Massaker an Frauen

05. März 2011 10:05; Akt: 05.03.2011 18:42 Print

Gbagbo-Militär bezichtigt den Westen der Lüge

Die Armee in der Elfenbeinküste will nicht für die Erschiessung von sechs Demonstrantinnen verantwortlich sein. Doch ein Video beweist das Gegenteil.

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Am ist der abgewählte Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, in seiner Residenz verhaftet worden. Am 13. April gab Alassane Ouattara bekannt, dass er Gbagbo vor Gericht bringen wolle. Soldaten des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo haben in der Elfenbeinküste auf französische Kampfhubschrauber geschossen. Am 7. April formieren sich die Truppen des international anerkannten Präsidenten Ouattara für einen Angriff auf die Residenz Gbagbos. Am 6. April schiessen Soldaten auf die Residenz des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo. Dieser soll sich laut UNO in einem Bunker verschanzen. Am 5. April nehmen Ouattara-Truppen den Präsidentenpalast ein. Gbagbo verschanzt sich in einem Bunker. Am 4. April mischen sich die UNO und Frankreich in den Konflikt in der Elfenbeinküste ein. Zuvor hatte Frankreich die Evakuierung aller in der Elfenbeinküste lebenden Franzosen vorbereitet. Am 1. April marschieren Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara in die Wirtschaftsmetropole Abidjan ein. Am 30. März 2011 nehmen die Anhänger Ouattaras die Hauptstadt Yamoussoukro ein. Am 29. März 2011 gelingt es Truppen von Alassane Ouattara, zwei Städte einzunehmen. Ouattara-Verbündete hoffen, mit der Einnahme strategisch wichtiger Städte den abgewählten Präsidenten Gbagbo ins Exil zu zwingen. Kristalina Georgieva, die Krisenreaktionskommissarin der EU kündigt die Aufstockung der Hilfe von 5 auf 35 Milliarden Euro an. Am 16. März schlägt der international anerkannte Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, dem abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo die Bildung einer gemeinsamen Regierung vor. Am 3. März 2011 intensivieren sich die Konflikte in der Elfenbeinküste: Gbagbo-Gegner demonstrieren gegen den abgewählten Präsidenten, dessen Milizen eröffneten derweil das Feuer gegen Demonstrantinnen. Bewaffnete Anhänger des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo töten am 21. Februar 2011 sechs unbeteiligte Zivilisten in Abidjian. Am 19. und 20. Februar gingen Anhänger des offiziellen Wahlsiegers Alassane Ouattara erneut auf die Strasse. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstössen mit der Polizei. Am 15. Februar 2011 liegen in der Elfenbeinküste immer noch über 100 Menschen in den Leichenhäusern: Eine Frau zeigt das Bild ihres Ehemannes, der ebenfalls getötet worden war. Am 24. Januar verlangt der Präsident Nigerias eine Resolution der UNO, um Gbagbo militärisch zu stürzen. Die UNO will weitere 2000 Mann in der Elfenbeinküste stationieren. Die Zeichen stehen auf Konflikt. Am 17. und 19. Januar 2011 versuchte der kenianische Präsident Raila Odinga (rechts), den Machtinhaber Laurent Gbagbo (links) dazu zu bewegen, auf sein Amt zu verzichten - vergeblich. Unterstützer von Wahlverlierer Laurent Gbagbo haben am 13. Januar 2011 drei UNO-Fahrzeuge in der Hauptstadt Abidjan angezündet. Dieser Anschlag war nicht der erste Angriff gegen die UNO-Blauhelme in dem westafrikanischen Land. In Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste ist es seit Anfang Dezember im Nachgang zur Präsidentenwahl zu wütenden Protesten gekommen. Herausforderer Alassane Ouattara hat die Wahl laut Kommission mit 54,1 Prozent der Stimmen für sich entschieden. Dennoch liess sich auch Amtsinhaber Laurent Gbagbo zum Präsidenten vereidigen. Die Anhänger von Wahlsieger Ouattara gingen wütend auf die Strassen Abidjans. Sie entfachten auch Feuer. Bei den Ausschreitungen kamen mindestens 173 Personen ums Leben, hunderte wurden verletzt.

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Ein Militärsprecher verlas am Freitag im Staatsfernsehen eine Erklärung, in der es hiess, dies sei eine Lüge, die von internationalen Medien verbreitet werde. Ein Regierungssprecher machte im Anschluss Terroristen für Strassenkämpfe verantwortlich, die von der UN-Mission in der Elfenbeinküste (UNOCI) unterstützt würden.

Es wurde auch Bildmaterial des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo bei einem Treffen mit Beratern am Vortag gezeigt. Darauf wirkte der normalerweise tadellos gepflegte Gbagbo erschöpft, er hatte tiefe Augenringe und war unrasiert, gab sich aber kämpferisch. «Ich werde der Elfenbeinküste nicht erlauben, sich zu unterwerfen», sagte er. «Was mich betrifft, ich werde durchhalten.»

AP stellt Video des Vorfalls auf YouTube

Unterdessen stellte die Nachrichtenagentur AP ein Video des tödlichen Vorfalls vom Donnerstag auf YouTube. Darauf ist zu sehen, wie Tausende Frauen singend den Rückzug Gbagbos fordern. Wenige Minuten später hört man mehrere Schüsse. Die Menge rennt schreiend auseinander, dann schwenkt der Kameramann über vier am Boden liegende Frauen. Eine blutüberströmte Frau versucht aufzustehen und bricht dann zusammen. An einer Stelle fängt die Kamera einen vorbeifahrenden blauen Panzerwagen ein, auf dem «Staatspolizei» steht.

Ein Kameramann, der für einen Fernsehsender der Opposition arbeitet, gab der AP die Aufnahmen. Der Sendeleiter erlaubte der Nachrichtenagentur, das Video zu verbreiten, dessen Echtheit nicht sofort bestätigt werden konnte. Die Aufnahmen decken sich jedoch mit Berichten von Augenzeugen.

Das Video zirkulierte auch im US-Aussenministerium, wo Hillary Clinton sagte, Gbagbo und seine Truppen hätten eine gefühllose Nichtachtung gegenüber Menschenleben und der Rechtsstaatlichkeit gezeigt, indem sie Jagd auf Unschuldige und Unbewaffnete gemacht hätten.

Der Marsch der Frauen fand in Abobo statt, einer Stadt in der Metropolregion Abidjan. In Abobo kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Strassenkämpfen zwischen Gbagbo-Milizen und Anhängern des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara. Etliche Ouattara-Anhänger haben sich inzwischen bewaffnet. Angesichts der gefährlich eskalierenden Situation befürchten die UN einen neuen Bürgerkrieg.

(ap)