Botschaft geschlossen

02. Januar 2020 05:28; Akt: 02.01.2020 05:28 Print

Gespannte Ruhe nach den Protesten im Irak

Die USA erinnerten den Irak daran, Angriffe gegen ihre diplomatischen Vertretungen zu verhindern.

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Nach den gewaltsamen Protesten an der US-Botschaft im Irak ist eine angespannte Ruhe eingetreten. Die Demonstranten in Bagdad haben sich angesichts eines massiven Aufgebots der Sicherheitskräfte weitgehend zurückgezogen. Die Botschaft bleibt bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen. US-Aussenminister Mike Pompeo appellierte in einem Gespräch mit Iraks Regierungschef Adel Abdel Mahdi am Mittwochabend (Ortszeit) erneut an die Pflicht des Iraks, «weitere Angriffe gegen unsere diplomatische Vertretung zu verhindern».

Infolge von US-Luftangriffen gegen schiitische Milizen am Wochenende waren am Dienstag Hunderte Demonstranten in die gesicherte «Grüne Zone» in Bagdad eingedrungen, um die US-Botschaft zu stürmen. Mehrere Wachhäuschen wurden in Brand gesetzt, Mauern beschmiert und Brandsätze geworfen. Sicherheitskräfte drängten die Demonstranten jedoch zurück, bevor sie auf das Botschaftsgelände gelangen konnten. Zur Abschreckung setzte das US-Militär auch Kampfhelikopter ein.

Das US-Militär verlegte zum Schutz der Botschaft umgehend rund 100 Marineinfanteristen aus dem benachbarten Kuwait. Am Mittwoch verlegten die Streitkräfte für den Fall einer weiteren Eskalation zudem rund 750 Fallschirmjäger aus den USA in die Region. Die USA haben derzeit rund 5000 Soldaten im Irak stationiert. Vom Militär am Mittwoch veröffentlichte Fotos zeigten Soldaten, die mit Schnellfeuergewehren auf dem Dach der Botschaft Wache standen.

USA machen Iran verantwortlich

Die Botschaft stellte infolge der Proteste alle konsularischen Dienstleistungen ein. Bereits vereinbarte Termine seien hinfällig und US-Bürger seien aufgefordert, sich der diplomatischen Vertretung nicht zu nähern, teilte die Botschaft mit. Das Generalkonsulat in Erbil - der Hauptstadt der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak - bleibe für Visums- und Passangelegenheiten geöffnet.

Die USA machen den Iran für die Proteste verantwortlich, weil Teheran die schiitischen Milizen im Irak unterstützt. Die Führung in Teheran weist den Vorwurf jedoch vehement zurück. US-Aussenminister Pompeo verschob angesichts der Spannungen eine für Ende der Woche geplante Reise in die Ukraine, nach Weissrussland, Zentralasien und Zypern bis auf Weiteres. Pompeo werde in Washington bleiben, um die angespannte Situation im Irak zu beobachten und die Sicherheit aller US-Bürger im Nahen Osten zu garantieren, erklärte das Aussenministerium.

Auslöser der Proteste waren Luftangriffe der USA auf Einrichtungen der schiitischen Miliz Kataib Hizbollah (Hisbollah-Brigaden). Dabei starben 25 Menschen, 50 weitere wurden verletzt. Die vom Iran unterstützte Gruppe wird seit 2009 von den USA als Terrororganisation eingestuft und soll für mehrere Angriffe auf US-Einheiten im Irak verantwortlich sein. Vergangenen Freitag waren bei Raketenangriffen auf eine irakische Militärbasis in Kirkuk ein dort stationierter US-Angestellter getötet und vier US-Soldaten verletzt worden.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Captain Hindsight am 02.01.2020 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erst Staatschefs putchen, dann ...

    ... jammern, weil man im Land nicht willkommen ist? Na das passt wieder einmal zur USA

    einklappen einklappen
  • Didierd am 02.01.2020 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Moral ? Was ist das ?

    Haben wir Glück das Ganze aus der Ferne beobachten zu dürfen ! Die Weltmächten wissen schon warum sie weit weg von der Heimat Kriege anzetteln .

  • Tom - Bern am 02.01.2020 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    verstehe ich das richtig?

    Die USA möchte gerne im Irak Angriffe fliegen, auch wenn sie angeblich "nur" Vergeltung sind und fordern aber, dass sie selbst geschützt werden?

Die neusten Leser-Kommentare

  • A.Bühler am 02.01.2020 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wem gehört die Botschaft

    Botschaftsgelände sind Staatsinseln des jeweiligen Staates. Der ansässige Staat hat für die Sicherheit zu Sorgen. Vorgänge auf dem Boschaftsgelände werden durch den Besitzerstaat gesteuert. Wer also die Amerikanische,Kandische etc. Botschaft betritt steht auf Amerikanischem Boden.

  • Tom - Bern am 02.01.2020 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    verstehe ich das richtig?

    Die USA möchte gerne im Irak Angriffe fliegen, auch wenn sie angeblich "nur" Vergeltung sind und fordern aber, dass sie selbst geschützt werden?

  • Chris am 02.01.2020 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Swiss first

    Gute Gelegenheit für die Schweiz als Vermittler u. A. die Nordstream-Sanktionen aufheben zu lassen. Die sind schon klein zu kriegen, die Amis!

    • Kudi am 02.01.2020 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Wieso sollte die Schweiz Nordstreamsanktionen aufheben wollen?? Sind wir etwa zu einem Pudel von Merkel degradiert worden?

    einklappen einklappen
  • Helga am 02.01.2020 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht so wichtig

    Irak ist so weit weg und spielt für mich überhaupt keine Rolle. Soll dort doch passieren, was will.

  • Felix am 02.01.2020 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einschreiten notwendig

    In Irak wird sicher der nächste Weltkrieg stattfinden. Dass die Botschafter sich aus dem besetzten Gebiet zurückziehen und selbst zur Waffe greifen, ist nachvollziehbar. Hoffentlich schreitet bald die königliche Armada ein.