Russland

13. Januar 2017 15:49; Akt: 13.01.2017 15:49 Print

Gesetz soll häusliche Gewalt erlauben

Schläge gegen Ehepartner und Kinder sollen in Russland kein juristisches Nachspiel mehr haben, wenn es der erste solche Fall ist. Das Erstaunliche: Der Vorschlag stammt von einer Frau.

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Häusliche Gewalt soll in Russland künftig straffrei sein, wenn das Opfer keine bleibenden Schäden davonträgt. (Symbolbild: AP Photo/Marko Drobnjakovic)

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Ein Gesetzesvorschlag in Russland ruft Frauenorganisationen auf den Plan. In der ersten Lesung am Mittwoch hat die Duma mit 368 von 450 Stimmen ein Gesetz gutgeheissen, wonach der erste Vorfall von häuslicher Gewalt nicht mehr bestraft werden soll.

Hinter dem sogenannten «Ohrfeigen-Gesetz» steht die konservative Parlamentarierin Jelena Borissowna Misulina (62). Sie hatte bereits die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften abgelehnt und für ein Verbot von Adoptionen russischer Kinder durch US-Bürger gestimmt.

Ohrfeigen seien «traditionelle Werte»

Misulina will Ohrfeigen — sei es gegen Kinder oder Ehepartner — als Bagatelldelikt abtun. Das jetzige Gesetz gegen häusliche Gewalt verletze «traditionelle russische Werte», hatte die Parlamentarierin vor einigen Monaten im Interview mit der «Moscow Times» behauptet. «In unserer Familienkultur basieren Beziehungen auf Autorität. Das Gesetz sollte dies unterstützen.»

Das «Ohrfeigen-Gesetz» betreffe Gewalttaten, bei denen das Opfer weder ins Spital muss noch deswegen bei der Arbeit ausfällt, erklärt Olga Batalina, Mitautorin des Vorschlags, der britischen BBC. Wiederholten sich die Vorfälle, dann sollen diese wie bis anhin mit Geldbussen oder Freiheitsentzug bestraft werden.

Frauenorganisationen werden aktiv

Für Frauenrechtlerin Olga Jurkowa von der Organisation Sisters ist das unbegreiflich: «Viele Frauen tolerieren Gewalttaten ihrer Partner und melden diese nicht der Polizei. Eine Entkriminalisierung der Tat wird alles nur noch schlimmer machen.» Die Aktivistin Alena Popowa lancierte eine Petition, um das Gesetz gegen häusliche Gewalt komplett revidieren zu lassen. In wenigen Tagen sammelte sie 175'000 Unterschriften.

Obwohl in Russland offizielle Statistiken zu häuslicher Gewalt rar sind, schätzen Forscher in diversen Studien, dass rund 600'000 Russinnen zu Hause verbale und physische Gewalt erleben. Pro Jahr sterben 14'000 Frauen wegen Misshandlungen durch ihre Partner – das sind fast 40 Todesfälle pro Tag.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.K. am 13.01.2017 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst Opfer

    Das lässt mich erfrieren: Pro Jahr sterben 14'000 Frauen wegen Misshandlungen durch ihre Partner das sind fast 40 Todesfälle pro Tag. Ich war selbst zweimal Opfer aber ich bin umgehend fort. Aber nicht jede Frau oder Mann kann abhauen. Man sollte alle helfen können aber das ist sooo schwierig. Die Täter (egal ob M oder W) so mächtig wenn man kein Selbsvertrauen mehr hat.

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  • Anonym am 13.01.2017 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Schon wieder wird so getan als ob ausschließlich Frauen die Opfer häuslicher Gewalt sind. Davon unabhängig ist das Gesetz natürlich Banane, Körperverletzung ist eine Strafttat, egal wo und von wem sie begangen wird.

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  • AcoZh am 13.01.2017 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Gehts noch??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Muuri93 am 14.01.2017 02:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend

    Wow! Jeden Tag stirbt meine Hoffnung in die Menschheit ein bisschen mehr... Das dieser Vorschlag auch noch von einer Frau kommt, ist der Gipfel des Eisberges

  • Marina V. am 13.01.2017 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unvorstellbar

    Ich denke diese Frau die das erlauben möchte ich selber Täterin oder war noch nie von Gewalt betroffen.

  • Laure. am 13.01.2017 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Justizindustrie dort nicht mehr

    Hier umsomehr.

    • Mathias Ramser am 14.01.2017 01:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laure.

      Sie können es auch Rechtssicherheit nennen. Das angestrebte tönt nach Anarchie.

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  • Donna M. am 13.01.2017 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Kopfschütteln

    Was ist das bloss für einen Frau?? Das ist ein Schlag ins Gesicht für jede Frau, die unter Häuslicher Gewalt leidet. Wenn sie mal so verprügelt wird, möchte ich dann sehen, ob sie die Schläge wirklich erlauben will.

  • AcoZh am 13.01.2017 17:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Gehts noch??

    • Donna M. am 13.01.2017 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @AcoZh

      Die bei diesen Kommentaren die Daumen runterdrücken, sind vielleicht die gerne zuschlagen?

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