Elfenbeinküste

23. Januar 2011 09:26; Akt: 23.01.2011 13:31 Print

Gbagbo-Vertrauter verliert Posten

Die Westafrikanische Wirtschaftsunion warf dem Chef der Zentralbank vor, weiterhin mit dem abgewählten Präsidenten Gbagbo kooperiert zu haben. Jetzt haben sie ihn zum Rücktritt gezwungen.

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Der Gouverneur der Westafrikanischen Zentralbank (BCEAO), Philippe-Henri Dacoury-Tabley, ist am Samstag zurückgetreten. Ihm war fehlende Kooperation mit dem international anerkannten Sieger der ivorischen Präsidentschaftswahlen, Alassane Ouattara, vorgeworfen worden. Dacoury-Tabley gab seinen Rücktritt nach einem Treffen mit den Staatschefs der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA) im malischen Bamako bekannt.

Dacoury-Tabley gilt als enger Vertrauter des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo, der sich noch immer weigert, das Ergebnis der Stichwahl vom 28. November anzuerkennen. Die BCEAO ist die Zentralbank der Länder Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal und Togo. Sie hatte Ouattara als Wahlsieger anerkannt und Gbagbo im Dezember den Zugang zu den Staatskonten gesperrt. Doch Ouattaras Gefolgsleute warfen Dacoury-Tabley vor, sich nicht an die Entscheidung, Gbagbo den Geldhahn zuzudrehen, gehalten zu haben.

Zum Rücktritt gezwungen

Nach dem Treffen mit Dacoury-Tabley wurde eine Pressemitteilung der UEMOA verlesen. Darin wurde dessen Rücktritt akzeptiert und Ouattara aufgefordert, einen Nachfolger für Dacoury-Tabley vorzuschlagen. Dieser erklärte, zum Rücktritt gezwungen worden zu sein. Er verteidigte sein Handeln als Zentralbankchef und verwies auf verschiedene praktische und technische Gründe, die es ihm nicht erlaubt hätten, Ouattara die Kontrolle über die ivorischen Staatskonten zu übertragen. «Einige verstehen einfach nicht, was wirklich vorgefallen ist», erklärte Dacoury-Tabley. Er sei sehr traurig. Dacoury-Tabley war 35 Jahre bei der BCEAO.

Die Elfenbeinküste war bei dem Treffen durch Ouattaras Ministerpräsidenten Guillaume Soro vertreten. Er bezeichnete den Rücktritt Dacoury-Tableys als positiv für sein Land. Die rechtmässige Regierung der Elfenbeinküste habe nicht hinnehmen können, dass Gbagbo weiterhin Gelder von ivorischen Staatskonten abhebe.

Gbagbo entzieht französischem Botschafter Akkreditierung

Am Samstag wurde dem französischen Botschafter in Abidjan von Gbagbo die Akkreditierung entzogen. Gbagbos Regierungssprecher, Ahoua Don Mello, verkündete die Massnahme am Samstagabend im Staatsfernsehen. Zuvor hatte das französische Aussenministerium Gbagbos Botschafter in Paris die diplomatischen Privilegien abgesprochen, da sie Gbagbo nicht als Präsidenten anerkennen würden. Gbagbo hatte bereits den kanadischen und britischen Botschaftern die Akkreditierung entzogen. Frankreich, Kanada und Grossbritannien erkannten stattdessen die neuen von Ouattara ernannten ivorischen Botschafter in ihren Ländern an.

(ap)