UN-Bericht

27. November 2018 15:29; Akt: 27.11.2018 16:43 Print

Globaler CO2-Ausstoss auf neuem Rekordstand

Der Weltklimarat fordert «beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen». Der Grund: Die CO2-Emissionen haben einen Rekordstand erreicht.

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Laut einem schwedisch-kanadischen Forscherteam ist Verhütung die wirksamste individuelle Massnahme zur Bekämpfung des Klimawandels. Denn so herzig Kinder auch sind: ... Sie sind auch die grössten Klimakiller, wie es in den «Environmental Research Letters» erschienenen Studie heisst. Demnach bedeutet jedes nicht in die Welt gesetzte Kind eine CO2-Einsparung von 58,6 Tonnen im Jahr. Ebenfalls empfehlenswerte individuelle Massnahmen, mit denen sich der Kohlendioxidausstoss deutlich verringern würde, sind: der Verzicht auf Fleisch (jährliche CO2-Einsparung pro Person: 0,8 Tonnen) ... ... auf Flugreisen (jährliche CO2-Einsparung pro Person: 1,6 Tonnen), ... ... und Privatautos (jährliche CO2-Einsparung pro Person: 2,4 Tonnen). Diese Massnahmen sind laut den Forschern für den Klimawandel deutlich effektiver als die von Behörden in den USA, Kanada, Australien und Europa empfohlenen Strategien. So sind beispielsweise der Einsatz von Energiesparlampen und gewissenhaftes Recycling vier- bis achtmal weniger wirksam als eine vegetarische Ernährung. Wenig begeistert von den Empfehlungen seiner Kollegen zeigt sich Geobiologe Reinhold Leinfelder von der Freien Universität Berlin. Es sei eine faule Ausrede, die Überbevölkerung als Hauptgrund für den Klimawandel auszuweisen, nur um nichts dagegen tun zu müssen. Einig ist man sich dagegen, dass der Klimawandel bereits in vollem Gange ist, wie die folgenden Bilder zeigen. Geht die Erwärmung der Erde ungebremst weiter, werden extreme Unwetter mit schweren Stürmen und Überschwemmungen häufiger auftreten, warnen Klimaforscher. (Im Bild: Hurrikan Matthew wütet in Port-au-Prince, Haiti, Oktober 2016) Zum einen werden die feuchten Regionen der Erde immer feuchter. (Im Bild: Überschwemmungen in Queensland, Australien, April 2017) Zum anderen drohen den trockenen Gebieten Dürreperioden mit verheerenden Folgen. (Im Bild: hungerndes Kind in Somalia, März 2017) So wächst etwa die Gefahr von Waldbränden. (Kalifornien, September 2016) Auch die Landwirtschaft gerät unter Druck – vor allem in Entwicklungsländern, aber auch in der westlichen Welt. (Im Bild: verdörrtes Feld in Kalifornien, Juli 2016) Auf Klimaveränderungen reagieren Tiere, Pflanzen und Menschen empfindlich. Hitzewellen beeinträchtigen Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden. Besonders Kinder, Alte und Kranke müssen gesundheitliche Folgen fürchten. So erhöhen milde Winter zum Beispiel die Überlebensrate von Krankheitsüberträgern wie Mücken, Zecken oder Wanzen. Mit der Zunahme heisser Tage erhöht sich unter anderem die Konzentration von Ozon und Feinstaub in der Luft. (Im Bild: Smog über Santiago de Chile, Juni 2011) Flugpassagiere müssen sich auf immer mehr Turbulenzen gefasst machen. Die US-Luftfahrtbehörde stellte in der Zeit von 1982 bis 2003 eine Verdoppelung schwerer Unfälle durch Turbulenzen fest. In Zukunft dürften es noch mehr werden. Der Grund dafür liegt in der Stratosphäre: Dort sorgen Treibhausgase für Temperaturveränderungen, die wiederum Luftströme zwischen verschiedenen Schichten beschleunigen. Führen diese unregelmässigen Strömungen zu Turbulenzen, können Kräfte entstehen, die auch eine grössere Passagiermaschine wie ein Spielzeug durch die Luft wirbeln. Menschen entwickeln vermehrt Allergien. Aus Sicht von Forschern der Universität Wien wachsen zum Beispiel Ambrosia-Pflanzen bei Wärme besser. Ihre Pollen lösen besonders oft Heuschnupfen aus. Die Pollensaison insgesamt hat sich schon deutlich Meeresspiegel: Die Erderwärmung lässt Gletscher und das Eis der Pole schmelzen. (Bild: Abgelöste Eisschollen in der West-Antarktis, September 2016) Steigt der Meeresspiegel immer weiter an, sind die Inseln und Atolle der Malediven zum Beispiel Schätzungen zufolge in rund 100 Jahren überflutet. (Im Bild: Zerstörter Ort auf dem Mulaku-Atoll, Januar 2005) Aber auch in näherer Umgebung der Schweiz sind dramatische Folgen zu befürchten: Umweltschützer warnen etwa für die Nordseeküste, dass Wattflächen, Salzwiesen und Inseln dauerhaft überschwemmt werden könnten. (Im Bild: Hochwasser, Hallig Hooge, Januar 2007) Die Meereisdecken an den Polen waren im März so klein wie nie in einem solchen Monat seit Beginn der Messungen 1981. Das teilten Nasa und die Klimabehörde NSIDC mit. Das Arktiseis am Nordpol gehe seit Jahren zurück, am Südpol gebe es hingegen keinen sicheren Trend. Das weltgrösste Korallenriff, das Great Barrier Reef, vor Australien ist nach Expertenmeinung massiv vom Klimawandel betroffen. Forscher schreiben, grosse Teile der Stöcke seien bereits tot. (Im Bild: Das Riff im Mai 2016) Unter normalen Umständen leben Korallen mit Algen in einer Gemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen. Bei erhöhten Wassertemperaturen stossen Korallen die giftig gewordenen Algen allerdings ab. (Im Bild: Das Riff im November 2002) Wegen der wärmeren Wassertemperaturen siedeln sich zum Beispiel in der Nordsee mittlerweile Sardinen, Sardellen und Pazifische Austern an. (Im Bild: Vor Sylt geangelte Austern) Dem kaltwasserliebenden Kabeljau wird es allerdings langsam zu warm – er zieht in nördlichere Gewässer. Die durchschnittliche Nordsee-Temperatur hatte 2016 mit 11,0 Grad den zweithöchsten Wert seit 1969 erreicht. 2014 waren es 11,4 Grad gewesen.

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Um doch noch das Klima-Ziel des Pariser Abkommens umzusetzen, müsste die internationale Gemeinschaft laut einem Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) ihre Bemühungen mindestens verdreifachen. Nach drei Jahren Stagnation hätten die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid einen neuen Rekordstand von 53,5 Gigatonnen erreicht, heisst es im so genannten Emissions Gap Report, den das Unep wenige Tage vor der UN-Klimakonferenz in Kattowitz am Dienstag in Paris vorstellte. Damit rückten die Klimaziele in noch weitere Ferne.

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Der Weltklimarat IPCC fordert «schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen». Was tun Sie fürs Klima?

Der Unep-Bericht ermittelt alljährlich die Lücke zwischen den zu erwartenden Emissionen bis zum Jahr 2030 und den Werten, die für eine Erreichung der Pariser Klimaziele notwendig sind. Bei der UN-Klimakonferenz Ende 2015 in Paris hatte die internationale Gemeinschaft sich darauf verständigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Ein Wendepunkt ist nicht absehbar

Nichtsdestotrotz hätten die Treibhausgasemissionen weiter zugenommen, und ein Wendepunkt sei nicht absehbar, bemängelte das Unep. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssten die Länder ihre Klimaschutzziele verdreifachen und für das 1,5-Grad-Ziel sogar verfünffachen. Der Weltklimarat IPCC hatte in einem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel Anfang Oktober dargelegt, nötig seien «schnelle, weitreichende und beispiellose Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen», um das angestrebte Ziel noch zu erreichen.

«Wenn der IPCC-Bericht ein globaler Feueralarm war, dann ist dieser Bericht die Brandermittlung», erklärte Unep-Vizechefin Joyce Msuya mit Blick auf den Emissions Gap Report. Die Regierungen in aller Welt müssten schneller und entschlossener handeln. «Wir nähren dieses Feuer, obwohl die Mittel, es zu löschen, in Reichweite sind», kritisierte Msuya.

Je nach Schätzung könnte der CO2-Ausstoss bei entsprechenden Massnahmen von nationalstaatlichen, regionalen und kommunalen Behörden, Investoren und nichtstaatlichen Akteuren bis 2030 um 19 Gigatonnen verringert werden, heisst es in dem Unep-Bericht. Dies würde zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels reichen.

Erde steuert auf Erwärmung um rund 3 Grad zu

Die Berichtsautoren riefen dazu auf, technische Innovationen sowie eine geschickte Fiskalpolitik für einen klimapolitischen Umbruch zu nutzen. Wenn Regierungen die Steuerpolitik nutzten, um «Alternativen mit geringen Emissionen zu subventionieren» und fossile Energieträger zu verteuern, könnten sie damit «die richtigen Investitionen im Energiesektor stimulieren und die Kohlendioxidemissionen deutlich verringern», erklärte Unep-Chefwissenschaftler Jian Liu. Auch eine angemessene CO2-Bepreisung sei entscheidend.

Die Erde steuert dem Bericht zufolge auf eine Erwärmung um rund drei Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu. Danach werde die Durchschnittstemperatur nach jetzigem Stand voraussichtlich weiter steigen.

Der nun veröffentlichte neunte Emissions Gap Report wurde von einem internationalen Wissenschaftlerteam zusammengestellt, das dafür nach eigenen Angaben alle verfügbaren wissenschaftlichen Studien zum Klimawandel auswertete.

(afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cöne am 27.11.2018 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die ganze Welt zieht eh nicht mit.

    Europäer/innen werden buchstäblich gezwungen CO2 bewusst zu handeln und der Rest der Welt (USA, China, Russland) interessierts nicht. Was stimmt hier nicht?

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  • John Livers am 27.11.2018 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Die Massenproduktion geht weiter

    Im Jahr 1900 hatte die Erde 1,6 Milliarden Menschen, Heute sind es bald 8 Milliarden. Und die Massenproduktion geht weiter wie nie zuvor.

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  • Ändu am 27.11.2018 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts

    Logisch, immer mehr Bewohner die diesen unseren einzigen Planeten überbevölkern, kann man kein anderes Resultat etwarten

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Co2 Priester am 05.12.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht um Geld sonst nichts

    Das klimawirksamste Elemnt unserer Atmosphähre ist schlicht und einfach Wasserdampf dieses hat einen messbaren Einfluss auf die Temperatur auf der Erde. Komisch nur das in den IPCC Modellen darüber gar nichts steht und die Sonne hat darin auch keinen Enfluss (obwohl nur sie aktiv Wärme in das Klimasystem einbringt) Es wird immer nur vom Spurengas Co2 geredet welches passiv im System ist. Aber eben die Sonne oder den Wasserdampf kann man halt nicht besteuern deswegen braucht man das Co2 und kreiert Horrorszenarien mit diesem Märchen. Da gibt es auch den Ablasshandel mit den Co2 Zertifikaten....

  • Tom am 04.12.2018 22:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eine Frage der Auslegung

    Ja den schalten wir mal die grössten Handelsschiffe ab und verklagen die 3 welt Länder auf ihren 100fachen co2 ausstoss gegenüber dem Gefilterten Europa. Diese Geld Schröpfung funktioniert eben nur im reichen Westen und hier haben wir auch schon den Grund... der Westen soll an sich selber zu grunde gehen während der Rest der Welt sich ins Fäustchen lacht.

  • alice am 02.12.2018 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    logisch

    wir geben jetzt das AUto ab am 31igsten sind 70j. alt und werden mit der ÖV oder mit dem Taxi im Notfall fahren ! haben alle Geschäfte in der nähe und mit BAhn und Bähndli gehts auch üben schon seid 3 JAhren also ich bin auch fürs abgeben mit 70ig dann spart man auch CO2

  • Rolf am 01.12.2018 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kauft Kondome und rettet das Klima!

    Sind die gefälschten Zahlen und Manipulationsversuche des sog. 'Weltklimarates' IPCC (belegt durch veröffentlichte Emails) schon vergessen?

  • Merida am 29.11.2018 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CO2 Lügen

    CO2 Ausstosse gab es schon vor 20000 Jahren, heisst schon immer. Die Erde selbst reguliert den Ausstoss. Oder wie erklärt ihr euch ein Grön (Grünes)land und dann wieder eine Eiszeit? Aber achtung, wir schlittern wieder in eine Eiszeit. Das ewige Rad dreht sich. Wird es wärmer wie seit gut 1000 Jahren, schmelzen die Pole. Logischerweise schmelzt das Eis in grossen Mengen, das sehr viele sehr kalte Wasser gelangt in die Golfströme und beeinflusst das Wetter weltweit, im Klartext, es wird wieder spürbar kälter werden, weil die Golfströme sehr abhängig von unserem Wetter sind. "Erfieren" die Golfströme durch die xxxx Milliarden geschmolzenes Liter Eis, gibt es wieder eine Eiszeit. Wer die Menschheit am CO2 verantwortlich macht, kann sie nicht mehr alle haben. Wieviele Einwohner, Autos, Konzerne usw hatte die Erde vor 10000 Jahren? Wir produzieren einen CO2 Ausstoss von ca. 0,085%, der Rest praktiziert die Erde selbst.

    • MeinSenf am 29.11.2018 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Merida

      ich vermute, Du hast sie nicht, die wesentliche Einsicht: Nicht die Veränderung per se ist das Problem, sondern deren momentane Geschwindigkeit. Und die hat der Mensch zu verantworten.

    • Bota Niker am 29.11.2018 15:58 Report Diesen Beitrag melden

      @MeinSenf

      Bitte bleiben sie bei Ihrem Senf. Mehr CO2 wäre nur wünschenswert. Dadurch würden die Pflanzen viel besser gedeihen. Man könnte viel besser auch Bäume wieder anpflanzen und das Holz als Bau und Energieträger verwenden. Im Übrigen ist es so, dass der momentane Co2 nicht viel über dem Minimum liegt, welcher für die Pflanzen notwendig ist, damit sie leben können. Der aktuelle CO2 Gehalt ist in Tat und Wahrheit suboptimal. Er müsste einiges höher liegen. Insofern hilft der Mensch der Pflanzen Welt, wenn auch nur in sehr geringem Ausmass.

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