David Cameron

21. Oktober 2010 09:09; Akt: 21.10.2010 09:10 Print

Grossbritannien rüstet ab

Einen zweiten Irakfeldzug kann sich das britische Militär nach den Budgetkürzungen nicht mehr leisten. Ohne Flugzeugträger liegt auch keine Befreiungsaktion im Stil des Falklandkriegs mehr drin.

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Der Flugzeugträger HMS Ark Royal am 19. Oktober 2010 im Hafen von Portsmouth. Er wird wie sein historischer Vorgänger, Lord Nelsons Flaggschiff HMS Victory (rechts) ausser Dienst gestellt. (Bild: Keystone/AP/Sang Tan)

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Abgesänge auf das britische Empire hat es schon zu viele gegeben, als dass dieses Bild hier noch einmal bemüht werden müsste. Aber die vom britischen Premierminister David Cameron angekündigten Kürzungen im Verteidigungsbudget werten Beobachter tatsächlich als historische Zäsur in der Wehrbereitschaft der Streitkräfte Ihrer Majestät.

Hierzulande sind Truppenverkleinerungen nach zahlreichen Armeereformen und Sparübungen längst mehrheitsfähig und beinahe schon courant normal. Für die Atommacht und das ständige Mitglied des UN-Sicherheitsrats Grossbritannien ist das hingegen ein aussergewöhnlicher um nicht zu sagen einzigartiger Vorgang. Die Fähigkeit, wenn nötig am anderen Ende der Welt Krieg zu führen, ist bis heute Teil des kollektiven Selbstverständnisses. Die Kolonial- sowie die beiden Weltkriege mögen lange her sein. Falkland, der Irak und Afghanistan sind es nicht.

«Helikopterträger»

Nichts symbolisiert diesen Niedergang dramatischer als das Schicksal der britischen Flugzeugträgerflotte. Die ruhmreiche Royal Navy, die einst beachtliche Gegner wie Napoleon und Hitler in Schach hielt, verfügte bis dato noch über einen einzigen voll einsatzfähigen Flugzeugträger. Die HMS Ark Royal wird jetzt im Rahmen der Sparbemühungen der britischen Regierung nach nur dreissig Dienstjahren stillgelegt. Die Bestellungen für zwei neue Schiffe, die HMS Queen Elizabeth und HMS Prince of Wales, hätte die Regierung am liebsten storniert, doch das wäre noch teurer geworden als sie fertig zu bauen.

Die HMS Queen Elizabeth wird 2016 ausgeliefert aber bloss mit Helikoptern bestückt werden. Denn nächstes Jahr werden die senkrechtstartenden Harrier-Jets aus dem Verkehr gezogen. 2019 kommt die HMS Prince of Wales hinzu, worauf die HMS Queen Elizabeth eingemottet oder verkauft wird. Mit der Auslieferung der neuen F-35-Kampfflieger wird Grossbritannien erst 2020 wieder über einen Flugzeugträger verfügen, der diesen Namen verdient.

Grosseinsätze nur noch bedingt möglich

Jenseits der Symbolik hat diese Abrüstung auch sehr praktische Konsequenzen. Wie der «Guardian» schreibt, wird Grossbritannien künftig nicht mehr in der Lage sein, Militäroperationen im Stil des Irak- und Afghanistanfeldzugs durchzuführen. Bis 2020 wird eine Befreiungsaktion wie im Falklandkrieg unmöglich sein. Laut dem Verteidigungsministerium können die britischen Streitkräfte noch eine grosse Aktion mit maximal 6500 Soldaten durchführen (verglichen mit den aktuell 10 000 in Afghanistan) plus zwei kleinere. Ein Grosseinsatz mit bis zu 30 000 Soldaten wird nur noch mit genügend Vorwarnung und für einen begrenzten Zeitraum möglich sein.

Die Sparübung wirft ihren Schatten auch auf das aktuelle Engagement in Afghanistan. Das Finazministerium rechnet dort mit Ausgaben von 15 Milliarden Pfund über die nächsten vier Jahre. Das Geld wird aus einer Spezialreserve kommen, nicht aus dem ordentlichen Verteidigungssetat.

(kri)