Strassburg

05. Juni 2015 11:20; Akt: 05.06.2015 16:15 Print

Gericht genehmigt passive Sterbehilfe in Frankreich

Ärzte dürfen die künstliche Ernährung eines Wachkoma-Patienten in Frankreich einstellen. Die Richter in Strassburg sprechen so das letzte Wort im Streit mit seinen Eltern.

storybild

Wegweisendes Urteil: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg (Archivbild Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im seit Jahren andauernden Rechtsstreit um passive Sterbehilfe für einen querschnittsgelähmten Franzosen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte einem Ende der künstlichen Ernährung zugestimmt.

Die Strassburger Richter lehnten die Beschwerde der Eltern und zweier Geschwister gegen das Ende der künstlichen Ernährung von Vincent Lambert ab. Der 38-Jährige liegt seit einem Verkehrsunfall im September 2008 im Wachkoma.

Grundrecht auf Leben

Die Kläger hatten geltend gemacht, dass ein Abschalten der lebenserhaltenden Geräte ein Verstoss gegen das Grundrecht auf Leben wäre. Dies verneinte der Strassburger Gerichtshof nun. Das Urteil wurde von der Grossen Kammer aus 17 Richtern gefällt, dagegen ist kein Einspruch möglich. Das Urteil erging mit zwölf Stimmen, fünf der Richter hatten eine abweichende Meinung.

Lamberts Ärzte hatten im vergangenen Jahr in Übereinstimmung mit seiner Frau und fünf anderen Geschwistern beschlossen, die künstliche Ernährung einzustellen, um den Schwerstbehinderten sterben zu lassen.

Diese Entscheidung wurde im Juni 2014 vom französischen Conseil d'Etat, dem höchsten Verwaltungsgericht des Landes, gebilligt. Die Eltern reichten daraufhin Klage beim Strassburger Gerichtshof ein. Dieser forderte Frankreich in einer ersten Entscheidung auf, den Patienten bis zur nun erfolgten Verkündung des endgültigen Urteils am Leben zu halten.

(afp)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • reini am 05.06.2015 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unsäglich

    meist kommt noch was dazu zum Sterben. das ist schon gut geregelt - keine Angst. aber seit 2008 irgendwo im Orbit zu schweben weder hier noch dort -DAS ist doch. total unmenschlich sowas..!

  • Fritz am 05.06.2015 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Spannendes Thema

    Wird auch immer anders beurteilt, wenn man es selbst man in der Familie erlebt (und nicht einfach nur verurteilt wenn man es in der Presse liest). Ich habe auch schon Fälle gesehen wo ich am Krankenbett sass und dachte eigentlich sollte man nicht nur ein Recht auf Leben haben, sondern auch ein Recht auf Sterben... Eine Patientenverfügung kann die Familie hier von solch unlösbaren und erdrückenden Entscheiden befreien.

  • Hannes am 05.06.2015 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Warum läst man Menschen denn so lange vor sich hin wegetieren? Ich habe in meiner Patientenverfügung geschrieben, dass sie gleich den Stecker ziehen wenn ich im Koma liege oder gelähmt bin.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Monica Gähwiler am 06.06.2015 04:13 Report Diesen Beitrag melden

    Zu Lebzeiten regeln

    Am besten verfasst man zu gesunden Lebzeiten eine Patientenverfügung, in welcher man genau angeben kann, was geschehen soll, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist, zum Beispiel nach einem Unfall. So kann man auch seine Familie vor diesen schwierigen Entscheidungen bewahren. Jahrelang dahinvegetieren zu müssen, ohne Hoffnung jemals wieder sich selbst sein zu können ist für mich persönlich eine absolute Horrorvorstellung.

  • Hannes am 05.06.2015 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Warum läst man Menschen denn so lange vor sich hin wegetieren? Ich habe in meiner Patientenverfügung geschrieben, dass sie gleich den Stecker ziehen wenn ich im Koma liege oder gelähmt bin.

  • Fritz am 05.06.2015 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Spannendes Thema

    Wird auch immer anders beurteilt, wenn man es selbst man in der Familie erlebt (und nicht einfach nur verurteilt wenn man es in der Presse liest). Ich habe auch schon Fälle gesehen wo ich am Krankenbett sass und dachte eigentlich sollte man nicht nur ein Recht auf Leben haben, sondern auch ein Recht auf Sterben... Eine Patientenverfügung kann die Familie hier von solch unlösbaren und erdrückenden Entscheiden befreien.

  • Verena am 05.06.2015 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterschied

    Wachkoma du Intelligenzbolzen... nicht künstliches Koma. Sprich keine Maschinen. Keine Nahrung mehr... zwiespältig anzusehen. Gibt in der palliativ Pflege ähnliche Aspekte...wenn der Patient den Mund nicht mehr zur Nahrungsaufnahme öffnet, wird er nicht gezwungenermaßen künstlich ernährt. Palliativ Care kommt meistens bei schwer Kranken oder alten Menschen zum Einsatz, dass vorneweg zu sagen. Bevor hier wer ankommt vonwegen...jaa wenn er aus physischem Grund ned mehr essen kann aber will. Eine Patientenverfügung zu machen, solange man bei Verstand ist, ist also sinnvoll.

  • reini am 05.06.2015 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unsäglich

    meist kommt noch was dazu zum Sterben. das ist schon gut geregelt - keine Angst. aber seit 2008 irgendwo im Orbit zu schweben weder hier noch dort -DAS ist doch. total unmenschlich sowas..!