göldi erst frei, nachdem Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sich am persönlich bei ihm für die Behandlung Hannibals in Genf entschuldigt hatte. Rachid Hamdani konnte Libyen bereits fünf Monate zuvor verlassen. Im erreichte der Arabische Frühling Libyen: Wie in anderen Ländern der arabischen Welt gingen Demonstranten mit Forderungen nach politischen Reformen auf die Strasse. Gaddafi liess die Proteste brutal unterdrücken. Am verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat eine Resolution zur Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen. In der Folge unterstützten Nato-Jets die Rebellen mit Tausenden Luftangriffen auf die Gaddafi-Truppen. Mit dem Einmarsch der Rebellen in die Hauptstadt Tripolis schienen die Tage von Gaddafis Herrschaft über Libyen gezählt zu sein. Am gaben die Truppen des Nationalen Übergangsrats bekannt, dass sie Muammar Gaddafi gefasst und seine Geburtsstadt Sirte eingenommen haben. Die Bilder des getöteten Diktators gingen um die Welt.

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Er ist seit über zwei Jahren tot. Und doch kommen auch heute noch neue, grauenhafte Details zur Schreckensherrschaft des ehemaligen libyschen Machthabers ans Licht. Ein neuer Dokumentarfilm der BBC zeigt jetzt: Muammar Gaddafi vergewaltigte Frauen, minderjährige Mädchen und Buben. Sex war reine Machtdemonstration für ihn, ein Instrument der Dominanz selbst über Kinder.

So hielt der Diktator Reden an Schulen und Universitäten – und suchte den Raum dabei nach Kindern und jungen Frauen ab. Wen er aussuchte, dem tätschelte er auf den Kopf. Das war das Zeichen für seine Sicherheitsleute, sich die «Auserwählte» zu greifen. Auch in Dörfern machte Gaddafi seine «Brautschau». Versuchten Familien, ihre Kinder vor dem Zugriff der Gaddafi-Schergen zu schützen, wurden sie niedergeschossen.

BBC zeigt erstmals Bilder von Sex-Kerkern

Die jungen Frauen, Mädchen und auch Buben – einige von ihnen erst 14 Jahre alt – wurden in Sex-Kerker gebracht. Die BBC-Doku zeigt erstmals Bilder dieser Räume: In einem sind ein grosses Bett und ein Jacuzzi zu sehen, daneben ein Untersuchungsraum mit medizinischen Geräten, chirurgischen Instrumenten und einem Gynäkologen-Stuhl: Hier sollen Gaddafis Opfer auf Intimkrankheiten untersucht worden sein. Der britischen «Daily Mail» zufolge gab es auch einen Raum, in dem Abtreibungen vorgenommen wurden, wenn der Diktator seine Sex-Sklavinnen schwängerte.

Die Opfer seien gezwungen worden, Pornofilme zu schauen, um sich «weiterzubilden», schreibt die britische «Daily Mail» unter Berufung auf eine Vorausstrahlung des Dokumentarfilms. Gaddafi habe die Mädchen unter Einfluss von Kokain, Alkohol und Viagra in Empfang genommen und sie dann grauenhaft missbraucht. Nicht alle überlebten dies. Einige wurden halbtot auf Parkplätze und Müllhalden geworfen, wo sie qualvoll starben.

Leichen in Kühltruhen nach Gaddafis Sturz gefunden

Der BBC-Dokumentarfilm nimmt ein Thema auf, das auch die Journalistin Annick Cojean in dem 2012 erschienenen Buch «Die Beute – Im Harem von Gaddafi» behandelt. In einem Interview mit France 24 erzählt Cojean: «Gaddafi hatte einen Harem von Frauen, die in kleinen Zimmern oder Apartments im Keller seiner Residenz wohnten.» Gaddafi habe zudem Späher eingesetzt, die in ganz Afrika nach Frauen und Mädchen für ihn suchten. Auch in Paris seien sie unterwegs gewesen.

Jungen waren vor dem Diktator ebenfalls nicht sicher. Ganze Gruppen sollen in seine Räumlichkeiten gebracht worden sein. Ein ehemaliger Mitarbeiter Gaddafis sagt: «Er hatte seine eigenen Jungen. Sie wurden ‹Service-Gruppe› genannt.» Auch von ihnen überlebten nicht alle die sexuellen Misshandlungen. Nach Gaddafis Sturz im Herbst 2011 zeigte sich: Er liess diese Leichen in Kühltruhen lagern. Es soll ihm Spass gemacht haben, die Toten – darunter auch in Ungnade gefallene Minister – zu betrachten.

Der Film «Mad Dog – Gaddafi's Secret World» wird am 3. Februar um 21 Uhr auf BBC4 ausgestrahlt.

(gux)