US-Kongresswahlen

12. Oktober 2010 10:32; Akt: 12.10.2010 10:42 Print

George W. Bush verkriecht sich in Texas

Im Gegensatz zu Bill Clinton engagiert sich der Texaner im Wahlkampf nicht für seine Partei. Mit ein Grund könnte ein Buch sein, das kurz nach den Wahlen erscheinen wird.

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Keine Lust mehr auf Politik: Ex-Präsident George W. Bush an einem Baseballspiel der Texas Rangers am 11. September 2010. (Bild: Keystone/Larry W. Smith)

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Bill Clinton erweist sich als echtes Zugpferd im amerikanischen Wahlkampf. Knapp drei Wochen vor den Kongresswahlen reiht der Ex-Präsident Auftritt an Auftritt, sammelt fleissig Millionen für seine demokratische Partei und unterstützt deren Kandidaten im Wahlkampf. Ganz anders sein Nachfolger George W. Bush, an dessen Seite sich kein republikanischer Kandidat zeigen mag. Die einleuchtendste Begründung ist die unterschiedliche Popularität der beiden Präsidenten im Ruhestand. Aus einer Umfrage von NBC und «Wall Street Journal» im September ging Bill Clinton als beliebteste politische Persönlichkeit in den USA hervor.

Gleichzeitig zeigte eine weitere Umfrage von der AP und dem Marktforschungsinstitut GfK bei 55 Prozent der Amerikaner eine negative Haltung gegenüber George W. Bush auf. Besonders problematisch: In derselben Umfrage machten 51 Prozent George W. Bush für die Wirtschaftskrise im Land verantwortlich. Das passt schlecht zur Strategie der Republikaner, den Demokraten die Schuld für 15 Millionen Arbeitslose anzuhängen. Zu frisch die Erinnerung an den Wahlkampf 2008, als Barack Obama seinen Gegner John McCain als «dritte Amtszeit Bushs» bezeichnete und gewann. Dass sich die republikanische Partei vor diesem Hintergrund nicht gerade um ihr ehemals prominentestes Mitglied reisst, erstaunt nicht.

Rückzug nach Texas

Das Desinteresse scheint indes gegenseitig. Unabhängig von den taktischen Überlegungen seiner Partei bekundete George W. Bush bisher wenig Interesse an öffentlichen Wortmeldungen. Seit dem Ende seiner zwei Amtszeiten als 43. Präsident der USA lebt er zurückgezogen und weit weg von Washington D.C. in Texas. Abgesehen von einigen wenigen Auftritten (unter anderem als Motivationsredner) tritt er kaum in Erscheinung und äussert sich auch nicht zu seinem Nachfolger im Weissen Haus. Darauf angesprochen sagte er dem Politmagazin «Politico» Anfang Jahr: «Ich möchte nicht zu den Ehemaligen gehören, die den Aktuellen sagen, was sie zu tun haben. Ich mochte es auch nicht, als ein gewisser Ex-Präsident – und es war nicht Nummer 41 oder 42 – mir damals das Leben schwer machte.» 41 war sein Vater George Bush Senior, 42 Bill Clinton. Die Anspielung zielte offensichtlich auf Nummer 39, Jimmy Carter, ein lautstarker Kritiker seiner Präsidentschaft.

Memoiren pünktlich nach der Wahl

Auch finanzielle Überlegungen könnten zum Schweigen George W. Bushs beitragen. Bill Clinton und Tony Blair lassen sich seit ihrem Rückzug aus der aktiven Politik ihre öffentlichen Auftritte als Gastredner vergolden und verdienen so Millionen. Angesichts seiner Herkunft aus einer vermögenden Familie hat George W. Bush das nicht nötig - oder hat dafür schlicht keine Zeit, wie er oft und gern betont. Zu sehr war er mit der Niederschrift seiner Memoiren beschäftigt. Am 9. November, kaum zufällig genau eine Woche nach den Kongresswahlen, erscheint «Decision Points» in einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren. Statt sich in den Niederungen der aktuellen Politik aufzureiben, scheint sich George W. Bush eher um sein historisches Vermächtnis zu sorgen.

(kri/ap)