Lager in Texas

25. Juni 2019 23:09; Akt: 25.06.2019 23:09 Print

Grenzbehörde lässt Kinder wochenlang allein in Lager

Keine Fenster, keine Seife, keine Betreuung: Migrantenkinder mussten in einem Lager an der Grenze zu Mexiko unter unmenschlichen Bedingungen leben.

Die Lebensbedingungen von über 300 Migrantenkindern in US-Lagern haben für viel Kritik gesorgt. Nun wurden 249 von ihnen in anderen Einrichtungen untergebracht. (Quelle: AP)
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Ein Grossteil der Migrantenkinder, die in einem Grenzlager in Clint nahe El Paso im Bundesstaat Texas untergebracht waren, wurden in den letzten Tagen verlegt. Dies, nachdem eine Anwaltsgruppe vor einer Woche die katastrophalen Umstände aufdeckt hatte, unter denen die Minderjährigen lebten.

Die mehr als 300 Buben und Mädchen waren in dem heillos überfüllten Lager auf sich allein gestellt – offenbar schon seit über drei Wochen, obwohl laut Gesetz die maximale Aufenthaltszeit in einem temporär errichteten Zeltlager 20 Tage beträgt.

Ausserdem fehlte es an allem, an Essen, an Windeln, an Seife, an sauberen Kleidern, Zahnbürsten und Zahnpasta. Vor allem aber an Betreuungspersonal: Achtjährige Knirpse kümmerten sich um Babys und Kleinkinder. Dazwischen versuchten sie, einander gegenseitig zu beruhigen.

Drei Wochen lang nicht geduscht

Wie viele der 60 befragten Kinder den Anwälten erzählten, wurden sie in Räumen mit Fenstern zum Innenraum festgehalten, sie hatten also keine Möglichkeit, hinauszusehen. «In einigen Zimmern gibt es Betten, aber nicht genug für alle Kinder. Viele schlafen auf dem Boden, dabei haben nicht alle Matratzen», sagte Clara Long von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), die das Lager in Clint besuchte.

Viele Kinder seien erkältet gewesen und hätten kein Zugang zu Hygiene-Artikeln gehabt. «Einige Kinder, die bereits seit zwei oder drei Wochen festgehalten waren, hatten nur ein- oder zweimal duschen dürfen. Eines von ihnen sagte, es hätte seit drei Wochen nicht mehr geduscht», so Long zu «CNN». «Solche Hygienebedingungen bergen das Risiko, dass sich Infektionskrankheiten ausbreiten.»

Andere Kinder erzählten, dass sie fast einen Monat lang immer das gleiche «ungeniessbare und ungesunde Essen» bekommen hätten: Haferflocken, Fertigsuppe und einen zuvor gefrorenen Burrito, schildert Nicole Austin-Hillery von HRW.

Wie kann die Grenzschutzbehörde nichts davon wissen?

Laut einer Sprecherin der demokratischen Kongressabgeordneten Veronica Escobar verblieben am Montag noch 30 Kinder in Clint. In einem Brief an die US-Grenzschutzbehörde schrieb sie: «Wie ist es möglich, dass Sie die unmenschlichen Bedingungen für Kinder, insbesondere für Kinder im zarten Alter, in der Clint Station nicht kannten?». Escobar forderte, «diesen humanitären Missbrauch» bis Ende Woche zu beenden.

Zehntausende Menschen aus Mittelamerika fliehen jeden Monat vor Gewalt und Armut in ihren Heimatländern und versuchen, über Mexiko in die USA zu gelangen. Auch Flüchtlinge aus der Karibik, Afrika und Asien wählen den gefährlichen Weg durch Mexiko. Allein im Mai setzten US-Grenzpolizisten mehr als 144'000 Menschen fest, die illegal die Grenze überschritten hatten.

(kle)