Prozess in Berlin

10. Januar 2019 13:52; Akt: 10.01.2019 14:55 Print

Goldmünze gestohlen – Araberclan vor Gericht

Mitglieder eines Araberclans stehen in Berlin vor Gericht. Sie sollen die zweitgrösste Goldmünze der Welt gestohlen haben. Die Clans versuchen offenbar, sich mit spektakulären Coups zu übertrumpfen.

Von der Goldmünze fehlt bis heute jede Spur. (Video: Tamedia/AFP/Reuters)
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53 Zentimeter Durchmesser, ein Gewicht von 100 Kilo und ein Wert von über drei Millionen Euro – das war die Mega-Münze, die kanadische Sonderprägung namens «Big Maple Leaf». War. Denn bis heute wurde die zweitgrösste Goldmünze der Welt nach dem Diebstahl aus dem Berliner Bode-Museum nicht gefunden. Sie wurde wohl zersägt und eingeschmolzen.

Goldmünze gestohlen – Araberclan vor Gericht

Auskunft über das Schicksal des riesigen Goldbrockens könnten Wissam R. (22), Ahmed R. (20) und Wayci R. (24) sowie Denis Umut W. (20) geben. Bislang aber schweigen die vier Männer im Alter zwischen 20 und 24 Jahren. Heute hat vor dem Landgericht Berlin der Prozess gegen die dreisten Diebe begonnen.

Mit Leiter und Rollbrett

Sie sollen die «Big Maple Leaf» Ende März 2017 aus dem Museum auf der Berliner Museumsinsel gestohlen haben. Und das in einer simplen und filmreifen Aktion: Den Tipp, dass die Münze und ein Fenster des Museums nicht alarmgesichert waren, soll der Wachmann Denis W. den drei Dieben gegeben haben.

Mit einer Leiter stiegen die komplett vermummten Diebe durch besagtes Fenster in das Gebäude ein. Laut Anklageschrift zertrümmerten die drei eine Vitrine und hievten die Mega-Münze auf ein Rollbrett, mit dem sie sie aus dem Gebäude schafften.

Wächter auf einmal zu Geld gekommen

Draussen wuchteten sie das schwere Diebesgut in eine Schubkarre und schoben es über die S-Bahntrasse in Richtung Hackescher Markt. Mit einem Seil liessen sie es auf der anderen Seite des Spreeufers zu einem am Monbijoupark wartenden Fluchtauto hinab und suchten das Weite.

Den Fahndern war schnell klar, dass hier ein Insider mit von der Partie gewesen sein musste. Sie hörten das Telefon von Wachmann Denis W. ab und erfuhren, dass dieser auf einmal in Geld zu baden schien. Er wollte sich einen Mercedes kaufen, eine Goldkette im Wert von 11'000 Euro hatte er schon erworben. «Er erwähnte ebenso, dass er 100'000 Euro anlegen könne und sein vorhandenes Geld schnell ‹loskriegen› wolle», zitiert Spiegel.de aus Unterlagen der Staatsanwaltschaft.

Verräterischer Einbruch auf Polizeigelände

Diese Erkenntnisse reichten für Durchsuchungsbeschlüsse aus, und diese führten schnell zum Erfolg: In den Wohnungen der Tatverdächtigen fanden die Ermittler nicht nur scharfe Waffen und viel, viel Bargeld sowie Notizen über die aktuellen Goldpreise, sondern auch Computer, auf denen über die Möglichkeiten des Einschmelzens von Gold recherchiert worden war.

Eine weitere heisse Spur fand sich in einem Auto, das die Polizei bei einem illegalen Rennen beschlagnahmt hatte. Wie heiss, zeigte sich, als Unbekannte sich zu dem auf dem Polizeigelände abgestellten Fahrzeug Zutritt beschafften und Feuerlöschschaum ins Innere sprayten. Offensichtlich versuchte jemand, so Spuren zu vernichten. Das gelang allerdings nicht. Die Spurensicherung stellte tatsächlich Spuren von «Goldanhaftungen» sicher.

Berüchtiger Araberclan und ungeklärter Banküberfall

Das polizeibekannte Diebestrio R. gehört einem ursprünglich aus dem Libanon stammenden Familienverband an, dessen Mitglieder immer wieder durch schwere Straftaten auffallen. Eine Gerichtssprecherin vermutete gegenüber deutschen Medien sogar, dass die Clans sich mit spektakulären Coups gegenseitig auszustechen versuchten.

Die Familie R. würde in diesem Fall ganz vorne mitmischen: Im vergangenen Sommer hatten Ermittler 77 Immobilien der Familie beschlagnahmt. Diese sollen mit Geld von einem Banküberfall erworben worden sein. Damals waren neun Millionen Euro erbeutet worden, die nie mehr zum Vorschein kamen.

(gux)