Irrtümliches Todesurteil

21. Mai 2012 10:48; Akt: 21.05.2012 11:03 Print

Giftspritze für einen Unschuldigen

Die Diskussion um die Todesstrafe in den USA ist neu entfacht, nachdem ein Gutachten erstmals belegt, dass ein Unschuldiger getötet wurde. Es geht um einen Mord von 1983.

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Die Infografik über Hinrichtungen in den USA.

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Fast 30 Jahre nach der Ermordung der Texanerin Wanda Lopez haben der Jura-Professor James Liebman und fünf seiner Studenten den Bericht «Anatomie einer unrechtmässigen Hinrichtung» über die fälschlich erfolgte Hinrichtung des angeblichen Mörders veröffentlicht.

Das Team von der Columbia School of Law zeigt nach fünf Jahren wissenschaftlicher Erforschung auf, dass der zum Tode verurteilte Carlos DeLuna nach allem Dafürhalten nicht der Täter war. Er wurde 1989 im Alter von 27 Jahren durch eine Giftspritze getötet. Carlos DeLuna hatte im Laufe der Ermittlungen Carlos Hernandez als Täter benannt, der später wegen der Ermordung einer weiteren Frau verurteilt wurde und dann auch die Ermordung von Lopez gestand, bevor er an Leberzirrhose starb.

«Alles, was schiefgehen konnte, ging schief»

Liebman warf den Behörden extrem nachlässige Ermittlungen vor. In diesem Fall sei «alles schief gelaufen». Das Opfer habe 1983 vor der Tat zwei Mal vergeblich die Polizei angerufen, um Schutz vor einem Mann mit einem Messer zu verlangen. Um ihr fehlendes Eingreifen zu überspielen, habe die Polizei schnellstmöglich jemanden festgenommen.

DeLuna sei zum Zeitpunkt der Verhaftung, 40 Minuten nach dem Mord, rasiert gewesen und habe ein weisses Hemd getragen, der einzige Augenzeuge der Tat habe aber von einem Schnurrbartträger in grauem Hemd als Täter gesprochen. Zudem sei gesehen worden, dass der Mörder Richtung Norden floh, DeLuna sei aber östlich des Tatorts gefasst worden. DeLuna hatte damals gesagt, er sei vor der Polizei geflohen, weil er auf Bewährung war und getrunken habe.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna am 21.05.2012 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Dead Man Walking

    Filmtipp zum Thema: Dead Man Walking. Sehr empfehlenswert!

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  • Roman Bolliger am 21.05.2012 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Armutszeugnis für das US-Recht

    Es ist absolut skandalös und traurig, dass sich in den als Hort von Zivilisation und Freiheit anpreisenden USA Bürger vor der eigenen, offensichtlich oft unseriösen, rassistischen Polizei und Justiz und vor tödlichen Fehlurteilen fürchten müssen. Man stelle sich vor, was der unschuldige Mann hat durchmanchen müssen. Ein Armutszeugnis für die USA, ein Todesstoss für die Rechtstaatlichkeit.

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  • j.t.collins am 21.05.2012 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Mageres Bericht

    Mit so viele Fakten, wie in diesem Artikle ist es offensichtlich das DeLuna unschüldig war - 40 minuten nach der Tat östlich antstaat nördlich von der Stadt, weises Hemd - rasiert ... Ich meine, Strasse die nach Norden führen haben nie Abzweigungen nach Osten, weis und grau sind niemals verwechselbar und Schatten können nicht manchmal jemand täuschen ... Oder gibt es tatsächlich irgendwelche Befunde von diesen Selbsternannten Richter/Jury ...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • coco banana am 22.05.2012 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    mittelalter

    so und jetzt bitte die argumente der befürworter... hopp hopp

  • Mark am 21.05.2012 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    lest mal über Jens Söring...

    ist fast so bitter, aber der lebt (noch)!

    • Frank B. am 24.05.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      lest mal überJens Söring...

      Jens Söring ist mindestens genauso Unschuldig, es ist ein drama wie er seit Jahrzehnten für seine Freiheit Kämpft obwohl alles für seine Unschuld spricht !

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  • Zlottl am 21.05.2012 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Todesstrafe ist IMMER falsch

    Genau darum ist die Todesstrafe ein Fehler. Einen lebenslänglich inhaftierten kann man, nachdem seine Unschuld feststeht, entlassen und zumindest teilweise entschädigen. Einen Toten nicht. Ausserdem macht dies den Staat und alle Beteiligten zu Mördern.

  • Daweed am 21.05.2012 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    US of A

    Jetzt mal ehrlich: wen wunderts, dass es (nicht den ersten!) Unschuldigen getroffen hat? Todesstrafe ist ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Zugegeben, es gibt Fälle da bin auch ich dafür, aber wenn es auch nur einen treffen kann, der unschuldig ist - let it be. Lebenslänglich kostet nicht mehr als eine Hinrichtung. Shame on you, US of A !!!

  • hilfssheriff am 21.05.2012 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    rückständig.

    todesstrafe abschaffen, aber subito...!