Krise in Venezuela

03. Februar 2019 00:53; Akt: 03.02.2019 12:48 Print

Ein Kompromiss scheint in weiter Ferne

Der selbsternannte Interimspräsident sieht sich kurz vor dem Ziel, den umstrittenen Staatschef Maduro aus dem Amt zu drängen. Aber das Land ist tief gespalten.

Ein grosser Aufmarsch: Anhänger der Opposition sammeln sich in der Hauptstadt Caracas. (Video: AFP)
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Ein Meer gelb-blau-roter Fahnen, Hunderttausende auf den Beinen, flammende Reden, Jubel und Applaus. Die Grosskundgebungen von Regierung und Opposition im südamerikanischen Krisenstaat Venezuela sahen sich am Samstag streckenweise ziemlich ähnlich.

Auch in ihrer Kompromisslosigkeit ähnelten sich die Hauptredner, der selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó und der umstrittene Staatschef Nicolás Maduro. Ein Kompromiss oder eine Vermittlung waren weiter nicht in Sicht. Maduro bot erneut eine Neuwahl an - aber nur eine des Parlaments, keine des Präsidenten, wie es Guaidó fordert.

Der Oppositionsführer machte seinen Anhängern Hoffnung, der Machtwechsel stehe «unmittelbar» bevor. «Wir schwören: Wir bleiben auf den Strassen, bis es Freiheit, eine Übergangsregierung und Neuwahlen gibt», sagte Guaidó in der Hauptstadt Caracas unter dem Jubel der Menge, die seine Worte im Chor wiederholte. Für den 12. Februar, der in Venezuela als Tag der Jugend gefeiert wird, sowie anlässlich von Hilfslieferungen in den kommenden Tagen kündigte er neue Massenproteste gegen Maduro an.

Guaidó gibt sich siegessicher


Maduro schimpft über USA

Maduro aber zeigte sich bei einer offiziellen Kundgebung mit ebenfalls etwa hunderttausend Teilnehmern unbeeindruckt und warnte seinen Herausforderer: «Ich bin der wahre Präsident Venezuelas. Und wir werden weiter regieren.» Die Militärführung und der Sicherheitsapparat stehen zu ihm - auch wenn ein General am Wochenende überlief.

Auf der Agenda der regierungstreuen Verfassungsgebenden Versammlung stehe eine Prüfung, die eigentlich für Ende 2020 vorgesehene Parlamentswahl vorzuziehen, sagte der Linksnationalist. Er sei damit «einverstanden». Maduro kündigte in der Rede eine Aufstockung der Armee an, deren Unterstützung für seinen Verbleib an der Macht entscheidend ist. Dazu sollten zehntausende Milizionäre in die Armee eingegliedert werden.

Maduro warf der Opposition und den USA einen «schauderhaften Plan» für einen «Staatsstreich» vor. US-Präsident Donald Trump lasse sich von seinem Umfeld über Venezuela täuschen. Sein Sicherheitsberater John Bolton sowie Vizepräsident Mike Pence und US-Aussenminister Mike Pompeo seien «drei Kriegsfalken, die besessen von Venezuela sind». Venezuela werde sich den Vereinigten Staaten aber nicht ergeben.

Sicherheitskräfte halten sich zurück

Die Kundgebungen für und gegen Maduro lagen mehrere Kilometer voneinander entfernt, über gewaltsame Ausschreitungen wurde zunächst nichts bekannt. Bei den jüngsten Massenprotesten waren nach Medienberichten mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen und rund 850 festgenommen worden.

Die sonst schnell gegen regierungskritische Demonstrationen einschreitenden Sicherheitskräfte hielten sich auffällig zurück. Im Bundesstaat Lara zog sich die Polizei sogar auf Bitten der Guaidó-Anhänger zurück, wie die Zeitung «El Nacional» berichtet. Ob Maduro die Oppositionskundgebungen nicht verhindern konnte oder wollte, blieb unklar.

Für Guaidó formierten sich auch in anderen Städten des südamerikanischen Ölstaates Demonstrationen. Der 35-Jährige, der sich vergangenen Monat selbst zum Interimspräsidenten proklamiert hatte, forderte erneut freie und faire Wahlen.

(roy/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Türke am 03.02.2019 01:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oel

    Bin nicht für Maduro. Doch was die USA und EU da wieder Anstalten, zeigt nur wer die wirklichen Schurken auf dieser Welt sind. Da soll jetzt niemand wieder von Menschenrechte und Demokratie in Westen reden. Es geht immer nur um die Resurcen und dann gelten Demokratie und Menschenrechte nicht. So einfach

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  • Aladin am 03.02.2019 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aladin

    Ich glaube das langsam jeder versteht das es der USA nicht um Demokratie und Menschenrechte geht, vergleiche dafür sind vorhanden Irak, Afghanistan usw. in Venezuela will man bewusst Unruhe stiften um die Regierung mit einer eigen Zucht zu stürzen, der Juan Guaidó wurde in der USA Ausgebildet und nach eigenen Interessen gezüchtet, die Menschen welche ihm hinter her rennen werden dann am Ende erst merken das es für Sie nichts verändert hat, der einzige Unterschied wird sein das die USA das Öl ohne einen Cent zu bezahlen abzapfen werden...

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  • Albi am 03.02.2019 03:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Venezuela

    Diese bessesenheit nach dem land das am meisten ölvorkommen weltweit besitzt, wird wohl immer bestehen. Das land müsste aber vereint sein,und einen fairen ölpreis anbieten dürfen, was anderen ländern wohl nicht gefallen würde, den sie wollen es für einen billigeren preis haben, was Maduro nicht zulässt. Sein vorgänger, Hugo Chavez, der von anfang an auf konfrontationskurs mit den USA war, hat gleichzeitig in seiner zeit die armut bekämpft, und mehr als die hälfte im land aus der armut geholt. Es müsste ein kompromiss entstehen, das die menschen wieder normal leben und normale preise zulässt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Homo Sapien am 03.02.2019 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rosinenpicken

    Wieso mischen sich so viele Länder in innere Angelegenheiten ein? Die venezolanische Regierung darf und soll ja auch nicht bei EU oder Russland Wahlen mitreden bzw. sich einmischen. Klare Don'ts wenn irgendwelche Oppositionelle durch ausländische Regierungen ohne rechtliche Grundlagen als Präsidenten anerkannt werden.

  • Heidi Heidnisch am 03.02.2019 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sanktionen

    Ich habe es schon in anderen armen Ländern gesehen, z.B. Nepal: Sobald eine sozialistische Regierung an die Macht kam, haben die Amis, die EU und andere Länder (CH), jegliche Entwicklungshilfe eingefroren. Während vorher 90% der Auslandshilfe in grossen Hosensäcken versickerte, und nur 10% wirklich für das Volkswohl eingesetzt wurden, kam dann gar nichts mehr rein. Auf einmal standen die ganzen Idealisten herum und konnten die Strassen nicht mehr flicken, weil sie keinen Belag mehr kaufen konnten. Dasselbe haben die Weltmächte auch mit dem sozialistischen Ideal des reichen Venezuelas gemacht.

  • Secondo am 03.02.2019 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ölreserven

    Manchmal ist ein gute Diktatur besser als eine schlechte Scheindemokratie. Schaut mal nach Lybien es hat unter Gadaffi weniger Tote gegeben als im Bürgerkrieg und im jetzigen Chaos. Das Land ist jetzt pleite und die Leute leben schlechter als zu Zeiten Gadaffis aber hey jetzt ist es eine Demokratie. Das selbe jetzt in Venezuela. Die USA sind schuld, wegen den Sanktionen geht es dem Land erst schlecht und es geht nicht um Demokratie es geht darum eine USA freundliche Regierung zu installeren und es wird nicht lange gehen bis Shell & Co sich an die Ölreserven gemacht haben.

  • Fiona am 03.02.2019 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dahinter steckt die USA

    Venezuela wollte das Öl nicht mehr in Dollar handeln, Lybien und der Irak hatten dasselbe geplant. Schauen wir doch Heute auf diese Länder welchen von unseren Amerikanischen Freunde befreit wurden.

  • Ueli Wittwer am 03.02.2019 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Helft euch, durch das tun!

    Klar, ist es wichtig, dass Maduro geht. Nur ein neuer President lösst das Problem noch nicht. Auch das Volk muss sich bewegen und mithelfen diesen Staat von Grund auf neu aufzubauen. Das wird aber klar ganz schwierig und hart sein. Es braucht gegenseitige Hilfe zur Selbsthilfe von daher auch einen riesigen Einsatz von jeder/m. Man/frau muss es tun Geschenke gibt es keine.