Mord in Marokko

31. Oktober 2019 03:58; Akt: 31.10.2019 12:11 Print

Gericht bestätigt Urteil gegen Schweizer

Ein Berufungsgericht hat in Marokko die Urteile im Fall der Ermordung zweier skandinavischer Rucksack-Touristinnen bestätigt.

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In Marokko müssen sich 24 Angeklagte vor Gericht verantworten. Sie sollen zwei Touristinnen brutal ermordet haben. Der Hauptverdächtige hat nun gestanden. Der Genfer Kevin Z. wurde am 29. Dezember 2018 in Marrakesch festgenommen. Er ist bereits der zweite Schweizer Verdächtige, der im Fall der beiden ermordeten Rucksack-Touristinnen in Marokko verhaftet wurde. Die beiden Schweizer Doppelbürger sollen ... ... in engem Kontakt mit einer Gruppe gestanden haben, die in den brutalen Doppelmord an den zwei Touristinnen aus Skandinavien verwickelt ist. Im Bild: Die drei Hauptverdächtigen, die die Dänin (24) und die Norwegerin (28) geköpft haben sollen. Die Angeklagten wurden vom Staatsanwalt als einsame Wölfe bezeichnet. (im Bild: ein unidentifizierter Verdächtiger). Die mutmasslichen Haupttäter hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen (im Bild: ein weiterer unidentifizierter Verdächtiger). Ein von ihnen aufgenommenes Video der Tat wurde bislang jedoch nicht von den IS-Propaganda-Kanälen wiedergegeben. Der IS bekannte sich auch nicht zu dem Doppelmord, den die Täter nach eigenen Angaben in seinem Namen ausführten (im Bild: ein weiterer unidentifizierter Verdächtiger). Louisa Vesterager Jespersen (24) und ... ... ihre Freundin Maren Ueland (28) wurden am 17. Dezember 2018 in Marokko getötet. Die beiden Studentinnen stammten aus Norwegen und Dänemark. Sie waren für Wanderferien nach Marokko gereist. Die Mutter von Louisa Vesterager Jespersens Studienfreundin Maren Ueland (Bild) versicherte, dass die beiden Frauen sehr auf Sicherheit gesetzt hätten. Die Leichen der beiden Touristinnen sind nahe des Berges Toubkal gefunden worden. (Bild: Google Maps) Die Leichen wurden zehn Kilometer vom nächsten Dorf entfernt gefunden. Die Tat löste in Marokko und auch in den Heimatstaaten der beiden jungen Frauen Entsetzen und Trauer aus.

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In Marokko hat ein Berufungsgericht die Todesurteile gegen drei Männer wegen der Ermordung zweier skandinavischer Rucksack-Touristinnen bestätigt. Es standen 24 Beschuldigte vor Gericht, darunter ein Schweizer. Auch dessen 20-jährige Gefängnisstrafe wurde bestätigt.

Das Berufungsgericht in Salé wandelte am Mittwoch zudem die lebenslange Freiheitsstrafe eines vierten Beschuldigten in eine Todesstrafe um. Den 24 Beschuldigten wurde vorsätzlicher Mord, illegaler Waffenbesitz und die Gründung einer Terrorgruppe vorgeworfen.

19 der Beschuldigten erhielten Freiheitsstrafen zwischen fünf und 30 Jahren, die das Berufungsgericht nun bestätigte. Für einen weiteren Mann erhöhte das Gericht die Strafe von 15 auf 20 Jahre.

Die Beschuldigten baten am Mittwoch abwechselnd die Richter um Gnade und erklärten, sie seien unschuldig. Einige sprachen den Familien der Opfer ihr Beileid aus. Der einzige Ausländer unter den Angeklagten, der 25-jährige spanisch-schweizerische Doppelbürger, überliess das Wort seinem Anwalt. Dieser plädierte vergeblich auf unschuldig.

Beim Zelten ermordet

Einem weiteren Schweizer, der im Zusammenhang mit der Ermordung der beiden Frauen bereits im April verurteilt worden war, wurde vor zwei Wochen in einem separaten Berufungsverfahren die Freiheitsstrafe von zehn auf fünf Jahre verkürzt. Der 33-jährige britisch-schweizerische Doppelbürger wurde unter anderem wegen der Beteiligung an einer terroristischen Organisation für schuldig befunden.

Die 24-jährige dänische Studentin und ihre vier Jahre ältere norwegische Freundin waren im Dezember beim Zelten im Atlas-Gebirge im Nationalpark Toubkal südlich von Marrakesch ermordet worden. Nach Polizeiangaben wurden sie in ihrem Zelt überfallen und geköpft.

In einem nach dem Mord verbreiteten Video schworen die Täter dem inzwischen getöteten Anführer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, die Treue. Ein weiteres Video zeigte die Enthauptung eines der beiden Opfer.

Aufschrei in Marokko

Im Mai hatte einer der Hauptverdächtigen die Tat gestanden. Die vier Verurteilten, die der IS-Terrormiliz in einem Video einen Treueeid geleistet hatten, standen im Mittelpunkt des Verfahrens.

Der Mord hatte in Marokko zu einem öffentlichen Aufschrei geführt, viele Marokkaner hielten Mahnwachen für die Opfer ab. Die Todesstrafe wird in Marokko zwar verhängt, in der Regel aber nicht vollstreckt.

(chk/sda)