Plagiatsvorwurf

21. Februar 2011 11:59; Akt: 21.02.2011 23:09 Print

Guttenberg gibt Doktortitel auf

Der massiv unter Druck stehende deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will seinen Doktortitel dauerhaft nicht mehr führen.

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Screenshot der interaktiven Übersicht der von «Guttenplag-Wiki» beanstandeten Plagiate.

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Guttenberg habe der Universität Bayreuth am Montagabend einen Brief zugeleitet und darin um die Rücknahme des Titels gebeten, sagte ein Universitätssprecher auf Anfrage. Guttenberg habe dies mit dem Hinweis auf «gravierende handwerkliche Fehler» getan, die er bei nochmaliger Durchsicht seiner Dissertation festgestellt habe.

«Ich habe mich am Wochenende nochmals mit meiner Doktorarbeit beschäftigt und es war richtig, dass ich gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht mehr führen werde», sagte Guttenberg am Montagabend bei einer Wahlveranstaltung im hessischen Kelkheim bei Frankfurt. «Die Entscheidung, den Doktortitel nicht zu führen, schmerzt.» Er wolle mit seiner Entscheidung auch dazu beitragen, dass sein ehemaliger Doktorvater und seine frühere Universität keinen Schaden nähmen, erklärte Guttenberg.

Bundeskanzlerin Merkel hatte am Montag erstmals angedeutet, dass sie an dem Minister auch dann festhalten würde, wenn ihm der Doktortitel aberkannt würde. Für sie sei allein seine Arbeit als Minister entscheidend, und die mache er hervorragend. Sie habe ihn nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Inhaber eines Doktortitels berufen.

«Peinliches» und «Blödsinn»

Guttenberg räumte erneut Fehler ein: «Ich habe Fehler gemacht, ich habe sie nicht bewusst gemacht», sagte er. Auch «Peinliches» sei dabei passiert, räumte der Minister ein und verwies auf nicht ausgewiesene Zitate aus der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» in der Einleitung seiner Promotionsarbeit. «In der mir abgesprochenen Demut entschuldige ich mich bei allen, die ich verletzt habe», sagte Guttenberg.

Er habe sechs bis sieben Jahre an seiner Promotion geschrieben, sagte der Politiker und fügte hinzu: «Möglicherweise habe ich an ein oder anderer Stelle den Überblick über die Quellen verloren.» Jedoch habe er die Arbeit selbst verfasst. «Daher stehe ich auch zu dem Blödsinn darin», bekräftigte er.

Auf 271 Seiten abgekupfert

Die Internetseite «Guttenplag-Wiki» legte am Montag einen Zwischenbericht vor, wonach auf 271 Seiten oder fast 70 Prozent der Dissertation zu Guttenbergs mögliche Plagiate zu finden sind. Eine Auswertung der bereits analysierten Fragmente zeigt den Angaben zufolge, dass 1115 Zeilen oder 27 Seiten reiner Text «Komplettplagiate aus anderen Quellen» seien. Weitere 1437 Zeilen oder 35 Seiten reiner Text könnten «verschleierte Plagiate» sein, die nach Angaben der Autoren «keinesfalls durch vergessene Anführungszeichen entstanden» seien.

Hinzu kämen 410 Zeilen sogenannter Übersetzungsplagiate. Insbesondere soll es sich dabei um einen Abschnitt über mehr als sechs Seiten (362-363, 363-364 und weitere) handeln, «der Satz für Satz aus einem Artikel in 'Foreign Policy' übersetzt wurde». Auf der Internet-Website «Guttenplag-Wiki» sammeln Kritiker Plagiats-Funde und diskutieren ihre Stichhaltigkeit.

«Das ist ein Problem für die politische Kultur»

Die Täuschungsaffäre um die Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sorgt nach Ansicht der Grünen für eine «Werteerosion» in Deutschland. «Das ist ein richtiges Problem für die politische Kultur in unserem Land», sagte Grünen-Chefin Claudia Roth am Montag in Berlin. «Ich bin mir ziemlich sicher, dass zu Guttenberg diese Dimension noch nicht erkannt hat.»

Ein Student werde exmatrikuliert, wenn er bei einer Hausarbeit abschreibe und das nicht kennzeichne, sagte Roth. Es dürfe für «bestimmte Personen» keine Ausnahmen geben. Andernfalls breche die Gesellschaft auseinander.

Plagiat und «Ghostwriter»?

Führende CDU-Politiker haben zu Guttenberg in der Affäre um dessen Doktorarbeit gegen Kritik verteidigt. «Das Wichtigste ist, dass Karl-Theodor zu Guttenberg, ob mit oder ohne Doktortitel, ein hervorragender Verteidigungsminister ist», sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen. «Entscheidend ist, dass man durchaus Fehler machen kann», sagte die CDU-Politikerin. Wichtigste sei, dass man zu seiner Verantwortung stehe. «Das tut er voll und ganz.» Unterm Strich gelte, was Guttenberg für sein Land leiste. «Und da ist er hervorragend, und deshalb bin ich froh, dass wir einen solchen Verteidigungsminister haben.»

Guttenberg wird vorgeworfen, Teile seiner Doktorarbeit ohne Quellenangabe abgeschrieben zu haben. Auch wurde am Wochenende der Verdacht geäussert, Guttenberg habe die Arbeit von einem «Ghostwriter» schreiben lassen. Der Minister selbst hat bisher nur allgemeine Fehler im Zusammenhang mit der Doktorarbeit öffentlich zugegeben.

(sda/ap)