Elfenbeinküste

04. März 2011 07:35; Akt: 04.03.2011 09:54 Print

Gbagbo-Truppen töten mehrere Frauen

Tausende Frauen waren aus Protest gegen den abgewählten Präsidenten Gbagbo auf die Strasse gegangen. Dessen Milizen schossen daraufhin auf die Demonstrantinnen.

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Am ist der abgewählte Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, in seiner Residenz verhaftet worden. Am 13. April gab Alassane Ouattara bekannt, dass er Gbagbo vor Gericht bringen wolle. Soldaten des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo haben in der Elfenbeinküste auf französische Kampfhubschrauber geschossen. Am 7. April formieren sich die Truppen des international anerkannten Präsidenten Ouattara für einen Angriff auf die Residenz Gbagbos. Am 6. April schiessen Soldaten auf die Residenz des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo. Dieser soll sich laut UNO in einem Bunker verschanzen. Am 5. April nehmen Ouattara-Truppen den Präsidentenpalast ein. Gbagbo verschanzt sich in einem Bunker. Am 4. April mischen sich die UNO und Frankreich in den Konflikt in der Elfenbeinküste ein. Zuvor hatte Frankreich die Evakuierung aller in der Elfenbeinküste lebenden Franzosen vorbereitet. Am 1. April marschieren Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara in die Wirtschaftsmetropole Abidjan ein. Am 30. März 2011 nehmen die Anhänger Ouattaras die Hauptstadt Yamoussoukro ein. Am 29. März 2011 gelingt es Truppen von Alassane Ouattara, zwei Städte einzunehmen. Ouattara-Verbündete hoffen, mit der Einnahme strategisch wichtiger Städte den abgewählten Präsidenten Gbagbo ins Exil zu zwingen. Kristalina Georgieva, die Krisenreaktionskommissarin der EU kündigt die Aufstockung der Hilfe von 5 auf 35 Milliarden Euro an. Am 16. März schlägt der international anerkannte Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, dem abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo die Bildung einer gemeinsamen Regierung vor. Am 3. März 2011 intensivieren sich die Konflikte in der Elfenbeinküste: Gbagbo-Gegner demonstrieren gegen den abgewählten Präsidenten, dessen Milizen eröffneten derweil das Feuer gegen Demonstrantinnen. Bewaffnete Anhänger des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo töten am 21. Februar 2011 sechs unbeteiligte Zivilisten in Abidjian. Am 19. und 20. Februar gingen Anhänger des offiziellen Wahlsiegers Alassane Ouattara erneut auf die Strasse. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstössen mit der Polizei. Am 15. Februar 2011 liegen in der Elfenbeinküste immer noch über 100 Menschen in den Leichenhäusern: Eine Frau zeigt das Bild ihres Ehemannes, der ebenfalls getötet worden war. Am 24. Januar verlangt der Präsident Nigerias eine Resolution der UNO, um Gbagbo militärisch zu stürzen. Die UNO will weitere 2000 Mann in der Elfenbeinküste stationieren. Die Zeichen stehen auf Konflikt. Am 17. und 19. Januar 2011 versuchte der kenianische Präsident Raila Odinga (rechts), den Machtinhaber Laurent Gbagbo (links) dazu zu bewegen, auf sein Amt zu verzichten - vergeblich. Unterstützer von Wahlverlierer Laurent Gbagbo haben am 13. Januar 2011 drei UNO-Fahrzeuge in der Hauptstadt Abidjan angezündet. Dieser Anschlag war nicht der erste Angriff gegen die UNO-Blauhelme in dem westafrikanischen Land. In Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste ist es seit Anfang Dezember im Nachgang zur Präsidentenwahl zu wütenden Protesten gekommen. Herausforderer Alassane Ouattara hat die Wahl laut Kommission mit 54,1 Prozent der Stimmen für sich entschieden. Dennoch liess sich auch Amtsinhaber Laurent Gbagbo zum Präsidenten vereidigen. Die Anhänger von Wahlsieger Ouattara gingen wütend auf die Strassen Abidjans. Sie entfachten auch Feuer. Bei den Ausschreitungen kamen mindestens 173 Personen ums Leben, hunderte wurden verletzt.

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In der Elfenbeinküste hat der seit drei Monaten dauernde Konflikt eine neue Stufe der Intensität erreicht. Am Donnerstag erschossen Sicherheitskräfte bei einer Demonstration mindestens sechs Frauen. Wie ein Mitarbeiter der Behörden mitteilte, eröffneten Milizen des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo mit Maschinengewehren das Feuer auf die Demonstrantinnen, die sich in der Stadt Abobo versammelt hatten. Augenzeugen berichteten, die Frauen seien von den Gewehrkugeln «in Stücke gerissen» worden.

Tausende Frauen waren aus Protest gegen Gbagbos Weigerung, die Macht an den international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara abzutreten, auf die Strasse gegangen. In der Elfenbeinküste haben Frauenmärsche Tradition. Eine der Veranstalterinnen der Kundgebung erklärte, sie hätten nicht damit gerechnet, dass Gbagbos Truppen auch auf Frauen schiessen würden.

UN befürchten neuen Bürgerkrieg

Washington verurteilte den Angriff umgehend. US-Aussenministeriumssprecher P. J. Crowley schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, der moralische Bankrott Gbagbos sei angesichts der Tat offensichtlich. Der UN-Sicherheitsrat erklärte, er sei «zutiefst beunruhigt» über die Eskalation der Gewalt in der Elfenbeinküste und befürchte, sie könne zu einem neuen Bürgerkrieg in dem westafrikanischen Land führen.

Angesichts anhaltender Strassenkämpfe in Abobo, einer Stadt in der Metropolregion Abidjan, sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 200 000 Menschen aus dem Gebiet geflohen. Seit Tagen war es dort bereits zu Kämpfen zwischen der Gbagbo-treuen Polizei und Soldaten gekommen, die hinter Ouattara, stehen.

Hochrechnungen der Nachrichtenagentur AP basierend auf UN-Zahlen und bestätigten Opferzahlen zufolge starben bei dem Konflikt knapp 400 Menschen. Allein in den vergangenen 24 Stunden kamen 32 Menschen ums Leben; die Opfer waren fast ausschliesslich Anhänger Ouattaras.

Gbagbo wird bis zum Ende kämpfen

Auch die Expertengruppe International Crisis Group (ICG) hat nun vor einem unmittelbar drohenden Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste gewarnt. In dem jüngsten Afrikabericht der ICG zeichneten die Autoren ein düsteres Bild der einstigen westafrikanischen Wirtschaftsmacht.

«Die internationale Gemeinschaft muss erkennen, dass der illegitime Präsident gewillt ist, bis zum Ende zu kämpfen, selbst wenn das bedeutet, die Elfenbeinküste in Anarchie und eine wirtschaftliche Katastrophe zu stürzen», warnen die Experten in ihrem Bericht. Alle Hoffnungen auf gutnachbarliche Beziehungen, Frieden und wirtschaftlichen Fortschritt in Westafrika drohten zu scheitern.

Massive Gewalt gegen Zivilisten befürchtet

Angesichts der Eskalation der Gewalt in den vergangenen Tagen sei das wahrscheinlichste Szenario für die Elfenbeinküste «ein bewaffneter Konflikt mit massiver Gewalt gegen Zivilisten, der eine militärische Intervention der Nachbarstaaten auslösen könnte».

Die westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS hat bereits vor Wochen mit einer militärischen Intervention als letztes Mittel gedroht.

(sda/ap)