Telefoninterview

24. Februar 2011 17:10; Akt: 21.03.2011 16:37 Print

Gaddafi warnt Libyer vor Osama Bin Laden

von Kian Ramezani - Demonstranten unter Drogen, Al Kaida vor der Tür: Gaddafis zweiter Auftritt ähnelte stark dem ersten – mit einem wichtigen Unterschied. Eine Kurzanalyse.

Letztes Mal sparch er vor einem ausgebombten Präsidentenpalast, diesmal rief er an. Das weckt Zweifel, ob er überhaupt noch im Land ist. (Bild: Lybisches staatsfernsehen/CNN)
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Inhaltlich brachte Gaddafis neueste Rede – als solche muss sie bezeichnet werden – wenig Neues. Eigentlich handelte es sich um ein Telefoninterview mit dem staatlichen libyschen Fernsehen. Doch wie im Orient üblich, erteilte der Fernsehjournalist dem Revolutionsführer das Wort und verstummte dann für den Rest des «Interviews».

In seiner knapp zehnminütigen Wortmeldung rekapitulierte Gaddafi noch einmal seine Rede vom Dienstag. Erneut wies er jegliche Verantwortung für die Unruhen von sich und beteuerte, er selbst habe keine Macht. Er verglich sich mit der Königin von England, die wie er ein symbolisches Staatsoberhaupt sei und keine Gesetze erlassen könne. Dies muss als verzweifelter Versuch gewertet werden, seine Verantwortung für die aktuelle Gewalt zu verschleiern.

Freipass für Gaddafis Truppen?

Im selben Zusammenhang verwies er wie am Dienstag auf die Rolle der Al Kaida, die hinter den Unruhen stehen soll und mit ihrem Extremismus die libysche Jugend verblende. Das seien nicht die alten Islamisten wie die ägyptische Muslimbruderschaft sondern die neuen wie Osama Bin Laden. Erneut warnte er, das Land könnte zu einer Terrorbasis und somit Ziel amerikanischer Angriffe werden.

Im Unterschied zum Dienstag vermied er diesmal explizite Drohungen an seine aufbegehrenden Untertanen. Trotzdem zieht sich ein besorgniserregender roter Faden durch seine beiden Reden: Gaddafi weigert sich, Verantwortung für die Gewalt zu übernehmen und betont immer wieder, er könne die Entwicklung gar nicht beeinflussen. Gleichzeitig gibt er fremden Mächten, der Al Kaida, die Schuld an den Unruhen und malt das Schreckensgespenst einer amerikanischen Militäraktion an die Wand. So distanziert sich der Revolutionsführer vorsorglich von jeglicher Gewalt gegen die libysche Bevölkerung. Gaddafi-loyale Truppen könnten das als Freipass verstehen, nach Gutdünken gegen seine Gegner vorzugehen.