WM-Aus

09. Juli 2014 21:57; Akt: 09.07.2014 23:46 Print

Gehen die Proteste in Brasilien jetzt richtig los?

von K. Leuthold, Buenos Aires - Vier Wochen lang haben die Brasilianer die sozialen Probleme verdrängt. Es war WM. Doch was passiert jetzt, wo die Seleção ausgeschieden ist?

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Monatelang hatten sich die Brasilianer gegen die Ausführung der Fussball-Weltmeisterschaft in ihrem Land gewehrt. Das Geld solle lieber in Bildung, Gesundheit oder Strassenbau investiert werden, kritisierten sie an Demonstrationen das Vorhaben.

Spätestens nach dem ersten Anpfiff wurde es jedoch plötzlich wieder ruhig. Der Fussballgeist hatte die Brasilianer endlich gepackt. Es verstrichen vier friedliche Wochen, an denen kaum jemand über Politik sprach. Gestern Dienstag dann der Schock und nationales Trauma: Mit dem 1:7 Debakel gegen Deutschland ist die WM für Brasilien vorbei.

Bereits in der Nacht des Ausscheidens fanden in São Paulo und Rio de Janeiro gewaltsame Zusammenstösse statt. Wie wird es wohl weitergehen? 20 Minuten hat sich mit der Politikwissenschaftlerin Ina Peters vom GIGA Institute of Latin American Studies darüber unterhalten.

Frau Peters, sind die Brasilianer gute Verlierer?
Ina Peters: Die Brasilianer sind nach der hohen Niederlage vom Dienstag sehr frustriert. Sie haben im eigenen Land verloren. Es wird sehr schwierig für sie sein, sich davon zu erholen. Dazu kommt, dass die meisten in den letzten Wochen sehr stolz darauf waren, WM-Gastgeber zu sein. In der jüngsten Umfrage von Datafolha im Juli hatte sich 63 Prozent der Bevölkerung positiv zur Ausführung des Sportereignisses geäussert. Dabei waren sie Anfang Juni sehr skeptisch darüber gewesen, die Mehrheit war sogar dagegen.

Schon am Abend nach dem Spiel kam es wieder zu Ausschreitungen. Gehen jetzt nach dem WM-Aus die Proteste erst richtig los?
Die Ausschreitungen in der Nacht nach dem Ausscheiden haben keinen direkten Zusammenhang mit der Niederlage. Solche Randale können überall nach einem verlorenen Fussballspiel auftreten. Sie müssen nicht unbedingt mit den allgemeinen Protesten in Verbindung stehen, die seit einem Jahr stattfinden. Zu den Hintergründen der Ausschreitungen laufen derzeit noch polizeiliche Ermittlungen, deren Ergebnisse man abwarten muss.

Wird es zu neuen, massiveren Protesten kommen?
Die sozialen Proteste am Rande der WM haben nie ganz nachgelassen. Und es wird sie weiterhin geben. Viele Brasilianer, die in diesen Wochen durch den Fussball abgelenkt waren, werden erneut auf die Strasse gehen. Bis zu den Präsidentschaftswahlen im Oktober wird es immer wieder Proteste geben. Doch so stark, wie im vergangenen Jahr werden sie vermutlich nicht sein. Ich denke, das war ein einmaliger Höhepunkt, der Politiker, Experten und die Öffentlichkeit gleichermassen überrascht hat.

Was bedeutet das Ausscheiden an der WM für die Präsidentschaftswahlen im Oktober?
Das wird vermutlich keine Konsequenzen haben, so spektakulär das Ausscheiden auch war. Präsidentin Dilma Rousseff ist Kandidatin und gilt als Favoritin. In den letzten Umfragen steht sie mit 38 Prozent weit vor ihrem Gegner Aécio Neves, der zurzeit 20 Prozent der Stimmen erzielt. Sie hat gute Chancen, in der zweiten Runde wieder gewählt zu werden. Ein Grund dafür liegt darin, dass keine der Oppositionsparteien die Forderungen der Bevölkerung aufgegriffen haben.

Wie sieht es langfristig aus? Was dürfte für die Olympischen Spiele 2016 zu erwarten sein?
Es ist wichtig, dass die künftige Investitionen auch nachhaltig sind, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird und nicht nur in die Sportstätten investiert wird.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • papabuba am 09.07.2014 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht ausgeschieden....

    sie spielen noch um den 3. platz

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  • Brasilien Schweizer am 10.07.2014 03:05 Report Diesen Beitrag melden

    Niederlage im Fussball als Chance!

    Langsam begreifen Millionen Brasilianer, Dass mit Brot und Spielen sowie Fussball-Sambapartys keine sozialen Probleme gelöst werden. Auch wenn die Medien in den vergangenen Wochen Protestaktionen eisern verschwiegen haben, in Brasilien kocht die Wut gegen die wenigen Abzocker am Volksvermögen. Ich wünsche den Millionen armen Brasilianern endlich einen sozialen Sieg auf der Strasse! Ballspiele auf dem Rasen werden auch in Zukunft nichts verändern. Schiesst Eure längst fälligen Penalty endlich in der Politik.

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  • Lozärner am 09.07.2014 23:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Irgendwie krank die Bilder von gestern. Da weinen einige bitterliche Träne im Stadion während Millionen vor dem Stadion kaum was zu essen haben und sich Fragen müssen wie es Morgen weiter geht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mario Ph. am 10.07.2014 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Braslien

    Finde es immer wieder lustig das sich hier Leute(80%) melden die überhaupt keine Ahnung von Brasilien haben. Vielleicht sollten wir Europäer mit den Panzer einfahren und das Land demokratisieren. Ich finde Brasilien klasse wie es ist und lasst die Leute dort machen, die wissen sehr wohl was gut ist für ihr land und das kommt sicher gut..OHNE UNSER BESCHUETZERINSTINKT Besser wir kümmern uns um unsere probleme...

  • Sepp am 10.07.2014 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goldenes Kalb

    Das Goldene Kalb frisst munter weiter goldenes Gras. Ob darum ein Volk verhungert ist den Fußball Bärinnen egal, solange die Kassen voll sind ist für die FIFA alles in Ordnung.

  • Lucky am 10.07.2014 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland - Argentinien 1 - 3

    Bin zu 99% überzeugt, dass Deutschland den Final verliert.... Seit 60 Jahren verfolge ich den Fussball und zu 90% wenn eine Mannschaft als Gast soooo HOCH gewinnt , verliert er das nächste Heimspiel auch gegen schwächere Gegner, denn meist leben sie noch in einem Torrausch

    • Slahm am 10.07.2014 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      Danke.

      Korrekt analysiert.

    • piji am 10.07.2014 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Heimspiel

      Frage mich nur wie das Endspiel als Heimspiel betitelt werden kann.

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  • Beobachter am 10.07.2014 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Warum gibt es in Staaten mit funktionierender Demokratie immer weniger solche Anlässe? Weil es das Volk nicht will! Darum Katar, Russland, Afrikanische Staaten etc.

    • Meer am 10.07.2014 12:34 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht. Bewerbungen gibt

      es wie Sand auf dem Mond!

    • James am 10.07.2014 20:50 Report Diesen Beitrag melden

      In Staaten mit gewisser Demokratie...

      Müsste die Fifa zu hohe Steuern abdrücken und könnte keine Spezialvereinbarungen aushandeln. Deshalb klammern sie sich an Länder ausserhalb der EU.

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  • virginia am 10.07.2014 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    grössere probleme

    Sie können ja schon traurig sein, aber deshalb so ausflipen finde ich bedenklich.In Brasilien haben sie wirklich grössere probleme als diese niederlage im fussball,das leben geht doch weiter!!!